Bikepacking Salkantay Trail

Salkantay Trail

Auf unserem Roadtrip durch Südamerika befinden wir uns in Cusco, einer touristischen Großstadt im Süden Perus. Cusco hat es trotz des schnellen Wachstums geschafft, ihre von den Inka geprägte Authentizität zu behalten. Die weltberühmte Ruinenstadt Machu Picchu ist für den hohen Andrang an Menschen aus aller Welt verantwortlich. Für unzählige Reiseveranstalter ist Cusco der Ausgangspunkt von geführten Touren.

Doch deswegen sind wir nicht hier. Uns zieht ein mehrtägiger Wanderweg an, der ein kleines Dorf in Cuscos Umland mit Agua Calientes verbindet. Der „Salkantay Trek“ gilt als die beliebteste Alternative zum „Inka Trail“, da dieser mittlerweile einem unglaublich strikten Reglement unterliegt. Abgesehen davon, dass die limitierten Permits für den „Inka Trail“ Monate vorab ausgebucht sind und wir nicht nach Machu Picchu möchten: Hier herrscht striktes Fahrradverbot! Also fokussieren wir uns auf den „Salkantay Trek“ und modifizieren diesen nach unseren Wünschen um. Wir werden vier Tage auf Mountainbikes unterwegs sein und drei Nächte draußen übernachten. Dabei nehmen wir jeden möglichen Trail mit, schleppen unser Equipment über die Pässe und versorgen uns selber. Dabei sind gut 3500 Höhenmeter Aufstieg vor uns, fast 4500 Tiefenmeter Abfahrt und ein Pass auf über 4600m. Der Plan ist es, am letzten Tag an einer Inka Ruine zu übernachten und einen Blick auf „Machu Picchu“ zu werfen, um anschließend eine über 1000 Tiefenmeter lange Abfahrt durch den Amazonas Regenwald ins Tal zu haben. Von da aus soll uns ein öffentlicher Bus wieder nach Cusco bringen. Da wir nicht wandern, sondern zum Mountainbiken hier sind, sprechen wir vom „Salkantay Trail“.

Hier geht es zum Video über den gesamten Trip:  Salkantay Trail

Für unsere interessierten Leser hier die Berichterstattung:

Rationieren, packen, festzurren

Bevor wir loslegen, decken wir uns mit Proviant ein. Bis auf das Milchpulver fürs Müsli zum Frühstück gibt’s alles auf dem lokalen Markt. Wir stellen fest, dass beim Bikepacking mit einem Trail Bike das Packvolumen unsere größte Herausforderung ist. Also nehmen wir nur das nötigste Geschirr mit: Eine Bialetti, zwei Becher und zwei Schüsseln. Zugegeben, der Kaffee ist Luxus, auf den wir aber auf keinen Fall verzichten! Die Mahlzeiten ähneln einer großzügigen Brotzeit. Wir zurren uns Schlafsäcke, Isomatten und das Zelt an den Lenker und das Unterrohr. An den Rucksäcken die Schoner – drinnen die vorgekochten Eier und Kartoffeln. Dazu gibt’s Avocados, Maisbrote und ordentlich Käse. Voller Vorfreude legen wir uns in unserem Ford Transit für die Nacht ab. Im Morgengrauen geht’s los.

Tag 1

Cusco – Mollepata – Soraypampa

Mit den ersten Sonnenstrahlen rollen wir nach Cusco rein. Die Stadt ist schon lange wach, als wir zu unserer Bushaltestelle hochkurbeln. Nach einer kurzen Verhandlung über den Preis geht’s schon los: Bikes aufs Dach schnallen, warten, bis der Bus sich gefüllt hat und ab. Zwei Stunden später sind wir in Mollepata. Wir kurbeln auf der Versorgungsstraße Richtung Soraypampa los und verlassen diese zügig auf einen Singletrail. Gute 1500 Höhenmeter Anstieg liegen vor uns. Der Trail verläuft über bewirtschaftete Felder und durch lichte Wäldchen. Ein paar Pferde drehen uns verunsichert den Rücken zu, während wir unsere Bikes über deren Zaun hieven. Am späten Mittag passieren wir die Baumgrenze und befinden uns auf einem andinen Trail. Fest eingelaufen durch die Touristen und deren Träger-Esel lässt es sich gut kurbeln. Es geht rauf und runter, immer wieder wechselt sich eine kurze Abfahrt mit einem steilen Gegenanstieg ab. Das Tal öffnet sich und bietet einen traumhaften Blick auf den Nachbargipfel des Salkantay. Wir rasten, bevor wir wieder in den Trail einsteigen.

Dieser verläuft ab jetzt überwiegend bergab mit mächtig Flow. Wir kommen wieder an der Versorgungsstraße an – ab hier sind es noch wenige Kilometer zu treten, bis wir pünktlich zur Dämmerung in Soraypampa ankommen. Bevor wir unser Camp aufschlagen, grüßt uns der Salkantay in der untergehenden Sonne. Was ein weißer Riegel! Mit 6264m ist der gletscherüberzogene Gipfel der höchste Berg der Cordillera Vilcabamba.

Die Dunkelheit bringt einen sternklaren Himmel und die Temperaturen fallen schnell unter den Gefrierpunkt. Nach dem Essen ziehen wir uns in die Schlafsäcke zurück.

Tag 2

Soraypampa – Salkantay Pass – Colcapampa

Aufgewacht, die Sonne lacht. Nach einer erholsamen ruhigen Nacht starten wir gemütlich mit einem Kaffee in den Tag. Bikes wieder bepacken und immer Richtung Salkantay. Der vergletscherte Berg türmt sich majestätisch vor uns auf, leuchtet in der Sonne und lässt sich immer wieder von Wolkenfeldern umschmeicheln.

Mit dieser Aussicht starten wir also unseren Aufstieg zum Pass. So lange wir noch kurbeln können, überholen wir einige Touristengruppen, die bereits vor uns in den Trailabschnitt gestartet sind. Ab einer gewissen Höhe und mit zunehmend losem Untergrund wird aber das Kurbeln sehr mühselig und wir entscheiden uns, die Bikes zu schultern. Nicht unnötig Körner verschenken. Wir haben noch einiges an Wegstrecke zu leisten an diesem Tag.

Wir begegnen noch einer Herde Lamas bevor wir am Pass ankommen, wo uns mal wieder erstaunte Touristen anschauen, weil wir mit unseren vollbepackten Fahrrädern auf den Schultern in dieser zauberhaften Kulisse auftauchen.

Wir finden, dass wir uns nach diesem Aufstieg auf 4630m erstmal einen Kaffee verdient haben. Leider hängen die Wolken jetzt genau am Pass fest, was die Aussicht ein wenig trübt.

Als wir dann aber in die Abfahrt starten, erwischen wir immer wieder ein paar Wolkenfenster. Etwa 10 km Abfahrt liegen vor uns – 100% Singletrail. Wir starten vom Pass zunächst in teilweise ausgesetztes Gelände mit losem Geröll, was aber den Fahrspaß keineswegs schmälert. Ein paar Tiefenmeter weiter verändert sich wieder die Vegetation und der Trail nimmt Flow auf. Wieder überholen wir Gruppen mit Mulis und Sherpas, die uns in gewohnter Weise erstaunt und freudig grüßen.

Wir lassen die touristischen Camps in Colcapampa hinter uns und finden auf einer Schafswiese am Ende eines benachbarten kleinen Dorfes unseren nächsten Schlafplatz. Auch hier haben wir wieder einen fantastischen Blick in das dschungelartige Tal.

In dem Dorf unterhalten wir uns noch etwas mit den Einheimischen, die unsere Bikes testen. An dem Kiosk füllen wir unsere Wasser- und Obstvorräte auf und bekommen sogar noch Tüten, um unsere Schlafsäcke bei der weiteren Fahrt vor Regen und Schlamm zu schützen. (Merke: Beim nächsten Trip alles in wasserdichte Säcke packen, die am Bike befestigt werden).

Tag 3

Colcapampa – Sahuayaco – Llactapata

Der Wecker mischt sich unter das Regenprasseln auf dem Zelt. Das Tal ist grau und vom Dschungel ist nicht mehr viel zu sehen, dafür sind die Bikes wieder sauber. Wir flüchten mit unserem nassen Zelt unter einen Unterstand am Straßenrand und frühstücken. Hier werden wir schnell, aber freundlich, verjagt, da der Unterstand ein Verkaufstresen ist. Unser aufgehängtes Zelt weicht diversen selbstgehäkelten Schals und Decken, die vorbeilaufenden Touristen angepriesen werden.

Bis nach Sahuayaco liegen etwa 15km vor uns – bergab! Der Trail schlängelt sich an einem reißenden Fluss entlang und mit jedem gefahrenen Meter wird es heller. Die Wolke verlässt das Tal und lässt die Sonne rein. Wir packen die Regenjacken weg. Dennoch: Die Tüten vom Kiosk retten unsere Schlafsäcke für die letzte Nacht. Wir haben immer wieder kleine Gegenanstiege vor uns auf dem eigentlich sehr flowigen Trail. Wir schultern unsere Bikes immer wieder, um ein paar Meter über Stufen aufzusteigen. Wir hüpfen und rollen mehrfach über Brücken, die gerade so breit sind wie unsere Lenker. Vorbei an Avocadobäumen und Maracujabüschen kommen wir zügig vorwärts. Schwärme von Schmetterlingen flattern los, wenn wir über deren Wiese fahren. Der Trail überrascht mit einigen S2 und S3 Passagen, immer dann, wenn man am wenigsten damit rechnet – und schon sind wir in Sahuayaco. Hier werden die Touristen-Horden eingefangen und nach Santa Teresa kutschiert.

Wir verlassen das Tal jedoch wieder an der nächsten Kreuzung und möchten zu den Llactapata Ruinen aufsteigen, an denen wir die letzte Nacht des Trips verbringen wollen. Es sind lediglich 800 Höhenmeter auf einem fest angelegten Weg. Wir sehen auf eine breite, steile Treppe, die im Dschungel verschwindet. Der vor uns liegende Abschnitt gehört zum offiziellen Inka Trail und genau das ist unser Problem – das sich in Form zweier Herren vom Ministerio de Cultura y del Ambiente stellt. Sie mähen gerade den Rasen auf den Inka Treppenstufen und lassen uns mit den Mountainbikes nicht durch. „No está permitido!“ heißt es, wir dürften nicht durch. Sind wir jetzt in Österreich? Wir fangen an zu diskutieren. Nach gut einer Stunde hat der erste Kollege keine Lust und verweist uns an seinen Chef. Ich telefoniere mit jemandem in Cusco. Natürlich ist er derselben Meinung wie sein Rasenmäher. Deutsch wie wir sind, wollen wir das irgendwo geschrieben sehen. Wir möchten nicht von unserem Plan abweichen. Mittlerweile sind zwei Stunden vergangen und der Kollege mit dem Handy sagt, dass er eine Kopie vom Reglement hätte. Das sei in seinem Haus, das auf dem Weg nach Llactapata liegt. Allez hopp, hoch da – die Bikes bleiben aber unten. Liza wartet bei den Bikes in einer Kaffeeplantage, während ich 300 Höhenmeter mit dem Kollegen aufsteige. Die Enttäuschung sitzt tief, als ich den Text vorgelegt bekomme, der es explizit verbietet, auf dem Inka Trail Fahrrad zu fahren.

Ich rufe nochmal in Cusco an – keine Chance. Wir dürfen zwar aufsteigen, aber ohne die Fahrräder. Fahrradfahren ist auf dem Inka Trail nun mal verboten. Respekt an Hans Rey!

