Experimentelles zum Jahresende

Ich klammere mich an eine Felsnase und atme durch. Beinahe wäre ich auf der Eisplatte unter meinen Füßen ausgerutscht – das hätte schmerzhaft enden können. Der Nordhang, den wir gerade zum Gipfel aufsteigen, bekommt seit ein paar Wochen keine Sonne mehr ab. Schnee und Eis setzen sich allmählich fest. Einige Meter spekulieren wir noch mit der Abfahrt über diesen Trail, doch Schnee und Eis werden mit zunehmender Höhe zu viel. Der Winter steht vor der Tür, die Sonne steht tief und verziert die Landschaft mit tollen Licht- und Schattenspielen.

Der Gipfel ist gut besucht – nicht nur wir wollen die letzten schönen Tage in den Bergen genießen. Unsere wohlverdiente Gipfelrast fällt heute besonders lecker aus: Hebbe hat mal wieder selbstgemachten Kuchen dabei – von seiner Mama 😉 Da kann man echt nicht meckern, leckerer Kuchen, tolle spätherbstliche Sonne und eine grandiose Fernsicht, die durch eine leichte Dunstschicht der Inversion im Tal abgerundet wird.

Die Gipfelidylle wird allerdings getrübt: Der Blick in die geplante Abfahrt auf der anderen Seite des Berges sieht ernüchternd aus. Eher flaches Kuhwiesengeeier scheint uns hier zu erwarten. Dabei sah der Trail von einem Gipfel gegenüber sehr vielversprechend und eher schroff aus.

Etwas unmotiviert starten wir unter den WTF-Blicken der Wanderer in die Abfahrt. Gleich wird es sich zeigen: Techtelmechtel oder Kuhwiese, Spaß oder Langeweile, Licht oder Schatten?

Siehe da: Bei näherer Befahrung zeigen sich plötzlich allerlei technische Spielereien vor dem Vorderrad. Sie lauern versteckt im hohen Gras und sind plötzlich da – teils fehlt fast die eine angemessene Reaktionszeit und man rettet sich irgendwie durch.  Von schönen Spitzkehren über perfekte Endodropnasen bis hin zu netten Trialelementen wird uns alles geboten. Die tief stehende Sonne zaubert tolle Kontraste und einen harten Schatten in die Landschaft.

Im unteren Teil ändert der Trail seinen Charakter und lockt mit steilen Steilstücken. Diese haben es in sich – und zwar so, dass wir hier und da doch lieber erst mal zu Fuß inspizieren, bevor wir rein fahren. Dazu gesellt sich an manchen Ecken die spätherbstliche Trailschmiere, die alles nicht einfacher macht und uns hier und da sogar einen Strich durch die Rechnung macht. Schließlich spuckt uns der Trail am See aus und wir cruisen gemütlich am Ufer entlang in Richtung Talausgang.

Was lernen wir aus der Geschichte? In blödem Kuhwiesengeeier kann sich doch tatsächlich auch eine Trailperle verstecken. Die Chance bleibt allerdings verschwindend gering 😉

Vielen Dank an Hebbe für’s Bilder beisteuern!

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