6000!

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Der unmögliche Weg

Es ist ein Uhr nachts, der Wecker klingelt. Die drei Stunden Schlaf hätten wir uns auch sparen können, aber für’s Gewissen waren sie gut. Kurz ein Kaffee, dann warten wir auf unseren Fahrer, der pünktlich eine halbe Stunde zu spät kommt. Bikes auf den fetten Geländewagen laden und schon düsen wir durch Arequipa in Richtung Vulkan Chachani.

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Nach unserem kläglichen Scheitern in der Zufahrt mit unserem Auto musste jemand mit vernünftigem Geländewagen her, der uns bis zum Tourenstart bringt. Wie es der Zufall so will, kennt Liza einen Downhiller aus Lima. Und der kennt einen peruanischen Bikeshop in Arequipa, bei dem wir uns melden sollen, wenn wir Probleme haben. Dass wir nicht zum Tourenstart kommen, ist ein Problem. Ein kurzer Besuch im „OnlyBikes“ Bikeshop bringt uns einen Guide, der mit dem Bikeshopbesitzer bekannt ist und von unserer Idee so begeistert ist, dass er uns nicht nur hochbringen will, sondern auch einfach mit zum Gipfel aufsteigen will, um das „Spektakel“ zu sehen.

Wir passieren den Stadtrand von Arequipa und fahren die kurvenreiche Passstraße hoch, die „niemals schläft“. Hier sind fast nur Bekloppte unterwegs. Reisebusse überholen LKWs in der Außenkurve, verrückte PKW-Fahrer liefern sich fast schon Rennen, es wird gehupt und gedrängelt und auch unser Fahrer ist mindestens sehr emotional mit dabei.
Der Pass ist in Nebel gehüllt, es ist stockdunkel. Unser Fahrer sucht kurioserweise nach ein paar Geländewagenspuren am Straßenrand. Das sei eine Abkürzung – nach fünf Minuten Suchen finden wir diese auch. Wir folgen einer Spur quer durch die Pampa, Orientierung gleich Null, man sieht einfach nichts. Lev schmeißt sicherheitshalber mal das Navi an. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich die offizielle Dirtroad, die zum Vulkan führt. Doch was macht unser Fahrer? Er biegt in die falsche Richtung ab – wir fahren zurück! Lev und ich intervenieren. Aber er lässt sich nicht davon abbringen und ist felsenfest davon überzeugt, dass wir richtig sind. Das Navi spricht das Gegenteil – so wie die Mautstation, deren Lichter allmählich durch den Nebel leuchten. Hier zweigt die Dirtroad von der Hauptstraße ab. Und damit wurde unsere Abkürzung zur Verlängerung. Wenigstens ist jetzt auch unser Fahrer überzeugt, dass wir falsch sind.

Endlich an dem Feldweg zum Tourenstartpunkt angekommen, zeigt sich der Unterschied zwischen einem vernünftigen Geländewagen und unserem Feuerwehrauto: Der Geländewagen passiert die Stelle, an der wir vor ein paar Tagen nicht weiter kamen, ohne mit der Wimper zu zucken. Keine 200 Meter später wird der Weg so grob, dass das Auto teils in 30 Grad Schräglage über reifenhohe Steinblöcke fährt. Spätestens hier wäre mit unserem Transit definitiv Feierabend gewesen.

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Schwankend und schaukelnd nähern wir uns der 5000 Meter Marke. Hinter uns färbt sich der Himmel in ein unglaublich kräftiges Orange; im Tal ziehen die Nebelschwaden über’s Land. Ein Anblick wie aus einem Märchenbuch. Es ist bitterkalt: Trotz der Trockenheit haben sich Eiskristalle am Boden und auf den dürren Sträuchern gebildet. Während der Fahrt durch den Nebel am Fuß des Berges hat sich auf unseren Bikes auf dem Autodach eine fast Zentimeter dicke Eisschicht gebildet!
Endlich – mit über einer Stunde Verspätung – sind wir am Tourenstart. Lev und ich schnappen die Bikes und ziehen los. In den letzten Wochen haben wir uns gut akklimatisiert und sind zuversichtlich, dass wir den Gipfel erreichen können. Liza und unser Fahrer bilden die Nachhut zu Fuß.