Als ich wieder bei Liza an der Kreuzung ankomme, sind schon drei Stunden rum, wir besprechen die Lage. Die Ruinen sind das Highlight dieses Trips und wir versuchen einen Weg zu finden, weder gegen das Reglement zu verstoßen noch die Bikes im Tal zu lassen. Unsere Abfahrt liegt nämlich auf der anderen Seite des Berges. Der Besitzer der Plantage bekommt von unserer Lage Wind und fragt nach, was denn los sei und wir klären ihn auf. Pragmatische Antwort seinerseits: Der Inka Trail ist eigentlich nur bis zu den Ruinen. Der Weg, den wir abfahren möchten, ist nachträglich angelegt worden – und unterliegt keinen in Cusco verfassten Gesetzen. Wir wittern unsere Chance, decken uns mit frischem Kaffee bei dem guten Mann ein und schultern die Bikes. Wir wollen es drauf ankommen lassen: Wir steigen auf bis zu der Hütte des Rasenmähers und unterbreiten ihm einen Deal: Der Aufstieg bis zu den Llactapata Ruinen erfolgt komplett zu Fuß, wir tragen die Bikes ohne auch nur eine Reifenspur zu hinterlassen. Abfahren wollen wir nach den Ruinen und dort verstoßen wir nicht gegen das Reglement. Mit dieser vagen Hoffnung klopfen wir samt Bikes an seine Hütte. Nun zu dritt setzten wir uns zusammen und er hört sich unseren Vorschlag an.

 

Ein weiteres Telefonat mit Cusco bleibt uns erspart. Entweder ist es die Gutmütigkeit unseres Gegenübers oder Lizas positiver Vibe, der unsere Beharrlichkeit freundlich erscheinen lässt. Wir setzen ein handschriftliches Dokument mit unseren Namen und Passnummern auf, in dem wir unterschreiben, dass wir auf keinen Fall gegen das Reglement verstoßen. Und unser Plan geht auf: Wir dürfen mit den Bikes aufsteigen! Auch wenn wir einen Großteil hätten kurbeln können, sind wir heilfroh, dass wir unseren Aufstieg nach Llactapata machen dürfen. Leider hat uns das Verhandeln über vier Stunden gekostet, weshalb wir die letzten zwei Stunden mit Stirnlampen aufsteigen.

Am Gipfel angekommen, überrascht uns ein rudimentärer Campingplatz mit einer eiskalten Dusche leicht abseits. Wir schlagen unser Zelt auf und packen unser Proviant aus. Wie schnell aus einem spaßigen kurzen Tag ein langer spannender werden kann! Wir übernachten auf einer Ebene, von der wir morgen auf Machu Picchu, das auf dem Kamm gegenüber liegt, rüber schauen können. Uns trennt ein gut 1000 Meter tiefes Tal, wohin auch unsere Abfahrt führt, die nach den Llactapata Ruinen startet. Noch sind wir auf dem Inka Trail und legen uns für die Nacht ab.

Tag 4 - letzter Tag

Llactapata Ruinen – Santa Teresa

Am nächsten Morgen, der erste Blick aus dem Zelt zeigt… nichts, außer drei anderen Campern. Immerhin hat der nächtliche Regen aufgehört. Nachdem die Zelte der Touris unter dem Regendach abgebaut sind, hängen wir unser Zelt erstmal zum Trocknen auf und gönnen uns den ersten Kaffee.

Wir warten ab, bis sich das Wolkenfeld lichtet und den Blick auf Machu Picchu frei gibt.

Mit diesen Impressionen starten wir also unseren Weg zu den Inkaruinen Llactapata. Zunächst tragen wir das Bike noch durch den nassgeregneten und schlammigen Dschungel – wir haben ja versprochen erst ab dort wieder zu fahren.

Der Weg ist schnell geschafft und dort angekommen hat sich auch die Sonne durchgekämpft. Wir erkunden die zugewachsenen Ruinen und genießen noch einmal die freie Sicht auf Machu Picchu bei einem obligatorischen Kaffee.

Der Inka-Trail liegt nun also hinter uns und es wartet eine der schönsten Abfahrten, aber leider auch schon der letzte Trail unserer Bikepacking-Tour, auf uns. Der schmale Weg schlängelt sich in vielen Spitzkehren den steilen Hang hinunter. Der Regen hat ganze Arbeit geleistet und die Wege matschig hinterlassen. Der technische Anspruch in den Kurven, wechselt sich mit steinigen Passagen ab und wird von unglaublicher Vegetation begleitet. Am Ende des Trails machen wir an einer kleinen Hütte halt, wo uns eine nette Frau leckeres Obst verkauft, was wir ein paar Meter weiter auch vom Baum pflücken können. Die Dame erzählt uns, dass sie noch nie Biker auf dem Trail gesehen hat und gibt uns noch ein paar Tomatillos mit auf den restlichen Weg.

Bei Sonnenschein kommen wir in Santa Teresa an. Der Plan ist, von hier ein Collectivo zurück nach Cusco zu nehmen. Wir fragen uns ein wenig durch und bekommen die Information, dass wir zunächst nach Santa Maria müssen und dort ein Collectivo nach Cusco bekommen. Während uns ein hilfsbereiter Peruaner ein Taxi von Teresa nach Maria organisiert, gönnen wir uns ein Menü mit Fisch, Reis und Salat. Nach vier Tagen kalten Kartoffeln, Avocado und Käse schmeckt das warme Essen königlich.

Nach der holprigen Taxifahrt von Santa Teresa über die Schlaglochpiste nach Santa Maria, müssen wir noch eine Stunde auf das letzte Collectivo an diesem Tag nach Cusco warten. Wir überbrücken die Zeit mit einem Bier. In Cusco kommen wir dann irgendwann gegen 23 Uhr an. Dort steht als letzte Etappe die Asphaltstraße zu unserm Bus an. Dort angekommen sind wir ziemlich müde, aber hoch zufrieden und glücklich.

An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Jan für den Schnitt unseres Films.


Listo el viaje!

Listo el viaje!

Es ist bereits drei Monate her, dass wir nach Deutschland zurück gekommen sind. Der Livebericht – ein Novum in der Geschichte der Trailhunter Website – ist beendet. Nun ist es an der Zeit, einen Schlussstrich unter dieses Unterfangen zu ziehen.

Hit the road - ab nach Westen
Listo el viaje!

„Ich habe fertig!“

…ist das am besten passende Zitat zum aktuellen Projektstand in deutscher Sprache. Von Giovanni Trapattoni, einem Italiener, und gute 20 Jahre alt. Und rund genauso viele Tausend Kilometer haben wir mit unserem Ford Transit von der Feuerwehr zurückgelegt. Von Montevideo in Uruguay über Argentinien, Chile, Bolivien bis nach Arequipa in Peru. Der halbe Reisepass ist voll mit südamerikanischen Stempeln aus den neun Wochen, das Roadbook hat Eselsohren und der Bus mehrere Dellen und Kratzer. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Verschleiß bleibt nicht aus und das ist auch gut so.

Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!

Wie erging es uns bei dem Trip? Nach den Startschwierigkeiten in Montevideo und der gefühlt ewigen Krankheit haben wir uns rasch an das Leben im Bus gewöhnt – auch wenn wir nicht gerade mit Luxus verwöhnt wurden. Zwei Monate zu zweit in einem Auto – kann das gut gehen? Ja, es kann! Erstaunlicherweise kam es kaum zu Meinungsverschiedenheiten und wir konnten die ein oder andere Extremsituation als gutes Team problemlos überstehen.

Wir saßen viel im Auto, das lässt sich schon von den Gesamtkilometern ableiten. Das war von Zeit zu Zeit nervig, aber dennoch die beste Möglichkeit, die Weite und gefühlte Unendlichkeit der faszinierenden Landschaft rund um die Anden zu erfahren. Es gab einige Rückschläge bei den Biketouren, doch diese konnten dafür meistens mit irrsinniger Landschaft Pluspunkte sammeln. Wir sind eben einfach verwöhnt von unseren gut erschlossenen Alpen. Die Entschädigung für gelungene Touren war dafür umso besser, wie zum Beispiel bei unserem ersten 6000er.

Interessant war auch das Erlebnis, mit wie wenig Dingen man auskommt – schon allein, weil im Bus kein Stauraum mehr frei war. Aber auch, weil man Vieles einfach nicht braucht. Darunter fällt zum Beispiel auch eine Uhr. Noch nie haben wir so das Zeitgefühl verloren, wie in Südamerika. Man steht eben auf, wenn es hell wird und geht schlafen, wenn man abends angekommen ist und müde wird. Welcher Tag gerade ist, spielt keine Rolle. Die kleinen Läden in den Ortschaften haben sowieso immer geöffnet. Und die Berge stehen auch jeden Tag da. Als wir in der Großstadt Oruro ankamen, haben wir eine Frau auf der Straße nach einem großen Supermarkt gefragt. Ihre Antwort: „Die Straße runter und dann links, aber der hat heute zu, heute ist doch Ostern“. Ach ja, Ostern – das kam uns bis dahin nicht ein einziges Mal in den Sinn. Und erst dann kam uns beiden in den Sinn, dass Flo zwei Tage zuvor Geburtstag hatte. Man kann also sagen, wir haben zeitlich völlig abgeschaltet.

Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!

Wir möchten an dieser Stelle weniger Bericht erstatten, das kann alles nachgelesen werden. Womöglich schaffen es die Bilder, unsere Eindrücke weiterzugeben. Selbst wenige Wochen nach dem Projekt entgleiten uns bereits die Erlebnisse, die wir durchgemacht haben. Und werden durch das Durchscrollen der Berichte und Fotos wieder in Erinnerung gerufen.

Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!

Eisig, steil, windig, …

Schweißgebadet stiefelten wir auf erloschenen Vulkanen über Jahrtausende alte Lavazungen, um Tage später einem Vulkanausbruch wenige Kilometer entfernt in eisiger Höhe beizuwohnen.

Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!

Wir sind mit den Bikes den Pazifikstrand entlang, durch Wüsten und tropische Wälder gefahren, haben die Bikes durch verblocktes Gelände getragen und sind über kritische Schneehänge abgefahern. Mit diversen Verkehrsmitteln und mehreren Versuchen haben wir uns einen Weg von 0m bis 6075m üNN gebahnt.

Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!

Verkehrt, karg, zugemüllt, …

In den entlegensten Ecken, in denen das Überleben nahezu unmöglich scheint, kämpfen sich Wüstenblumen aus den Dünen – gleich neben ausgebrannten und sandgestrahlten Coca-Cola Dosen. Schockierend auch, wieviel Müll und Unrat Menschen in der Lage sind, zu hinterlassen – sogar dann, wenn sie immer wieder den selben Ort aufsuchen. Wir hatten keinen Tag am Strand, an dem wir nicht durch oder um Müll herumlaufen mussten.

Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!
Listo el viaje!

Vollbeladen, festgefahren, zugestaubt, …

Der Ford Transit hat uns treue Dienste erwiesen, in dem wir uns auf waschbrettartigen Wegen durchschütteln lassen haben, über Salzseen und Pässe bis auf 5100 Meter hoch gebrettert sind. Einige 4WD Verfechter waren brüskiert – denn mit Zweiradantrieb, etwas Bodenfreiheit und Geschick kommt man auch recht weit. Der Eiskratzer kam zum Einsatz: Um die Windschutzscheibe von Salz zu befreien. Hier und da mussten wir Hand anlegen und die ein oder andere Reparatur angehen, um weiter zu kommen. Und genau das macht ein gutes Abenteuer aus: Je mehr man plant, desto mehr wird schiefgehen. Um weniger umplanen zu müssen, haben wir nicht zu viel geplant. Dieser Plan ist planmäßig aufgegangen.

