Hit the dirtroad

Wir gönnen uns etwas mehr Schlaf, als am Vortag und stehen mit der Sonne auf. Wasser, das beim Abspülen des Frühstücksgeschirrs mit der Dusche an der Karosserie herunterläuft, gefriert beim Zusehen – es scheint immer noch kalt zu sein. Nach den gestrigen Strapazen am Licancabur freuen wir uns auf den bevorstehenden Ruhetag, den wir im Auto verbringen werden. Es liegen paar hundert Kilometer vor uns, bis wir zum Salar de Uyuni kommen. Diesen müssen wir später überqueren, um zum nächsten Projekt zu kommen. Bis dahin liegen aber noch einige schöne Flecken Erde, die wir nicht links liegen lassen wollen, wenn wir schon mal hier sind. Deshalb heißt es: Road trippin’!

Wir verlassen die Lagunen mit einem letzten Blick auf die Flamingos, die entspannten Schrittes das flache Wasser queren. Wir arbeiten uns aus dem unwegsamen, sandigen Bereich heraus und nehmen Fahrt auf. Auf der Dirtroad gen Norden ist ein ganz schöner Verkehr. Im fünf Minuten Takt werden wir von Jeeps überholt oder es kommen uns andere Kolonen entgegen. Passagiere: Touristen. Gepäck: Mehrere Spritkanister und Backpacks. Wir treffen nur ein einziges Overlander-Paar auf der gesamten Strecke! Sich sattzusehen an der Umgebung ist schwierig: Malerische Vulkane, Stein-Wälder, die durch Vulkanausbrüche entstanden sind. Lagunen säumen die Täler auf über 4000m üNN. Für die Mittagspause finden wir einen Platz, wie für uns gemacht: Ein Wasserbecken mit einer angenehmen Temperatur von etwa 38 °C, in dem wir beide Platz haben. Die heiß ersehnte Badewanne, um unsere gebeutelten Körper von gestern zu entspannen! Großer Pluspunkt: Alle Touri-Jeeps, lassen diese Stelle links liegen. Wir sind alleine und lassen die Seelen baumeln, duschen und düsen weiter. Nächster Stopp: Geysire! Hier sind wir nicht mehr allein. Ein Dutzend Touri-Jeeps zeigen uns den Hotspot. Hier brodelt die Erde, heiße Wasserfontänen spritzen immer wieder einige Meter hoch. Es riecht nach Schwefel und die Windrichtung lässt sich an den Dampffahnen ablesen. Abgefahrene Szenerie. Fast erstaunlicher ist das Bild unseres Transporters inmitten der Jeeps: Sind wir under-geared oder die anderen over-geared?

Wir fahren an der Laguna Colorada vorbei. Hunderte, wenn nicht Tausende Flamingos stolzieren herum. Die farbigen Berge rund um die Lagune spiegeln sich im Wasser, daher wohl der Name. Die Straße, eher ein Waschbrett, erlaubt uns eine Reisegeschwindigkeit von maximal 30 km/h. Es geht auf den Abend zu und wir kommen nach gut 200 km in das erste Dorf seit Grenzübertritt. Wir haben Glück: Der Markt-LKW, der zwei Mal im Monat das Dorf anfährt und mit dem Nötigsten versorgt, ist heute da. Wir decken uns mit frischen Lebensmitteln ein und verlassen das Dorf auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz für die Nacht und werden bald fündig: Bizarre Felsformationen umgeben uns, kleine Canyons mit ausgespülten Felsen sind unsere Herberge für die Nacht. Wir finden auch was zum Frühstück: Die Natur hat uns mal wieder einen Kicker geshaped. Darauf und auf den Erfolg am Licancabur stoßen wir an: Prost!

Der Sunrise Ride

Der Fund des Vorabends wird umgesetzt und abgedrückt. Wir schanzen einige Male über die abgefahrene Landschaft hinaus. Die Felsformationen sind bisher unvergleichbar. Wir suchen uns noch die ein oder andere Line, aber die Sonne brennt uns nieder. Also frühstücken wir und packen die Sachen für die nächste Etappe auf der Straße.

