Ankunft in einer anderen Welt

Bombenkrater und Canyons im Miniaturformat zieren den Feldweg, der uns in die recherchierte Mondlandschaft bringen soll. Der Weg ist dermaßen ausgespült, dass wir nur im ersten Gang fahren können. Unser Feuerwehrauto neigt sich von rechts nach links, verschwindet zur Hälfte in Löchern – aber es bliebt nie stecken. Vicuñas ziehen gemütlich durch die karge Landschaft. Nach rund drei Stunden Geschaukel ist Ankunft auf dem Mond. Wir haben es tatsächlich geschafft, kein Wegabschnitt war unpassierbar für unser Auto.

Runde und weiche Hügel sowie kleine Vulkankrater bestimmen jetzt das Landschaftsbild. Übersäht mit feinkörnigem, schwarzen Lavagestein wie ein Streuselkuchen. Wir sind baff. Die Gegend wirkt so surreal, aber wir stehen mitten drin. Bevor wir die Bikes auspacken, spazieren wir erst mal etwas umher und lassen die Mondlandschaft auf uns wirken.

Der erste Trail

Der ursprüngliche Plan war, in dieser unwirklichen Landschaft die Hänge abzusurfen. Aber es sind scheinbar doch ab und zu Leute hier, denn wir entdecken einen Trail, der auf einen der Vulkankrater führt – also Planänderung und Sparprogramm, da wir beide noch erkältet sind.

Der Aufstieg verläuft über den Grat des explodierten Kraters. Da müssen Kräfte am Werk gewesen sein – unvorstellbar. Der Kraterrand ist auf bestimmt 350 Höhenmetern weggesprengt; aus dieser Kerbe ergießt sich ein kilometerlanger, erstarrter Lavastrom. Auch bei uns sind unvorstellbare Kräfte am Werk: der Wind bläst sicher mit 50 Stundenkilometern über den Berg hinweg. Zudem ist das Lavagestein so bröselig, dass wir bei fast jedem Schritt zu kämpfen haben.

Endlich stehen wir oben und erblicken zum ersten Mal das gesamte Ausmaß der Vulkanlandschaft. Erstarrte, schwarze Lavaströme ergießen sich gut 40 Kilometer durch’s Land. Kleine und große Vulkankegel sieht man bis zum Horizont. Das Wechselspiel aus schwarzer Lava und dürrem Gras schafft interessante Formen und Formationen.

Wir machen uns an die Abfahrt. Der Tiefblick über den Kratergrat ist überwältigend und lenkt hin und wieder vom Trail ab. Das lose Vulkangestein bietet kaum Grip und so ist mitschwimmen angesagt. Die ersten Meter sind noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach kurzer Einschwimmphase klappt alles wunderbar. Viel zu schnell sind wir wieder am Auto – dafür aber mit breitem Grinsen. Unser erster gemeinsamer Trail in Südamerika! Auch wenn es für uns Patienten nur 250 Höhenmeter waren.

Da uns die Landschaft so gut gefällt, bleiben wir über Nacht. Hier auf 2000 Meter dürfte ein toller Sternenhimmel sichtbar sein. In der Abendsonne machen wir noch ein paar Fotos und kochen gemütlich. Mit dem Sternenhimmel haben wir uns nicht getäuscht: Er ist sichtbar in voller Pracht. Dabei fällt mir auf: Ich habe noch nie den Sternenhimmel der Südhalbkugel gesehen.

Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen präsentiert uns die Landschaft noch einmal in ihrer ganzen Pracht. So macht auch die lange Abreise über den Feldweg Spaß!

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