Listo el viaje!
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Ein Tag im Sand
Auf dem Weg im Chaos

Dieser Roadtrip ist vorbei, der Bus ist aber noch unser. Er ist sicher geparkt und wartet. Der peruanische Zoll hat den Antrag bewilligt, den Bus länger als drei Monate im Land lassen zu dürfen. Alles eine Frage des Aufwandes, vor dem man nicht zurückschrecken darf. Doch auch hier: Ohne alte Freunde und Bekannte aus vorherigen Reisen, wäre das alles nicht so glatt gelaufen. Der Dank geht an Erika, Moises und César aus Muruhuay, die ich bei meiner ersten Reise nach Peru kennengelernt habe und die uns beim Bürokratiemarathon unter die Arme gegriffen haben. Südamerika ist groß, sehr groß und genauso schön. Ich kann von meiner Seite sagen, dass das für mich bisher der schönste Fleck Erde ist, an dem ich gewesen bin.

Listo el viaje!
Listo el viaje!

Keiner weiß genau wie, aber irgendwie müssen wir nochmal rüber. Es gibt noch viel zu entdecken. Und es ist gut, dass diesmal unser mobiles Zuhause schon vor Ort ist.

Listo el viaje!

Gracias y hasta pronto!


Auch der Uphill mag verdient sein

Auch der Uphill mag verdient sein

Auch der Uphill mag verdient sein

In Arequipa kennen wir uns nun aus. Man könnte uns schon fast als Locals bezeichnen. Zumindest brauchen wir kein Navi mehr, um von A nach B zu kommen. Dabei sind wir erst seit drei Tagen hier. Erst oder schon? Die Orga für den Chachani, den wir in einigen Tagen nochmal versuchen möchten, steht. Liza, unsere Verstärkung für die letzten Touren, haben wir im Gepäck. Wir verlassen Arequipa, um die Umgebung zu erkunden. Der Colca Canyon liegt etwa vier Stunden Fahrt entfernt und ist DIE Hauptattraktion aller Reisenden, die in Arequipa Halt machen. Dieser Ort ist so beliebt, dass man vor der Einfahrt ein Ticket lösen muss – den boleto turístico. Nun gut, aber wo kauft man das? Diverse Quellen berichten, dass man das Ticket in Chivay erwerben kann, auf dem Weg in den Canyon. Perfekt!

Auch der Uphill mag verdient sein

Am Endgegner vorbei

Auf dem Weg dorthin fahren wir diesmal die besser ausgebaute Straße (wir kennen uns ja jetzt aus!) in Richtung Chivay und umrunden dabei den Chachani. Schneelage sieht gut aus, aber der Berg wirkt nicht wie ein 6000er. Naja, der Pass liegt auch auf 4800m. An Motivation mangelt es nicht, wir freuen uns schon auf den Tag, wenn wir den zweiten Versuch starten! Die Straße führt über den Altiplano, vorbei an Vicuñas, Lamas und Touristen, vom Pass nur noch bergab nach Chivay. Hier beginnt der Colca Canyon, hier zweigt die Talstraße ab, die wir nehmen müssen. An der Einfahrt wird eine Mautstelle errichtet: Dort werden in Zukunft die Touristenbusse wohl direkt im Schnellverfahren abkassiert. Wir machen einen Abstecher nach Chivay: auch hier gibt’s keinen boleto. Irgendwer wird uns wohl irgendwann aufhalten, also weiter geht’s. Die nächste, wohl aktuelle Zahlstation ist am Samstagabend noch in Betrieb. Wir suchen den Diensthabenden Pförtner, doch die boletos sind ausverkauft, wir werden durchgewunken. Reisenden soll man ja nicht aufhalten!

Unser erster Trail beginnt ab Cabanaconde, einem Dorf weiter im Tal. Die Zahlstation haben wir jedoch schon im Dunkeln erreicht und möchten uns das Panorama der Schlucht nicht entgehen lassen. Deshalb entscheiden wir uns für die Weiterfahrt am nächsten Morgen und suchen einen Stellplatz für die Nacht.

Auch der Uphill mag verdient sein

Mit der Sonne in den Tag

…und einem „Bäm!“ Erlebnis: Pünktlich zum Sonnenaufgang im Colca Canyon, den wir jetzt erst in voller Pracht erkennen, kocht unser Kaffee. Gute 500 Meter unter uns hängen Wolkenfetzen im Tal. Die andere Seite ist keine drei Kilometer entfernt, dazwischen geht es aber gut über einen Kilometer runter. Das Plateau, auf dem wir genächtigt haben, bricht rapide ab. Es geht über nahezu senkrecht abfallende Felsrücken ins Tal, auf den Felsen haben selbst die Pflanzen es schwer, Halt zu finden. Auf der anderen Talseite sieht man Wasserfälle und teils sogar schmale Pfade. Unsere gemütliche Dreisamkeit wird erst von einem, dann von weiteren Touristenbussen unterbrochen. Manche parken und lassen ihre Gäste raus, andere halten nur kurz an, für ein Foto. Schnellprogramm… Liza fallen zwei Schatten auf, kurz darauf heißt es: „Schaut mal da!“ und sie zeigt nach oben. Aha! Das sind wohl diese Anden-Condore, für die das Tal so berüchtigt wird. Was soll man sagen: Zurecht! Über uns kreisen Vögel mit einer Spannweite von gut drei Metern im Aufwind. Der „Bäm!“ Moment lässt nicht nach. Ich habe ein Déjà-Vu: Das sind doch genau die Gleichen, die mir am Tromen so ein mulmiges Gefühl verliehen haben! Jetzt, wo man weiß, dass diese Tiere tatsächlich Schafe reisen, finde ich mein Verhalten von damals gar nicht so unangebracht.

Auch der Uphill mag verdient sein

Der Trail von Cabanaconde

Wir packen zusammen und fahren nach Cabanaconde, wo wir auf einen Sonntag auch kein boleto bekommen – dafür aber einen sicheren Parkplatz direkt vor der Polizeiwache. Die Bikes zusammengesteckt geht’s auch direkt in die Abfahrt: Befremdlich, komplett kalt, ohne vorher auch nur einen Meter gekurbelt oder getragen zu haben, abzufahren. Zum Glück rollt es noch etwas, bevor es ernst und der Trail interessant wird. Und siehe da: Unter einem großen Strohdach sitzt ein kleiner Peruaner und macht große Augen, als wir langsam um die Ecke rollen: Hier wird abkassiert! Mehrere Minuten wird auf uns eingeredet, dass der Weg mit den Bikes unfahrbar ist: „Mucho escaleras acantiladas, no es posible!“ (Viele Steile Stufen, unmöglich!) Wir denken uns: „Yeah, das könnte Spaß machen“. Wir lösen das boleto, beschonern uns und werden mit einem großen Grinsen und dem Kommentar „turistos locos“ (verrückte Touris) verabschiedet: Vor uns liegen rund tausend Tiefenmeter Abfahrt bis auf 2300m – ab dafür!

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Wie erwartet technisiert es direkt auf. Ausgesetzte Stufen aus teils rutschigen Felsen definieren die Kurven. Erschwerend kommt der ausgelatschte Zustand des Weges hinzu. Schmal wird der Trail selten, was auch bei dem Gerutsche auf dem losen Schotter nicht verkehrt erscheint. Das Verkehrsaufkommen ist hoch, denn im Tal liegt das Dörfchen Sangalle, das zu einem Auffangort für Touristen geworden ist. Eine Handvoll Restaurants mit Pools und kleinen Cafés locken Wanderer an, die über andere Wege auch die Oase erreichen. Doch uns interessieren die S3 und S4 Passagen, die immer wieder den Weg schmücken. Ein richtiges On-Off Programm: Mal rollt es mehrere Meter, Mal braucht es mehrere Versuche, um die Sequenz fehlerfrei zu fahren. Teils verkünsteln wir uns auf ausgesetzten stellen – das Panorama macht aus nahezu jeder Kurve eine Fotostelle! Im Tal in Sangalle angekommen, legen wir eine neue Schicht Sonnencreme auf und wollen gerade die Bikes schultern, als ein Sherpa mit Eseln um die Ecke kommt: Ob wir denn nicht seinen Service nutzen möchten. Wir fragen nach dem Preis, der sich tatsächlich im Rahmen hält, entscheiden uns jedoch fürs Selber-Tragen: Die Abfahrt will verdient sein! Ebenso der Uphill. Wir kassieren wieder ein „turistos locos“ und stiefeln los. In den drei Stunden des Aufstiegs werden wir von demselben Sherpa und einem „Kunden“ auf Eseln überholt. Oben angelangt halten wir einen kurzen Schnack und sind kurz darauf wieder am Bus. Auf geht’s, weiter ins Tal, zum nächsten Traileinstieg.

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Alternativprogram

Wir rumpeln in der Dämmerung dem morgigen Startpunkt über eine Forstpiste entgegen. Tiefe Spuren von einem Jeep zeigen, dass es hier vor einigen Tagen geregnet haben muss. Und so wie die Spuren aussehen, kommen wir auf keinen Fall raus, sollte es heute Nacht regnen. Aber gut, keine Wolke am Himmel, wir schauen mal. Am Startpunkt endet auch der Feldweg. Es ist ein sternklarer Himmel. Überall neu aufgestellte, gigantische Strommasten. Irgendwo da vorne muss der Trail losgehen. Wir packen also die Stirnlampen ein und machen uns auf die Suche. Wir müssen aufpassen, nirgends abzustürzen. Die Stromleitungen gehen nahezu senkrecht ins Tal und verschwinden im Dunkeln, wo unsere Lampen nicht mehr hinab reichen. Wir laufen mehrere Kanten ab, nix. Laut GoogleEarth müsste genau vor uns auf dem Grat der Trail sein: auch nix. Wir realisieren, dass der klar definierte Trail auf den Satellitenbildern wohl vor ein paar Jahren von den Bauarbeitern eingelaufen worden sein muss. Die Straße Der Feldweg, auf der wir hierher gefahren sind, wird wohl nur noch zu Wartungszwecken für die Stromtrasse genutzt. Den Weg hat sich die Natur zurück erobert. Also fahren wir wieder in Richtung Cabanaconde, wo es weitere Trails ins Tal gibt und starten morgen mit einem Alternativprogramm. Wieso auch nicht?

Auch der Uphill mag verdient sein

Genusstour sondergleichen

Der Einstieg ist flach und verblockt, mal wieder startet man kalt in die „Abfahrt“ und wird gleich vor technische Herausforderungen gestellt. Ein Bauer lacht und schüttelt den Kopf, als er mit seinen Pferden vorbeizieht. Doch kurz darauf nimmt das Gefälle zu und wir Fahrt auf. Die technischen Herausforderungen lassen wir oben zurück und genießen das Tempo talabwärts. Im großen Zick-Zack schlängelt sich unsere Genusstour dem Fluss entgegen, an dem wir gestern auch schon waren. Nach der Hälfte der Abfahrt trennen sich unsere Wege: Flo und ich sind faul und fahren weiter bergab. Liza steigt wieder auf, um zum Bus zurück zu laufen und uns im Tal wieder einzusammeln. Teamwork!

Auch der Uphill will verdient sein
Auch der Uphill will verdient sein
Auch der Uphill will verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Das letzte Drittel technisiert auf und wir spielen im Techflow. Der Trail ist weniger begangen, als der gestrige und schon gar nicht mit Eseln. Die höhere Kontrolle erhöht den Spaßfaktor. Sobald wir um einen Bergrücken kommen, öffnet sich ein neues Panorama. Die Täler scheinen endlos verzweigt zu sein. Auf jedem Hang wird bis in die höchste Lage Landwirtschaft betrieben – das muss müßig sein! Doch wie alle Abfahrten ist auch diese zu schnell zu Ende. Wir kurven die letzten Meter um riesige Kakteen herum, bis wir am Fluss ankommen. Der Himmel verdunkelt sich ziemlich schnell und vor dem Platzregen finden wir rasch ein trockenes Plätzchen. Im nächsten Moment kommt auch unser rotes Shuttle um die Ecke: perfektes Timing. Geübt laden wir die Bikes ein und machen uns auf den Rückweg in Richtung Arequipa.