Rally Dakar Checkpoint: Uyuni

Strecke machen. In Uyuni beginnt unsere Salzseeüberfahrt, davor möchten wir aber noch etwas Proviant auffüllen. Also auf gehts, weiter durch die Wüste. Der Supermarkt ist den Titel nicht wert, mehr als Nudeln und etwas Tomatensauce bekommen wir kaum. Auf dem Markt langen wir richtig zu und decken uns mit frischem Obst und Gemüse ein. Die Entdeckung des Tages: Lama Steak. Vollgepackt mit den tollen Sachen verlassen wir Uyuni so schnell, wie wir auch rein gefahren sind. Auf dem Weg zum Salzsee machen wir aber noch Halt an einem Eisenbahnfriedhof. Hunderte Wagons und viele Loks, wohl vor mehreren Jahrzehnten hier abgestellt, würden in Europa ein gut ausgestattetes Museum abgeben. Hier ist das ein Zwischending zwischen Müllkippe, Touristenattraktion und Spielplatz für die lokalen Kids. Wir beobachten, wie zwei Bolivianer sich mit Winkelschneider und Handkettenzug am Stahl bedienen und einen Teil eines Dampfkessels auf den LKW Aufladen.

Unser Haus auf dem See

Wir erreichen den Salar de Uyuni im Abendrot und Teilen uns das Ufer mit hunderten anderer Touristen, die mit Tour-Jeeps den Sonnenuntergang genießen. Wir wollen aber weiter und auf dem See übernachten. Also holen wir uns Ratschläge von den Jeepfahrern ein, beobachten andere herausfahrende Jeeps und entscheiden uns für eine Linie auf die nächste „Salzdüne“ im See. So ganz sicher sind wir unserer Sache nicht, die Transe taucht tief unter bei der Einfahrt und wir schieben eine Welle vor der Stoßstange, tauchen aber schnell wieder auf und fahren durch 20cm tiefes Salzwasser auf die „Salzdüne“ zu. Puh, es klappt. Die Sonne hängt jetzt knapp über dem Horizont. Die Jeeps, die auf dem See parkten, schlagen den Rückweg ein. Schnell sind wir allein. Wir möchten gar nicht weit fahren, sondern uns ein trockenes Fleckchen für die Nacht suchen. Doch ein wenig weiter, als das Ufer soll es sein. Wir verlassen die erste Düne und nehmen Fahrt in Richtung Norden auf. Unserem nächsten Ziel direkt entgegen: Volcán Tunupa. Als Silhouette zeichnet er sich im Sonnenuntergang ab. Das Wasser unter uns ist jetzt keine 5cm tief und man sieht unzählige Spuren anderer Fahrzeuge. Trockene Ecken finden wir aber keine. Es wird dunkel, wir sind noch unterwegs. Doch einfach zurück zum Ufer? Wir versuchen es in eine andere Richtung. Negativ. Das Wasser wird nicht tiefer, der Untergrund jedoch weicher. Verdammt, jetzt heißt es nicht stehen bleiben! In den weichen Salzflecken gräbt sich die Transe ein. Es ist dunkel, das Salzwasser erschwert die Sicht und der Scheibenwischer kommt kaum dagegen an. Den Scheinwerfern tut die Salzschicht auch nicht gut. Wir müssen dem GPS vertrauen und schauen nur, dass wir nirgends rein oder dagegen fahren. Nach einigem Gekurve über den See finden wir eine gute Stunde später unseren Stellplatz für die Nacht – und sind froh, nicht stecken geblieben zu sein. Morgen suchen wir uns die Hauptroute über den See heraus.

Es gibt immer ein erstes Mal: Ein Lama Steak, selbst zubereitet, alleinstehend auf dem riesigen Salzsee! Womöglich bleibt dieses Erste Mal auch einmalig, wer weiß?

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