Behördenrennerei sondergleichen – endlich haben wir das Auto!

Wir haben unser Auto! Zwei Tage waren sämtliche Behörden und die Hafeninstitutionen geschlossen – wegen Karneval. Tags darauf, als alles offen ist, geht die Behördenrennerei los. Zuerst zur Direccion Nacional de Migracion, eine Bestätigung abholen, dass wir da sind. Dann zur KMA – die Agentur, die die Fracht der Schifffahrtsgesellschaft Grimaldi abwickelt. Bereits hier beginnt das Chaos: der original BL (Bill of Lading) fehlt und wurde von Grimaldi offensichtlich noch nicht zugesandt. Wir warten und warten und hängen uns schließlich ans Telefon, da die KMA dazu nicht in der Lage ist. Und siehe da – nach bereits sechs Stunden schafft es die KMA dann doch, ihre Mails richtig zu lesen und festzustellen, dass der BL doch schon da ist. Bravo!

Die Zeit wird knapp; wir rennen zum Zoll und beantragen unsere Papiere. Da der Zoll nicht in der Lage ist, zwischen Maximalgewicht und aktuellem Fahrzeuggewicht zu unterscheiden, müssen wir in den Hafen zu Rilcomar – das Logistikunternehmen des Hafens. Die sollen unser Auto wiegen. Das wollen oder dürfen die aber nicht – nachdem der Bedienstete von Rilcomar das dem Zoll in einem 15 minütigen Telefongespräch klar gemacht hat, müssen wir zurück zum Zoll unsere Papiere abholen. Damit sprinten wir zur Hafenbehörde – Geld abgeben. Leider ist unser Sprint zu langsam; wir kommen drei Minuten zu spät.

Am nächsten Morgen sind wir die Ersten und wundern uns, dass wir anstatt etwa $700 nur $31 Hafengebühren zahlen müssen. Uns soll’s recht sein! Dann geht’s wieder zum Zoll – die Zahlungsbestätigung abgeben und eine Nummer abhlolen. Anschließend wieder in den Hafen zu Rilcomar, eine weitere Nummer abholen. Mit den Nummern zu Buquebus die Fahrerlaubnis abholen. Wieder zu Rilcomar die Fahrerlaubnis vorzeigen, um das Auto frei zu bekommen, hier stimmt aber eine Nummer nicht. Also wieder zum Zoll die richtige Nummer holen. Und wieder zu Rilcomar: endlich – nach eineinhalb Tagen Rennerei haben wir unser Auto!

Einladen, tanken, Gasflasche auffüllen, Proviant kaufen und ab Richtung Westen. Die Anden warten!

Durch die Kornkammer der Welt?

Wir cruisen durch Uruguay der Argentinischen Grenze entgegen. Von der bestens ausgebauten Autobahn sehen wir das erste Mal mehr als die Innenstadt von Montevideo. Auf den ersten Kilometern zieht das Meer an uns vorbei. Erneuerbare Energien spielen in Uruguay scheinbar eine große Rolle – es stehen unzählige Windräder in der Gegend herum.

Das Land ist kaum besiedelt. Als wir die Küste verlassen, wird die Landschaft karg und trocken. Kilometerweite Weideflächen für Rinder und Pferde, endlose Mais- und Erdnussfelder säumen die Straßen. Zwischen den einzelnen Dörfern liegen schnell mal 50 KIilometer – dazwischen nur Hügel mit Feldern und Weiden.

Immer wieder queren wir Flüsse bis wir schließlich an die Grenze zu Argentinien kommen. Über den Grenzfluss führt eine kilometerlange Brücke. Das Land wir topfeben. Mit der Zeit wechseln sich nur mehr Weiden und riesige Getreidefelder ab. Korn bis zum Horizont! Zwischendurch queren wir eine 60 Kilometer breite Sumpf- und Flusslandschaft. Dahinter türmt sich die Skyline der nächsten großen Stadt empor.

Mit der Zeit wird der Straßenverlauf monoton: 40 – 60 Kilometer schnurstracks geradeaus ohne Kurve sind keine Seltenheit mehr. Je weiter westlich wir kommen, desto trockener wird die Gegend. Das Korn verschwindet, es ist nur noch Viehwirtschaft möglich. Diese verliert sich irgendwann in trockenen Busch- und Strauchlandschaften – immer wieder verwüstet von großflächigen Bränden. Das längste Straßenstück ohne Kurve liegt jetzt bei unglaublichen 120 Kilometern!

Nach zwei Tagen Fahrt erreichen wir San Rafael – das Tor zur Wüste; die letzte größere Stadt. Wir decken uns mit Lebensmitteln und Wasser führ mehrere Tage ein. Der letzte Abschnitt der Route hatte auf über 230km keine Tankstelle und wir halten es für sinnvoll in einen 20l Benzinkanister zu investieren. Die ersten Dirtroads warten auf uns. Wir sind gespannt, wie unser Ford Transit darauf reagiert. Eines ist jetzt schon sicher: Wir fallen auf mit dem Feuerwehrauto und werden immer wieder darauf angesprochen.

Leider hat es uns beide mit einer Erkältung erwischt und so beschließen wir, die Route etwas umzulegen und ein größeres Projekt gegen ein kleineres einzutauschen. Das bedeutet: weiter rein in die Wüste. Endlich tauchen die ersten Berge in der Ferne auf. Wir fahren an Salzseen vorbei und sind fasziniert von der unendlichen Weite dieser Hochebenen- und Bergwelt. Auch wenn die Autofahrt jetzt mal ein Ende haben dürfte – hier durch zu cruisen macht echt Spaß!

Das neue Ziel liegt mitten in der Wüste. Zunächst etwa 60 Kilometer auf einer normalen Dirtroad, dann noch weitere 35 Kilometer auf einem Feldweg in die Pampa. Ziel ist eine Gegend, die von Vulkankegeln regelrecht übersäht ist. Die Landschaft ist durch das Vulkangestein komplett schwarz. Wir sind gespannt.
Der Abend rückt näher und auch die Gewitterfront, die plötzlich vor uns aufzieht. Kaum sind wir die ersten 15 Kilometer Dirtroad gefahren, fängt es an zu schütten! Und das mitten in der Wüste. Aus Eimern. Die Dirtroad verwandelt sich in einen Fluss. Alles steht unter Wasser, teils 20 Zentimeter tief. Fast bleiben wir stecken – da hilft nur Vollgas und durch. Glück gehabt! Nach fast 1,5 Stunden Fahrt über die überschwemmte Straße kommen wir am geplanten Schlafplatz an. Dieser befindet sich kurz vor einer Flussquerung.
Die böse aber vermutete Überraschung am nächsten Morgen: die Regenfälle haben die komplette Straße im Flussbett weggeschwemmt. Da ist kein Durchkommen mehr. Das heißt für uns: ca 120 Kilometer Umweg, um unser Ziel von der anderen Seite anzufahren. Fortsetzung folgt!

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