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Es ist noch früh am Abend. Wir genießen die einzigartige Landschaft des Colca Canyons: Soweit das Auge reicht schlängeln sich Wege durch die Landschaft, Landwirtschaftliche Terrassen sind in die Hänge angelegt und kleine Dörfer hier und da verteilt. Hier lässt es sich aushalten, deshalb schlagen wir auch beim Anbruch der Dunkelheit unser Lager ein weiteres Mal in diesem Tal auf, unweit der asphaltierten Hauptstraße. Leider regnet es sich ziemlich ein und der Abend fällt buchstäblich ins Wasser, aber: Welch Glück, dass es den Trail bei den Strommasten nicht mehr gibt. Die Forstpiste dorthin wäre zu einem Schlammbad verkommen und wir würden so ziemlich in der Tinte stecken. Oder im Schlamm. Irgendwie hat alles seine Berechtigung. Wir machen uns einen gemütlichen Abend und freuen uns auf den Endgegner bei Arequipa.

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Powder, Flow und hart gekochte Eier

Vom Strand ins Land

Wir verlassen die surreale Landschaft des Salar de Uyuni und machen uns auf den Weg in Richtung Sajama Nationalpark. Da wir mittlerweile die Distanzen und Straßenzustände einschätzen können, ist es uns klar, dass wir die 600km an einem Tag unmöglich schaffen können. Unseren Zwischenstopp planen wir in der Großstadt Oruro ein. Wir müssen uns eh mal wieder mit Lebensmitteln für die kommenden Tage eindecken.

Farbenfrohe Landwirtschaft

Wir sind gut in der Zeit. Trotz Dirtroad kommen wir zügig voran. Linker Hand der Straße lenken uns mal wieder bizzare Felsformationen von der Straße ab, so entscheiden wir uns einen kleinen Umweg einzulegen und durch die Canyons und Felder zu fahren. Künstlich angelegte Wasserkanäle kreuzen immer wieder unseren Weg und wir fahren durch abwechslungsreiche Felder voll blühender Pflanzen. Von weiß über gelb, rot und lila bis hin zu schwarz: Hier scheint jeder Farbton vertreten zu sein – Quinoa! Da kommt ein Rapsfeld in Deutschland nicht dagegen an. Manche Felder blühen, andere werden gerade geerntet und die Pflanzen zum Trocknen aufgestapelt. Einmal beobachten wir auch, wie die Ernte verladen wird – und weiter geht es in Richtung Westen. Die Dirtroad spuckt uns irgendwann auf einer Hauptstraße raus, die in Richtung Oruro führt. Dort angekommen, fragen wir eine Frau auf der Straße nach einem großen Supermarkt. Sie beschreibt uns kurz den Weg und fügt hinzu: „Der hat heute aber sicher geschlossen, es ist doch Karfreitag“. Verdammt – unser Zeitgefühl hat sich ziemlich reduziert. Wir schaffen es immer wieder, die Großstädte genau dann anzusteuern, wenn Chaos herrscht. Das dauert auch hier nicht lang: Ein paar Minuten später läuft uns die riesige Osterprozession um die Ohren. Wir entscheiden uns on the road bei den Straßenhändlern zu shoppen. Kurz hinter Oruro nach einer merkwürdig aufgebauten Militärstation mit zu vielen Flutern und Soldaten fahren wir auf einen Hügel und schlagen dort unser Lager auf – die Hälfte der Strecke zum Sajama hätten wir.

Am nächsten Tag fahren wir durch einige Ortschaften durch, auch hier finden wir keinen vernünftigen Tourenproviant in Form von Riegeln oder ähnlichem – wie erwartet. Wir greifen auf alt bewährtes zurück: Brot, Käse, Eier. Auf der buckeligen Straße begegnen uns ausschließlich LKWs. Hier ist das Land dünn besiedelt. Ungewohnte Reisegeschwindigkeit von 100 km/h lässt die Reste der Salzkruste vom Salar de Uyuni abblättern. Viele Kurven und Hügel später zeigt er sich, wächst in einer Kurve zu einer übergroßen weißen Pin-Nadel heran: Der Sajama. Auf einem Hochplateau von 4200m steht der vergletscherte Vulkan mit 6542m – der höchste Berg Boliviens. Dabei erscheint er gar nicht so hoch. Wir erinnern uns bewusst daran, dass wir gerade selber auf 4400m höhe parken: Crazy Shit, der ist wirklich hoch! Die Schneehaube reicht weit herunter – weiter, als wir angenommen haben und es uns lieb ist. Die Gletschergrenze sollte eigentlich auf ca. 5900m zu liegen. Die umliegenden 5000er scheinen schon fast mickrig, gegen deren großen Bruder.

Die Straße zum Eingang des Nationalparks und zu dem Zustieg zum Berg verläuft einmal komplett südlich herum. Bis wir also an der westlichen Seite des Berges ankommen, haben wir einen schönen Wegbegleiter.

Sonntags hat auch der Pförtner frei

…und so können wir einfach hereinfahren. Keiner interessiert sich für uns und auch in dem Dorf Sajama scheint nicht viel los zu sein. Da wir morgen früh starten werden, schauen wir uns heute noch den Zustieg an: Es gibt so etwas wie einen Parkplatz und der Trail scheint eingelaufen zu sein. Das haben wir schon oft anders erlebt. Den Rest des Tages verbringen wir auf der auf der anderen Talseite an den heißen Quellen. Praktisch, wenn das Wasser kochend heiß aus der Erde kommt: Wir sparen uns das Gas und hängen die Eier, die wir als Proviant mitnehmen möchten, kurzer Hand in einen Geysier. Wie multifunktional doch der PeakRider ist! Nachdem alle Vorbereitungen für die morgige Tour getroffen sind, wechseln wir wieder auf die andere Seite und schlagen unser Lager am Traileinstieg auf.

Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier

Auf los geht’s los

Kurz bevor die Sonne aufgegangen ist, sind wir schon auf dem Weg zum Sajama. Auf dem Weg zum Gipfel liegen zwei Basislager. Eigentlich war unser Ziel, das zweite Lager zu erreichen und von dort abzufahren. Das Zweite Lager liegt genau an der Gletschergrenze auf ca. 5900m. Daraus wird es heute aber nichts: Die Schneegrenze reicht wesentlich weiter herunter. Was wir heute fahrtechnisch rausholen können und wie hoch wir kommen, müssen wir vor Ort entscheiden.

Powder, Flow und hart gekochte Eier

Der Weg verläuft zunächst lange flach und schmal durch eine Ichu-Buschlandschaft auf sandigem Boden: das wird flowig! Neben Ichu wächst hier übrigens die am höchsten wachsende Baumart der Welt: Der Queñua Krüppelbaum. Botanik Stunde beendet. Das Tragen des Bikes wird bald obsolet und es lassen sich sogar einige Meter kurbeln – bis der Sand zu tief wird, also wird weitergeschoben. Einige Vicuñas ergreifen die Flucht vor uns und schauen anschließend unserem Treiben aus sicherer Entfernung zu. Die erste Pause machen wir am Basislager. Hier sind wir auf 4820m und haben bisher lediglich 400hm auf fast 5km gemacht. Wir genießen kurz die Aussicht. Der Blick zum Berg stellt eines ganz klar fest: Wir sind klein, er ist groß. Die Dimension ist gigantisch.

Powder, Flow und hart gekochte Eier

Der weitere Weg wird steiler, was wir sehr begrüßen. Wir arbeiten uns auf ein Plateau, an dem der Weg zwar wieder abflacht, dafür aber nach noch mehr Flow aussieht. Wir kommen der Schneegrenze näher: Kurz oberhalb des Kamms, auf dem der Weg zum zweiten Lager weiter verläuft. Es wird grob und steil, die ersten Stellen, an denen bergab etwas Arbeit nötig sein wird: sehr gut! Wir erreichen den Kamm: noch gute 200 Höhenmeter bis zum ersten geschlossenen Schneefeld. Dann wird es sich zeigen, was noch zu holen ist. Dort angekommen machen wir auch Rast. Das GPS erzählt etwas von 5500m, es wären also nur noch etwas über 400 Höhenmeter bis zum Basislager. Doch das alles auf Schnee? Wenn man hier abgeht, bremsen einen erst wieder die Felsen unten. Zur anderen Seite ist der Hang noch steiler. Wir machen eine Rollprobe: Oha, besser als gedacht! Wir beschließen, noch etwas weiter aufzusteigen, bis es zu steil zum Abfahren wird. Wir können noch weitere 150 Höhenmeter auf dem Schnee gut machen, dann wird es zu steil für eine sichere Abfahrt im Schnee.

Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier

What goes around, comes around…

…und wir bereiten uns auf die Abfahrt vor: Wir schnabulieren unsere Brote und die in den Geysiren gekochten Eier (perfektes Eigelb!), beschonern uns und ab geht’s! Es ist steil; es rollt, bremsen klappt aber nicht so gut. Gegenlenken funktioniert. Wir haben die volle Kontorolle, das fühlt sich gut an. Der Übergang vom weichen Schnee ins scharfe Gestein rumst ordentlich. Die 150 Höhenmeter durch den Schnee sind schnell vernichtet. Vor uns liegen mehrere Hundert Tiefenmeter S3 Techflow. Hier und da taucht eine S4 Passage auf und wir knobeln ein wenig. Wir haben mächtig Spaß! Der Trail verlässt den Kamm und flacht ab, das Niveau sinkt und wir werden schneller. Große lose Felsen sind tückisch, wir lassen es uns aber nicht nehmen, mit dem Gelände zu spielen.

Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier

Wir erreichen das zweite Hochplateau und feuern mit mächtig Druck auf den Seitenstollen dem Basislager entgegen. Die Blickführung ändert sich gravierend nach vorne, man muss aufpassen, dass man nicht vom Trail abkommt – solche Geschwindigkeiten sind wir nicht mehr gewohnt! Vorausschauend fahrend und dem Tal entgegenrauschend erreichen wir das Basislager. Kurze Pause, letztes Brot, Endspurt. Im Tal stehen die kleinen Brüder des Sajama, wir fahren ihnen zügig entgegen. Queñua Bäume links und rechts rauschen an uns vorbei, wir driften durch den sandigen Weg um Ichu Büsche herum – zack! Lamas. Ich fahre Flo fast auf, so stark haut er in die Eisen, trotz ausreichend Abstand. Mit gedrosselter Geschwindigkeit rollen wir an der Lamaherde vorbei und lassen es wieder laufen, bis das ausgetrocknete Bachbett uns wieder an der Transe ausspuckt.

Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier

Wir packen zusammen und wechseln die Talseite, um uns eine Portion Wellness in den Geysiren zu gönnen. In dem gut 40 °C warmen Wasser lassen wir uns einweichen. Der Sajama war ein voll erfolgreiches Projekt, mit allem dabei – so etwas sollte es öfter geben!

Powder, Flow und hart gekochte Eier
Powder, Flow und hart gekochte Eier

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Hit the dirtroad

Wir gönnen uns etwas mehr Schlaf, als am Vortag und stehen mit der Sonne auf. Wasser, das beim Abspülen des Frühstücksgeschirrs mit der Dusche an der Karosserie herunterläuft, gefriert beim Zusehen – es scheint immer noch kalt zu sein. Nach den gestrigen Strapazen am Licancabur freuen wir uns auf den bevorstehenden Ruhetag, den wir im Auto verbringen werden. Es liegen paar hundert Kilometer vor uns, bis wir zum Salar de Uyuni kommen. Diesen müssen wir später überqueren, um zum nächsten Projekt zu kommen. Bis dahin liegen aber noch einige schöne Flecken Erde, die wir nicht links liegen lassen wollen, wenn wir schon mal hier sind. Deshalb heißt es: Road trippin’!

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Wir verlassen die Lagunen mit einem letzten Blick auf die Flamingos, die entspannten Schrittes das flache Wasser queren. Wir arbeiten uns aus dem unwegsamen, sandigen Bereich heraus und nehmen Fahrt auf. Auf der Dirtroad gen Norden ist ein ganz schöner Verkehr. Im fünf Minuten Takt werden wir von Jeeps überholt oder es kommen uns andere Kolonen entgegen. Passagiere: Touristen. Gepäck: Mehrere Spritkanister und Backpacks. Wir treffen nur ein einziges Overlander-Paar auf der gesamten Strecke! Sich sattzusehen an der Umgebung ist schwierig: Malerische Vulkane, Stein-Wälder, die durch Vulkanausbrüche entstanden sind. Lagunen säumen die Täler auf über 4000m üNN. Für die Mittagspause finden wir einen Platz, wie für uns gemacht: Ein Wasserbecken mit einer angenehmen Temperatur von etwa 38 °C, in dem wir beide Platz haben. Die heiß ersehnte Badewanne, um unsere gebeutelten Körper von gestern zu entspannen! Großer Pluspunkt: Alle Touri-Jeeps, lassen diese Stelle links liegen. Wir sind alleine und lassen die Seelen baumeln, duschen und düsen weiter. Nächster Stopp: Geysire! Hier sind wir nicht mehr allein. Ein Dutzend Touri-Jeeps zeigen uns den Hotspot. Hier brodelt die Erde, heiße Wasserfontänen spritzen immer wieder einige Meter hoch. Es riecht nach Schwefel und die Windrichtung lässt sich an den Dampffahnen ablesen. Abgefahrene Szenerie. Fast erstaunlicher ist das Bild unseres Transporters inmitten der Jeeps: Sind wir under-geared oder die anderen over-geared?

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Wir fahren an der Laguna Colorada vorbei. Hunderte, wenn nicht Tausende Flamingos stolzieren herum. Die farbigen Berge rund um die Lagune spiegeln sich im Wasser, daher wohl der Name. Die Straße, eher ein Waschbrett, erlaubt uns eine Reisegeschwindigkeit von maximal 30 km/h. Es geht auf den Abend zu und wir kommen nach gut 200 km in das erste Dorf seit Grenzübertritt. Wir haben Glück: Der Markt-LKW, der zwei Mal im Monat das Dorf anfährt und mit dem Nötigsten versorgt, ist heute da. Wir decken uns mit frischen Lebensmitteln ein und verlassen das Dorf auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz für die Nacht und werden bald fündig: Bizarre Felsformationen umgeben uns, kleine Canyons mit ausgespülten Felsen sind unsere Herberge für die Nacht. Wir finden auch was zum Frühstück: Die Natur hat uns mal wieder einen Kicker geshaped. Darauf und auf den Erfolg am Licancabur stoßen wir an: Prost!

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Der Sunrise Ride

Der Fund des Vorabends wird umgesetzt und abgedrückt. Wir schanzen einige Male über die abgefahrene Landschaft hinaus. Die Felsformationen sind bisher unvergleichbar. Wir suchen uns noch die ein oder andere Line, aber die Sonne brennt uns nieder. Also frühstücken wir und packen die Sachen für die nächste Etappe auf der Straße.

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Rally Dakar Checkpoint: Uyuni

Strecke machen. In Uyuni beginnt unsere Salzseeüberfahrt, davor möchten wir aber noch etwas Proviant auffüllen. Also auf gehts, weiter durch die Wüste. Der Supermarkt ist den Titel nicht wert, mehr als Nudeln und etwas Tomatensauce bekommen wir kaum. Auf dem Markt langen wir richtig zu und decken uns mit frischem Obst und Gemüse ein. Die Entdeckung des Tages: Lama Steak. Vollgepackt mit den tollen Sachen verlassen wir Uyuni so schnell, wie wir auch rein gefahren sind. Auf dem Weg zum Salzsee machen wir aber noch Halt an einem Eisenbahnfriedhof. Hunderte Wagons und viele Loks, wohl vor mehreren Jahrzehnten hier abgestellt, würden in Europa ein gut ausgestattetes Museum abgeben. Hier ist das ein Zwischending zwischen Müllkippe, Touristenattraktion und Spielplatz für die lokalen Kids. Wir beobachten, wie zwei Bolivianer sich mit Winkelschneider und Handkettenzug am Stahl bedienen und einen Teil eines Dampfkessels auf den LKW Aufladen.

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Unser Haus auf dem See

Wir erreichen den Salar de Uyuni im Abendrot und Teilen uns das Ufer mit hunderten anderer Touristen, die mit Tour-Jeeps den Sonnenuntergang genießen. Wir wollen aber weiter und auf dem See übernachten. Also holen wir uns Ratschläge von den Jeepfahrern ein, beobachten andere herausfahrende Jeeps und entscheiden uns für eine Linie auf die nächste „Salzdüne“ im See. So ganz sicher sind wir unserer Sache nicht, die Transe taucht tief unter bei der Einfahrt und wir schieben eine Welle vor der Stoßstange, tauchen aber schnell wieder auf und fahren durch 20cm tiefes Salzwasser auf die „Salzdüne“ zu. Puh, es klappt. Die Sonne hängt jetzt knapp über dem Horizont. Die Jeeps, die auf dem See parkten, schlagen den Rückweg ein. Schnell sind wir allein. Wir möchten gar nicht weit fahren, sondern uns ein trockenes Fleckchen für die Nacht suchen. Doch ein wenig weiter, als das Ufer soll es sein. Wir verlassen die erste Düne und nehmen Fahrt in Richtung Norden auf. Unserem nächsten Ziel direkt entgegen: Volcán Tunupa. Als Silhouette zeichnet er sich im Sonnenuntergang ab. Das Wasser unter uns ist jetzt keine 5cm tief und man sieht unzählige Spuren anderer Fahrzeuge. Trockene Ecken finden wir aber keine. Es wird dunkel, wir sind noch unterwegs. Doch einfach zurück zum Ufer? Wir versuchen es in eine andere Richtung. Negativ. Das Wasser wird nicht tiefer, der Untergrund jedoch weicher. Verdammt, jetzt heißt es nicht stehen bleiben! In den weichen Salzflecken gräbt sich die Transe ein. Es ist dunkel, das Salzwasser erschwert die Sicht und der Scheibenwischer kommt kaum dagegen an. Den Scheinwerfern tut die Salzschicht auch nicht gut. Wir müssen dem GPS vertrauen und schauen nur, dass wir nirgends rein oder dagegen fahren. Nach einigem Gekurve über den See finden wir eine gute Stunde später unseren Stellplatz für die Nacht – und sind froh, nicht stecken geblieben zu sein. Morgen suchen wir uns die Hauptroute über den See heraus.

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Es gibt immer ein erstes Mal: Ein Lama Steak, selbst zubereitet, alleinstehend auf dem riesigen Salzsee! Womöglich bleibt dieses Erste Mal auch einmalig, wer weiß?

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Ein kalter, langer Tag

Ein kalter, langer Tag

Durch drei Länder nach Bolivien

Mit der Sonne stehen wir auf. Bevor der Kaffee fertig ist, grüßt uns ein vorbeifahrender Zug. Die moderne Lok erklärt, wieso die alten Schneeräum Loks ausrangiert worden sind. Wir vertrödeln nicht allzu viel Zeit und machen uns auf in Richtung San Pedro de Atacama: Eine Wüstenstadt, die als Hauptdrehkreuz für Touristen in der Atacama Wüste dient. Von hier aus reist ein großer Teil der Touristen auch nach Bolivien. Für uns ist der Lebensmittelladen und die einzige Tankstelle im Ort relevant. Nach dem Grenzübertritt nach Bolivien werden wir bis Uyuni mal wieder auf uns gestellt sein. Doch bevor es zu dem von der Rally Dakar geprägten Ort am Salzsee geht, haben wir noch einen Mustervulkan vor uns: Volcano Licancabur. 5916m, gelegen oberhalb mehrerer Lagunen kurz hinter der Bolivianisch-Chilenischen Grenze. Das wäre soweit unser höchstes Projekt.

Ein kalter, langer Tag

Wir verbringen den gesamten Tag im Auto. Nur an der Grenze von Argentinien nach Chile werden wir von mehreren Reisebussen ausgebremst, deren Passagiere leider vor uns an der Immigration Control stehen. Der Pass ist, wie viele der anderen auch, als „windig“ zu klassifizieren. Hier sind nicht nur Steine, sondern ganze Felsen von Sand und Wind entsprechen gestrahlt – wie zum Beispiel eine riesige Felssäule, unter der wir kurz Rast machen. Eins der unzähligen Touristenziele abgehakt nähern wir uns San Pedro. Während der Talfahrt zeigt er sich: Mit mächtig Abstand zu den Nachbargipfeln ragt der Licancabur nördlich der Passstraße über uns heraus. Der Mustervulkan – unsere Motivation steigt, denn er ist nahezu schneefrei. Ein paar Fragezeichen gibt es aber noch: Schafft es unsere Transe bis zum Tourstart auf 4600m Höhe? Schaffen wir den Aufstieg von 1300 Höhenmetern bis auf 5900m an einem Tag? Wir werden sehen. Wir nächtigen unterwegs kurz oberhalb vor San Pedro, um dem Rummel weitestgehend zu entgehen.

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

San Pedro – und schnell weiter!

Am nächsten Morgen rollen wir in den Ort und decken uns ein. Erledigen soweit alles, was hier möglich ist und verlassen die von Gringos überlaufene Stadt auf dem Weg zum Hito Cajon Pass nach Bolivien. Mittags erreichen wir die Grenze. Nichts los in dem modernen Hangar-ähnlichem Bau. Die Heizung ist an. Die Lebensmittelkontrolleure spielen Tischtennis. Wir lassen uns aus Chile ausstempeln und fahren zur Bolivianischen Grenze. Nur die ausgeblichene rotweiße Schranke weist auf etwas Offizielles hin, anderenfalls hätten wir die Immigration Kontrolle in dem Lehmbau mit Strohdach rechts liegen lassen. Die Beamten erbarmen sich, unsere Chilenischen Pesos in Bolivianische zu wechseln – zu einem verhandelbaren Kurs. Kurioserweise werden wir noch nach ein, zwei Tomaten gefragt, müssen aber leider passen. Nachdem wir den Zoll und den Eintritt in den Nationalpark erledigt haben, machen wir uns darauf, das erste Fragezeichen der Licancabur-Tour zu klären: Schafft es die Transe auf die 4600m? Der Weg ist direkt ab der Parkeinfahrt eine Herausforderung. Hunderte der Jeeps, welche Touristen ab San Pedro nach Uyuni fahren, haben Spurrillen in den Sand gefahren, in denen wir gnadenlos stecken bleiben würden: Ein Fahrfehler, und alle vier Räder hängen in der Luft, während unser Bus auf dem Mittelstreifen aufliegt. Einige Kilometer gehen gut und wir kommen ins felsige: Techflow mit dem Transporter. Die Seen liegen auf 4300m, fehlen als nur noch 300 Höhenmeter. Mit etwas Arbeit und Zehenspitzengefühl für die Kupplung schaffen wir es tatsächlich!

Auto aufbocken, Rucksäcke vorpacken, Bikes zusammenstecken und Essen fassen. Dämmerung. Nördlich gewittert es, unser Gipfel verschwindet ebenfalls in den Wolken. Wind zieht auf. Es fängt an zu schneien. Verdammt! Mal wieder ist die Wetterprognose falsch. Nunja, morgen früh sind wir weiser – vielleicht auch weißer.

Ein kalter, langer Tag

Wir greifen an!

Der Wecker klingelt viel zu früh; es ist a….kalt. Man fühlt es nicht nur, man sieht es: Die Scheiben sind gefroren – von innen! Blick nach draußen: weiß, aber gnädig. Es spricht wenig gegen den Tourstart. Nach dem Frühstück dauert es etwas, bis das Fahrradschloss wieder gängig ist und dann geht’s los. Der Aufsteig im Dunkeln beginnt mit einem metallischen ‚klong’ Geräusch: Die festgefrorenen Bremsbeläge lösen sich von den Scheiben und wir schieben los. 1300 Höhenmeter bis auf 5900m liegen vor uns. Einen großen Teil des Trails konnten wir am Vorabend einsehen, das motiviert. Im Kegel der kleinen schwachen Stirnlampe gibt es nicht viel zu sehen, es reicht für einen sicheren Tritt. Erst zum Sonnenaufgang zeigt sich die surreale, nahezu schwarz-weiße Landschaft. Der Weg ist klar definiert und wir stiefeln Meter um Meter dem Grat entgegen. Der Untergrund wird bröseliger und weicher, doch es sollte noch alles fahrbar sein. Nach dem Grat wird’s felsiger – ob man hier noch viel fährt?

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

Es sind noch gute 300 Höhenmeter bis zum Gipfel. Eine S3 Stelle reiht sich an die nächste S4 Stelle, hin und wieder S5 – das wird Arbeit werden! Die Zeit sitzt uns etwas im Nacken, wir sind langsamer, als wir gedacht haben. Gut, wir sind hier auf fast 6000m Höhe, der Sauerstoffgehalt der Luft hat sich bereits mehr als halbiert. Es folgt etwas Kletterei und der Weg verläuft sich. Irgendwo müssen wir einen Abzweig verpasst haben – nix sieht mehr fahrbar aus. Wir entscheiden uns, die letzten 50 Höhenmeter zum Gipfel ohne die Bikes zu machen. Wir sind zu platt, die Abfahrt steht noch bevor und die Zeit drängt.

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

Also rauf und siehe da: Ein riesiger Krater mit einem See darin. Es scheint wohl noch etwas Geothermie zu geben, sonst müsste der See gefroren sein. Hinter dem Krater liegt San Pedro in Chile und hinter uns die Lagunen und die bolivianische Wüste. Rundumblick: Wie aus dem Flugzeug! Wir machen ein kurzes Vesper und genießen die Aussicht. Dabei stellen wir fest, dass wir uns bis zum Gipfel komplett „hochgeriegelt“ haben: Wir sind wohl so geplättet, dass der Körper nicht mal ein Hungergefühl entwickeln kann. Mehr als vier Müsliriegel hat keiner von uns verspeist. Der Wind zieht an und schiebt die ersten Wolken über den Gipfel. Passt aber, die Uhr sagt uns sowieso: Abfahrt!

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

…von wegen. Wir stechen in den Trail rein, doch müssen immer wieder absteigen. Entweder ist es zu verblockt, sodass das Bike nicht durchpasst oder zu riskant, auf der Höhe sich an S4 bis S5 Passagen auszutoben. Die größten Schwierigkeiten bereitet uns aber die dünne Luft: Kaum macht man einige schnelle Bewegungen, schon ist man aus der Puste. Und so werden einige Meter getragen, einige gefahren, doch ein flow-Gefühl kommt noch nicht auf. Es bessert sich, als wir auf den Grat kommen, doch nun verabschiedet sich der Grip: Zu weich der Untergrund, wir müssen in dem rutschenden Belag mitschwimmen. Während wir unserem Bus ins Tal entgegen schwimmen, sind wir teils mehr Passagier als Fahrer. Der Trail flacht gegen Ende ab und es lässt sich kontrollierter fahren. Der Weg fährt noch ein paar schöne Bastelstellen auf, aber der Tag ist lang gewesen und wir sind heilfroh, als wir unten ankommen. Die Kondition und die Kraft haben Feierabend gemacht. Es dämmert bereits, mit letzten Reserven – woher auch immer wir die noch nehmen – kommen wir am Bus an. Die Aktion hat Körner gekostet.

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

Geschafft – vor allem wir selber

Das Lager schlagen wir heute nur 300m tiefer auf am Ufer der Laguna Verde auf – vielleicht wird es weniger kalt. Die nächsten Tage geht’s dann durch die bolivianische Wüste in Richtung Uyuni.

Ein kalter, langer Tag

Wie auf Schienen

Auf dem Weg zum Paso Socompa

Vor uns liegt eine lange Etappe: Wir möchten nach Tolar Grande. Ein nahezu verlassenes Dorf in Argentinien. Umgeben von Bergen, Salzseen und Kranked Areas (Staubhänge, die durch das erste richtige Bikevideo „Kranked 1“ 1998 berühmt wurden)! Eines zeichnet dieses Dorf allerdings aus: Dort liegt die erste Bahnstation auf der Argentinischen Seite nach dem Socompa Pass. Die Bahnlinie ist noch in Betrieb und der Zug fährt ab Antofagasta über den Pass. Verschiedene Quellen liefern die Information, dass sogar noch Personenzüge fahren sollen. Die Strecke über den Pass ist sicherlich spektakulär. Sie verläuft glücklicherweise fast parallel zur Straße, und so können wir selbstfahrend in den nahezu gleichen Genuss kommen. In Antofagasta startet auch unsere Fahrt, nachdem wir uns für die kommenden vier Tage komplett eindecken: Zwischen Antofagasta, auf dem Weg über Tolar Grande, bis zum nächsten Ort in Argentinien, gibt es keine belebten Ortschaften. Geschweige denn Tankstellen. Das sind über 600 Kilometer und mehrere tausend Höhenmeter!

Die Sonne und den Pazifik im Rücken schlagen wir unseren Weg nach Osten ein. Auf der gut asphaltierten Straße kommen uns ausschließlich Bergwerk-Pick-Ups und Arbeiterbusse entgegen. Auf der Bahnlinie sehen wir zwei lange Güterzüge den Berg hochkriechen. Hier und da gibt es verlassene Bahnhöfe. Die Züge scheinen wohl ebenfalls im Dienste der Bergwerke unterwegs zu sein. Für uns endet die Asphaltstraße an einem großen Tor: Hier geht’s rein in ein wohl recht großes Bergwerk. Wir finden raus, dass hier Kupfer abgebaut wird. Und in was für einem Stil! Hier wird das Sprichwort „Berge versetzen“ wörtlich genommen! Halden mit abgetragenem Abfallgestein türmen sich hunderte Meter hoch. Förderbänder verlaufen über zig Kilometer durch die Landschaft. Das Gelände ist abgeriegelt, aber aus der Ferne sieht man, dass hier fast eine komplette Bergwerksstadt existiert. Beinahe im Fünfsekundentakt verlassen LKWs und Autos das Gelände – am laufenden Band. Unglaublich, in was für Dimensionen das Kupfer hier abgebaut wird. Die Sonne geht allmählich unter und verleiht der menschengeschaffenen Landschaft eine ganz eigene Ästhetik. Wir passieren auf der Dirtroad einige Schranken, die den LKW Betriebsverkehr regeln und sehen aus der Ferne die riesigen Bergwerk-LKWs, von denen ein Reifen größer ist, als unser Ford Transit.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Wir halten die Augen nach einem Schlafplatz auf. Doof, dass ringsum nur Bergwerksgelänge ist und man die Straße nicht verlassen kann. Doch siehe da: Eine Einfahrt zu einem verlassenen Bahnhof. Hier schlagen wir unser Lager auf. Wir sind neugierig und schlendern auf dem Gelände herum: Vielleicht gibt es etwas zu entdecken? Oder sogar zu fahren? Wir werden nicht enttäuscht und es wird ein langer Abend, bis es etwas zu essen gibt. Die alten Öltanks laden zum Spielen im Dunkeln ein. Eine abgefahrene Szenerie, die die Milchstraße zusammen mit den verlassenen Gebäuden hervorbringt. Eine abgestellte Schneeräum-Lok heben wir uns für den Sonnenaufgang auf.

Es kommt nur drauf an, was man draus macht

…und so shapen wir im Sonnenaufgang eine Anfahrt auf die Lok. Die Schaufel ist ein nahezu perfekter Corner-Sprung, mit einer etwas miesen Landung in den alten Schienen. Etwas tricky ist die Anfahrt, da in Lenkerhöhe die Schaufel wieder breiter wird. Es braucht einige Versuche, bis der Absprung sitzt. Die Landung optimieren wir auch noch etwas und dann kosten wir diese einmalige Gelegenheit aus. Immer wieder Anlauf nehmen auf über 4000m kostet ordentlich Körner, aber es gibt ja gleich Frühstück.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Wir setzen unsere Fahrt fort und verlassen bald das Bergwerksgelände vollends. Auf dem Weg zum Socompa Pass kreuzen wir immer wieder die Eisenbahnlinie und passieren verlassene Bahnhöfe im Nirgendwo. An einer größeren Anlage machen wir noch kurz Rast und dann sind wir schon am Pass: Hier hört die Straße auf und wir holpern über Schienen und Weichen vor das Polizeigebäude. Einige moderne Loks stehen mit laufenden Motoren herum – sie warten vermutlich auf den Zug aus Argentinien zum Umsatteln.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Ein verdutzter Polizeibeamter kommt auf uns zu mit der Frage, was wir denn hier vorhätten. Chile verlassen, nach Argentinien und Tolar Grande fahren, ist unsere Antwort. Zunächst halten wir es für einen Scherz, als es heißt, das ginge nicht. Nach einigen Erklärungen scheint es aber keiner zu sein: Der Socompa Pass kann nur mit dem Zug, zu Fuß oder mit dem Fahrrad überquert werden. Es gibt auch keine Zolleinrichtungen, nur die Migration hat hier ihren Sitz. Auf Nachfrage: Das sei wohl schon seit ca. 20 Jahren so. Nun gut, die Beamten zeigen uns den nächsten Pass, den wir mit dem Auto passieren können: Paso Sico. Zum Glück sind das gerade mal 100 Kilometer oneway, die wir unnötigerweise gespult haben. Die Kollegen raten uns über San Pedro de Atacama zu fahren, aber unsere Sprit- und Essensvorräte sind ausreichend. Wir schlagen die direkte Route ein. Wir fahren an mehreren Litium-Tagebauten vorbei, dir an einem überdimensionalen Salzsee liegen. Auch Salz scheint hier abgebaut zu werden. Es gibt sogar einen Flugplatz auf dem Salzsee, für die Arbeiter. Die Straße führt auf dem kürzesten Weg über den Salzsee: gerade aus zum nächsten Dorf. Der Salzsee ist größtenteils trocken und man sieht, soweit das Auge reicht, Salz-Erde-Mische. Neugierig wie wir sind, fahren wir ran und schauen, ob man darin versinkt oder sich eher aufspießt.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Überraschend hart ist das Ganze: Hier ein Fehltritt, und man hat ein paar ernsthafte Wunden – mit Salz darin. Die Salzkruste ist messerscharf und nach oben aufgeplatzt. Die Schollen sind zwar steinhart miteinander verbunden, aber unter ihnen ist es oft hohl. Die ganze Oberfläche steht so unter Spannung, dass sie immer wieder knirschende Geräusche von sich gibt. Abgefahren und wirklich kurios! Wir beenden die Erkundung, es dämmert und wir haben noch ein paar Kilometer vor uns. Wir setzen unsere Fahrt im leuchtenden Abendrot fort. Leider sind die Sonnenauf- und Untergänge hier nahe des Äquators recht kurz, so ist es bereits dunkel, als wir ankommen.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Wir schlagen unser Lager nahe der Grenze auf an einer der vielen Lagunen, die von hunderten Touristen aus San Pedro täglich aufgesucht werden. Es scheinen wohl zu viele geworden zu sein: alle Zufahrten zu den Lagunen sind zugeschüttet und unpassierbar gemacht. Es sind Parkplätze an Aussichtspunkten angelegt worden, der Andrang soll wohl kanalisiert werden. Glücklicherweise sind diese eben – so müssen wir unser mobiles Zuhause nicht unterfüttern. Morgen soll es dann aber wirklich nach Tolar Grande gehen.


Ein Tag im Sand

Ein Tag im Sand

Eine 500 Meter hohe Düne

Das Hochgebirge haben wir verlassen und sind den San Francisco Pass komplett abgefahren. Wir machen einen Abstecher nach Copiápo, um unser Proviant aufzustocken und den Bus vollzutanken. Der Plan, in der Stadt zu bleiben, scheitert direkt: Der einzige Campingplatz hat zu. Also raus in die Wüste, zu unserem nächsten Projekt. Die Tanke macht es dem Campingplatz gleich. Ein Zeichen für uns, dass wir hier fertig sind. Wir haben genug Reserven.

Unser endgültiges Ziel, eine etwa 500 Meter hohe Düne, werden wir bei Nacht nicht finden, also suchen wir uns nahe der Koordinaten einen Stellplatz und drücken beide Augen zu. Unsere Düne zeigt sich am nächsten Morgen ein paar Kilometer weiter ins Nichts hinein. Zu weit zum kurbeln. Mit dem Auto durch die Pampa zu riskant: grobes Material, weicher Boden, nicht einsehbare Bachläufe. Wir umfahren das Gelände auf der Suche nach einer geeigneten Autospur. Gute 30 Kilometer später finden wir einen Abzweig, der in die richtige Richtung zu gehen scheint. Die Autospuren teilen sich immer wieder auf und werden immer weniger prägnant und fest. Die Hauptwege scheinen zu Strommasten, Umspannstationen und Solarkraftwerken zu führen – gut, wir sind halt in der Wüste! Anderenfalls wäre diese Gegend wohl kaum erschlossen. Fest steht: Zu unserem Ziel führt kein richtiger Weg. Wir arbeiten uns eine sandige Piste entlang, die wohl hin und wieder von Locals aus Copiápo genutzt wird. Auf den umliegenden Hängen der Hügel sind immer wieder Jeepspuren zu sehen. Wir sind erstaunt, wie gut wir im Sand vorwärtskommen. Sicher ist sicher: Zum Halten suchen wir uns immer wieder Stellen, die härteren Untergrund versprechen. Wir tanken auch nach: Nicht, dass wir in einer kritischen Situation liegen bleiben.

Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand

Um die Mittagszeit kommen wir nah genug an die Ausläufer der Düne, um überhaupt mal zu spüren, wie der Boden ist. Sollte das alles loser, weicher Sand sein, brauchen wir die Bikes gar nicht aufzubauen. Dem ist aber nicht so: Wenn man auf den Rücken der Dünen rumtrampelt, sieht man klare Abdrücke unserer Schuhe und wir brechen nicht ein. Das könnte funktionieren! Also weiter um die Düne herum fahren und eine richtige Ridge suchen. Wir suchen uns zwei Favoriten, von denen wir einen in der Abendsonne angehen möchten. Die komplette Düne abzufahren wird nicht möglich sein, aber an die 300 Höhenmeter sind drin. Jetzt brennt die Sonne noch zu sehr nieder, wir möchten etwas abwarten, bis angenehmere Bedingungen herrschen. Zurück in die Stadt und anstehende Erledigungen abhacken? Vorzelt aufspannen und abhängen? Die Düne weiter umfahren und die Neugierde stillen? Letzteres!

Mit den Schneeketten durch die Wüste

Unsere nahezu abgefahrenen Maxxis Reifen an der Transe arbeiten sich zuverlässig durch den immer weicher werdenden Untergrund und wir sind nun an der östlichen Seite der Düne. Unscheinbar wird der Weg steiler. Das Gelände links und rechts des Weges scheint fester, liegt aber zu hoch. Ohoh! Anhalten keine Alternative, Runterschalten, Vollgas: Wir schaffen noch weitere 200m durch den super weich gewordenen Sand und graben uns vorbildlich mit allen vier Rädern ein. Ganz klar: eine festgefahrene Situation. Wir brauchen garnicht lange zu probieren, uns freizufahren. Wir schnallen die Sandbleche und unsere Truper 2000 Schippe vom Dach. Es werden sehr trockene, harte und müßige vier Stunden in der prallen Wüstensonne werden. Wir arbeiten uns rückwärts immer eine Sandblechlänge aus dem Sand heraus: Hinterräder untergraben, Sandblech drunter, Sand unter das Blech, drüber fahren. Räder untergraben, Sandblech drunter, …Moment! Nach 50 Meter Strecke und einer Stunde „Blechen“: Schneeketten! Die könnten genug Grip in dem losen Sand haben. Wir lassen nichts unversucht und packen die Bleche unter die Vorderräder, während wir die Hinterräder nur noch freischaufeln. Es funktioniert und wir kommen wesentlich schneller vorwärts – genau genommen rückwärts. 200 Meter und zwei Stunden später kommen wir an eine Stelle, an der der Wegrand nur marginal höher liegt, als der Weg. Wenn wir dort rauf kommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir durch die Pampa besser vorwärts kommen. So können wir zu der nicht-so-weichen-Straße wieder zurück kommen, wo wir wieder vernünftig fahren können. Weiter geht’s! Wir graben uns den Übergang eben und arbeiten uns mit Schneeketten, Sandblechen und zusätzlichen flachen Felsen bei UV9 in den festen Offroad Bereich. Es klappt! Die Transe steht ohne Bleche auf dem Boden und versinkt nicht! Wir schmeißen all unser Gerümpel und Werkzeug lose in den Bus und machen uns vom Acker – wortwörtlich, zurück zu unseren favorisierten Ridges. Was für eine Nachmittagsbeschäftigung! Allrad wäre in der Situation sicherlich von Nutzen gewesen, und hätte diese vielleicht sogar abgewendet, aber naja. Wir sind hier nicht bei der Rally Dakar.

Ein Tag im Sand

Dune-surfing

Der Kaffee und die Brotzeit tun ihr übriges und wir berappeln uns nach der Schaufelaktion. Wir haben überall Sand! Als das Werkzeug und die Bleche sicher verstaut sind, ist es auch an der Zeit, mit den Bikes auf den großen Sandhaufen vor uns zu laufen. Die Schatten werden länger. Unsere Ridge wirft auch einen und wir stiefeln in ihm bis zum Beginn der Ridge. Völlig fehl am Platz erscheinen die vielen kleinen Büsche, die sich aus dem Sand kämpfen. Der Großteil ist ausgetrocknet und es fliegen nur noch die Samen umher, doch hier und da grünt es uns entgegen. Wir schlagen einen Zickzackweg um die Vegetation ein, bis wir die Kante der Ridge erreichen. Der Wind hat die Sandoberfläche verfestigt und zu einem feinen Wellenmuster geformt. Die Sandkante zwischen der Sandzu- und abgewandten Seite der Ridge bricht messerscharf ab. Die Natur stellt ihr künstlerisches Talent hier mal wieder im vollen Maße unter Beweis!

Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand

Die Sonne steht nun genau richtig. Wir besprechen schnell noch die Line, denn wir haben nur einen Versuch und: Abfahrt! Die Strapazen der uns am Nachmittag auferlegten Aufgabe sind vergessen. Auf den steilen Hängen müssen wir gut Obacht geben, uns nicht einzugraben. Die Falllinie wollen wir nicht nehmen und steuern den Kamm an. Kaum sind wir darauf, beschleunigt das Bike, als ob man in die Halfpipe gedropt sei: Der Untergrund ist vom Wind so verfestigt, dass wir darüber hinweg fegen. Wir drosseln das Tempo durch gegenlenken und wirbeln meterlange Staubfahnen auf. Die Abendsonne gibt den kleinen Sandstürmen unter unseren Reifen einen gelbroten Touch und wir kommen unserem Bus leider viel zu schnell entgegen. Wir grinsen.

Beim restlichen Licht spoten wir die zweite Ridge zu Fuß und entscheiden uns für einen zweiten Versuch am nächsten Morgen. Die Line scheint länger zu sein und es hat gerade eben überraschend viel Spaß gemacht! Hundemüde aber beglückt gibt’s Abendbrot. Die Bikes können aufgebaut bleiben.

Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand

Sand zum Frühstück

Wir quälen uns im Dunkeln von den Schlafsäcken in die Bike Klamotten. In der Dämmerung arbeiten wir uns wieder durch teils festen, teils losen Sand unserer zweiten Ridge entgegen. Die Luft ist angenehm frisch, das erleichtert den Aufstieg – wir sind schnell Oben. Die Sonne klettert zeitgleich mit unserer Ankunft über den gegenüberliegenden Berg. Fast der Sonne entgegen wiederholen wir das Procedere vom Vorabend: Schwung im Sand holen, oben aufschwimmen und dann das richtige Tempo halten. Unser zweiter Favorit funktioniert sogar noch besser, als die Ridge vom Vortag. Unten wartet der Kaffee und das Frühstück. Wir surfen den Auslauf ab und nehmen alles Tempo mit, was das Ende der Düne hergibt. Es schanzt uns immer wieder auf kleinen Sandhügeln hoch und schon sind wir fertig mit dem morgendlichen Sportprogram. Guten Morgen!

Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand

Bevor wir aber den Weg in Richtung Meer einschlagen, heißt es nochmal kurz: Nervenkitzel. Beim Weg raus aus der Wüste, haben wir uns für einen optisch besseren und offensichtlich mehr befahrenen Weg entschieden. Dieser endet auf jeden Fall an einer der Strommasten-Straßen, die befestigt ist. Unser Weg der Wahl wir aber immer sandiger und die Drehzahl sinkt – kurzes Déjà-vu zu gestern Mittag. Also direkt ab in die Pampa und Vollgas auf den befestigten Weg. Es klappt, der Untergrund ist aber nicht so fest, wie erwartet. Zusätzlich geht’s leicht bergauf. Hoffentlich ist vor dem Weg kein Wassergraben! Die Schneeketten sind noch drauf und machen gute Arbeit. Mit Lenken ist nicht mehr viel. Wir schießen auf die Straße zu. Kein Graben. Yeah! Wir atmen auf, als wir mit ordentlich Schwung aus dem Acker auf die Straße schießen – diesmal haben wir Glück gehabt.

Wir machen noch einen Boxenstopp in Copiápo, ein Ölwechsel für den Bus ist fällig. Das ist schnell erledigt, noch ein Snack auf die Hand und wir sind pünktlich zum Sonnenuntergang am Pazifik: Füße im Sand, Bier in der Hand – salut!

Ein Tag im Sand
Ein Tag im Sand

A mind-blowing day

A mind-blowing day

Nachts ist’s kälter als draußen

Es ist noch dunkel und unsere dicksten Schlafsäcke hängen an den Autotüren. Wir haben fast unsere wärmste Kleidung an und warten, bis der Kaffee kocht. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens. Händewaschen tut weh, das Wasser ist eiskalt.

Heute soll’s auf einen benachbarten Berg vom Ojos del Salado gehen: südlich der Laguna Verde, nördlich vom Ojos, kein Name in keiner Karte, aber gute 5900m hoch. Das Ziel des Tages ist, sich zu akklimatisieren. Wir starten direkt von unserem Basecamp an der Laguna Verde, die auf 4300m liegt. Sollten wir es bis zum Gipfel schaffen, haben wir nicht nur eine gute Aussicht auf den höchsten Vulkan Südamerikas und unser nächstes Projekt, sondern auch noch ordentlich was gerissen.

In der Morgendämmerung laufen wir gemächlich los und merken direkt die Höhe, also erstmal das richtige Tempo suchen. Der Weg ist klar ausgetreten, es lässt sich gut laufen. Die Bikes zu schieben wir schnell ineffizient und wir schultern sie. Gegen neun Uhr ist die Sonne komplett aufgegangen, aber wärmer wird es nicht. Vor uns: ein karger Berg mit wenig grün. Hinter uns: eine Landschaft, nicht von dieser Welt! Die Lagune lässt sich nun komplett überblicken, gesäumt von weißen Berggipfeln in einer Wüstenlandschaft. Es ist schwer, sich daran satt zu sehen und mit jedem zusätzlichen Höhenmeter wird der Blick nach unten beeindruckender.

A mind-blowing day
A mind-blowing day

Wir hatten uns eigentlich gefreut, dass der Wind nicht so Kachelt, wie am Vorabend, doch so langsam wird dieser immer präsenter. Die Sonne scheint das Tal doch aufzuheizen. Unpassender Weise verläuft der Trail entweder seitlich zum oder gegen den Wind. Das Bike wirkt wie ein Segel: Wird es einem nicht von den Schultern geweht, so wird man selbst samt Bike zurückgeweht. Dabei sind wir noch nicht mal auf 5000m angekommen. Mittags kommen noch Böen hinzu – Zeit für die Sturmhauben, die Kapuzen sind nicht genug. Es ist schwer, sich auf den Beinen zu halten. Wir sind zwar auf der windabgewandten Seite unterhalb des Grats, haben aber immer noch zu kämpfen. Wir spüren ihn nicht nur, wir hören ihn, wie er über den Grat bläst und uns immer wieder vom Weg abdrängt. Die Wettervorhersage kündigte etwas zwischen 35 und 40 km/h an. Derzeit wird es eher das Doppelte sein.

Wir erhaschen einen Blick auf unseren Zielgipfel: noch fast 700 Höhenmeter – über den Grat. Wir machen Rast. Auf die Rucksäcke legen wir große Felsbrocken, sonst nimmt sie der Wind. Ich habe keinen Hunger, mir ist kodderig. Flo klagt über einen dicken Schädel. Höhenkrankheit? Nicht unwahrscheinlich auf 5200. Zu schnell aufgestiegen können wir nicht sein, es war jedoch wesentlich anstrengender, als es hätte sein müssen. Wir entscheiden uns in die Abfahrt zu gehen, die wird noch anspruchsvoll genug.

A mind-blowing day

In den Wind lenken, gegen den Wind treten

Es war klar, dass wir nicht einfach runterrollen werden können. Doch in welchem Maß uns der Wind daran hindert, ist „mind-blowing“. Hat man das Gleichgewicht beim Rollen bekommen, ist die nächste Kurve, selbst ohne Spitzkehre oder Stufe, eine Herausforderung. Lässt der Wind kurz nach, kommt man vom Trail ab. Ohne es bewusst zu registrieren, lenkt man gegen den Wind in den Hang. Wahnsinn! Beim Versetzen dasselbe Spiel: Gegen den Wind, braucht es richtig Schwung, mit dem Wind wird das Heck um die Ecke geweht – aber auch nur, wenn der Wind konstant anhält. Weil man permanent gegenlenkt, müssen wir bei flacheren Sequenzen treten.

Wir arbeiten uns bergab in ein Blockfeld. Die Räder präzise auf die Steine zu setzen: unmöglich. Es ist ein Glücksspiel, ob die S2 Passage sitzt, oder nicht. Der Wind wird nicht schwächer. Eigentlich befinden wir uns nun auf einem Flow Trail, der uns an der Lagune ausspucken sollte. Die windzugewandte Seite benennt die letzten Tiefenmeter um: „Blow Trail“. Wir werden seitlich den Hang hinauf geblasen. Gegenlenken genügt nicht mehr. Bis zum letzten Meter ist Konzentration und Reaktion gefragt, um mit dem Wind fahren zu können. Wir sind froh, sobald wir an unserem Bus ankommen: So einen starken, stetigen Wind habe ich noch nicht erlebt.

A mind-blowing day
A mind-blowing day

Vom Winde verweht lassen wir den Abend an der Lagune ausklingen. Der Wind zaubert ihr immer wieder schöne Schaumkronen hinein. Wenn man jetzt einen Windsurfer dabei hätte… und ob es am östlichen Ufer einen Windswell gibt? Soll uns jetzt egal sein. Völlig platt stecken wir unsere Beine in eine der Thermalquellen und lehnen uns an die windschützenden Steinwände. Reicht für heute.

A mind-blowing day
A mind-blowing day

Übrigens: Für unseren Trip haben die überkorrekten Jungs und Mädels von PYUA uns mit ihrer ecorrect outerwear ausgestattet. Wir hatten zwar noch keinen Schnee, aber vor den restlichen Bedingungen haben uns die Klamotten bei 70 km/h Wind und Temperaturen gut unter null sicher verpackt. Ganz schön guter Stoff, muss man sagen: Muchas gracias!

A mind-blowing day
A mind-blowing day

Kranked Area

Stoked?

Der letzte Reise Tag endete, wie die meisten, mit einer Stellplatzsuche im Dunkeln. Von der uns umgebenden Landschaft sieht man nahezu garnichts und so sind wir gespannt, was für eine Überraschung uns am nächsten Morgen erwartet. Das einzige, was wir mit unserer Außenbeleuchtung erkennen können, sind die Ausläufer von Lehmformationen. Die letzten Tage haben wir überwiegend im Auto auf der Straße verbracht oder haben Sachen vorbereitet und organisiert. Von dem nächsten Tag erhoffen wir uns einen entspannten Vormittag in einer Kranked Area. Wer kennt das nicht? Der Name der ersten abfahrtsorientierten Mountainbike Videos prägt eine Landschaft, die wohl vor tausenden Jahren noch der Grund eines Sees gewesen ist. Wir hoffen auf einen Volltreffer wie vor einigen Jahren in Kappadokien in der Türkei. Solche ausgespülten Hänge laden ein zu flowigen Abfahrten mit ordentlich Tempo. Wenn der Shape passt, kann man unzählige Wallrides hinlegen. Am Ende einer solchen langen natürlichen Halfpipe wird man mit Karacho herausgespuckt. Die Silhouetten um uns herum sehen jedenfalls vielversprechend aus.

Am nächsten Morgen die Überraschung: Westlich von uns breitet sich über die gesamte Blickweite eine Bergkette aus, aus der mehrere weiße Gipfel hervorschauen. Es dauert einige Minuten, bis man sich satt gesehen hat. Vor dem Frühstück läuft Flo direkt eine der Lehmformationen hoch: Könnte funktionieren. Der Boden ist aber relativ hart, die Hänge fallen steil ab. Fahrfehler zu korrigieren wird schwierig. Wir müssen es auf einen Versuch ankommen lassen und Obacht geben. Daraus wird nix. Wir bekommen während und nach dem Frühstück zwei Mal Besuch. Offensichtlich stehen wir neben der Zufahrt zu einem Mineralabbaugebiet. Keiner ist uns böse gesonnen oder hat uns gebeten, wegzufahren. Doch neue Lines in einem aktiven Steinbruch suchen? Vielleicht ein anderes Mal.

Wenige Kilometer weiter nördlich nehmen wir eine zufällige Dirtroad nach Osten: Bingo! Keine 1,5km weit fahren wir in den zerklüfteten Canyon und es eröffnet sich uns ein Areal mit Kappadokien-ähnlichen Hängen. Hier sind die Lehmformationen schon wesentlich weicher, allerdings immer noch recht steil. Bike aufgebaut, hochgeschoben und ausprobiert: Nach ein paar Versuchen kennt man das Gelände etwas besser und es lässt sich präziser lenken. Man muss wissen, dass sich die Räder doch in den Boden eingraben, wenn man das Gewicht nicht mittig auf dem Rad verteilt. Wir laufen weiter in den Canyon rein und probieren den ein oder anderen Grat der Lehmformationen aus. Ein Flow aus kombinierten Wallrides kommt nicht auf: Die Hänge laufen zu spitz unten zusammen, es liegt zu viel grobes Material im Auslauf. Wir begnügen uns mit dem Nervenkitzel, den Grat abzufahren, während links und rechts losgelöste Steine metertief den Hang herunterkullern.

Kranked Area
Kranked Area

Wir schauen um die Ecke und laufen weitere Lines ab – und werden fündig: Ein von Natur perfekt geformter Kicker gefolgt von einem langen, sauberen Wallride aus Fels – drop-in only! Es braucht ein paar Anläufe, bis man die Idee des Trailbauers umsetzen kann aber dann gibt’s den erwarteten Flow und Airtime. Genug für den Vormittag: Die Sonne hängt direkt über uns und selbst der Wind legt eine Siesta ein. Das heruntergekurbelte Fenster sorgt für einen kühlen Fahrtwind und wir sind wieder auf der Straße.

Kranked Area

Auf dem Weg nach Ischigualasto

Der nächste Stop liegt hinter einem durchaus attraktiven Pass auf einer Hochebene und heißt Parque Provincial Ischigualasto. Wir haben es nicht erwartet, dort mit den Bikes die Hänge abfahren zu können oder grandiose Singletrails zu finden. Der Blick in die Tiefebene ist eine Augenweide – die bis zum Horizont reicht. Die Tiefebende bilden krass abgeschnittene Hänge, die mehrere hundert Kilometer lang zu sein scheinen. Die Rücken der Hänge sind leicht abfallend, bis es an einer astreinen Drop Kante mehrere Hundertmeter tief in die Ebene geht. Einmalige Kulisse. Wir fragen nach: Der Zutritt geht ausschließlich mit einem Guide, wenn man den Park zu Fuß oder mit dem Bike erkunden möchte. Die Zufahrt ist nur stündlich in einer Kolone mit anderen Besuchern möglich. Einerseits ist es gut, dass die Natur an diesem Fleck so geschützt wird, alle Achtung. Andererseits ist es schade, da es uns komplett widerstrebt, angebunden zu sein. Wir suchen uns einen Stellplatz am trockenen Flussbett außerhalb des Parks.

Kranked Area
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Road trippin'...

Am nächsten Morgen entscheiden wir uns gegen den Gruppenbesuch des Parks und arbeiten uns weiter nach Norden vor. Der Kilometerzähler dreht sich stetig weiter. Eine klare Sicht durch die Täler gibt es nicht. Vermeintlicher Dunst hängt in der Luft, dabei ist es aufgewirbelter Sand, der mehrere hundert Meter hoch in der Luft steht – der Wind bläst hier sicher mit 50 bis 60 km/h durch. Vorbildlich asphaltierte Straßen, die zwischenzeitlich einfach weggespült worden sind, wechseln sich mit Dirtroads ab. Wir durchqueren mehre Flüsse. Teils ist nicht mal ein weiterer Straßenverlauf oder Reste der Straße zu sehen – sie hört vor dem 80m breiten Flussbett auf und geht danach ganz normal weiter. Erstaunlich, welchen Strapazen wir unseren Transit aussetzen. Ohne zu murren geht es weiter. Ortschaft: Tanken, Snack, weiter. Wir staunen immer wieder, woher in dieser kargen Landschaft überhaupt Wasser kommt. Klar, aus den Bergen, aber in der Menge? Dazu kommen grell grüne Pflanzen und blühende Blumen: im Sand! Es scheint hier wohl doch hin und wieder zu regnen.

Kranked Area
Kranked Area

Wir cruisen durch die Täler und fahren auf unter 1000m, links und rechts versuchen wir die Höhe der Berge abzuschätzen: 2000m? 3000m? Die Weite der Täler ist trügerisch. Nur auf den dritten Blick erkennen wir, dass sich in den Wolken weitere Berge aufbauen. Die Schätzungen verdoppeln sich: Vor uns liegen die 6000er. Morgen soll es dann über den San Francisco Pass gehen: 4600m. Den 6000ern werden wir dann einen Besuch abstatten.

Kranked Area

Die ganze Route an diesem Tag verlief immer wieder durch verschiedene Täler. Wäre einer von uns in diesem Moment in den Sekundenschlaf gefallen, hätte er den plötzlichen Übergang verpasst: Aus Weinreben und Wallnussbaumplantagen wechselt es abrupt in eine weiße Wüste. Tal zu Ende. Wir sind in der Wüste. Sand fliegt über den Asphalt hinweg, die Transe ebenfalls. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen untergegangen und leuchtet die wenigen Linsenwolken von unten an. Wir haben unser Ziel für heute erreicht und suchen uns einen Stellplatz – hoffentlich brauchen wir die Sandbleche morgen nicht.

Kranked Area
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