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Nicht so ganz ohne, dafür mit Eis

Was soll das denn? Der Trail führt bergab und schlängelt sich dann ewig auf der Höhe dahin. Das haben wir aber nicht gebucht! Eine gute Stunde Verspätung, Zusatzhöhenmeter und Zusatzstrecke – ungünstige Kombination. Und dann noch die Höhe. Am Lincancabur haben wir für die 1300 Höhenmeter Aufstieg bis auf 5900 Meter gute neun Stunden gebraucht. Mit den Zusatzhöhenmetern vor unserer Nase werden es heute auch fast 1200 Höhenmeter. Und heute wollen wir auf 6075 Meter hoch. Wenigstens sind wir jetzt besser akklimatisiert.
Es hilft alles nix: Wir geben Gas und speeden die Querung durch. Das klappt gut – früher als wir dachten, linst das Basecamp plötzlich hinter einer Gletschermuräne vor. Ein paar Zelte stehen hier. Es muss wohl eine Expedition weiter oben sein, oder noch am Schlafen. Jetzt, nach dem Camp, führt der Weg endlich richtig aufwärts. Aufwärts geht auch unser Puls. Abwärts gehen, schnellen Schrittes, die Teilnehmer der Expedition, die uns nach etwa 300 Höhenmetern entgegenkommen. Wir ernten verwirrte Blicke und ein „Good Luck“, bis uns deren Guide anspricht: Das wäre ja sehr außergewöhnlich, was wir hier vorhaben. Aber es kann nicht klappen, weil ab 5800 Meter die Flanke komplett vereist ist. Na toll, das sind minder muntere Nachrichten. Aber man kennt es ja aus den Alpen: Wenn dir „Nicht-Biker“ erzählen, dass es da vorne nicht mehr weiter geht, dann wird’s meistens erst so richtig interessant. Also nicht verzagen – Bike weitertragen.

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Leider hat der Guide Recht. Die Flanke ist gefüllt mit Schnee – und sie ist irrsinnig steil. Keine Chance, hier sicher abzufahren – falls wir überhaupt hochkommen würden. Es gibt jedoch einen Lichtblick: Der Grat in Richtung Gipfel scheint größtenteils schneefrei zu sein. Das könnte klappen und muss zumindest untersucht werden. Das Glück ist auf unserer Seite – der Schnee wurde von der Sonne aufgetaut und ist nicht mehr gefroren. Das heißt, wir haben Grip und können unseren Aufstieg fortsetzen. Die Steilheit der ganzen Geschichte hinterlässt Eindruck bei uns – die Abfahrt wird nicht ohne!
Etwa 200 Höhenmeter unter uns sehen wir Liza und unseren Fahrer. Die Beiden haben irrsinnig aufgeholt, doch jetzt scheint sich bei ihnen die fehlende Akklimatisierung bemerkbar zu machen. Sie treten den Rückzug Richtung Auto an.
Der Grat spitzt sich zu, die Fehlerintoleranz auch: Auf einer spitzen Wächte keuchen wir die letzten 100 Höhenmeter dem Gipfel entgegen. Links und rechts fallen die Schneeflanken steil ab in zwei der vielen Krater am Chachani. Ein kurzer Blick auf’s GPS zeigt: Wir haben die 6000er-Marke geknackt! Endlich klappt es, nachdem alle anderen 6000er-Projekte entweder tief verschneit waren, logistisch nicht lösbaren Aufwand erforderten – oder gar beides.

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Ein paar Verschnauf-Stop-and-Gos später sind wir am Ziel: Auf 6075 Meter über Normal Null, rund 4000 Höhenmeter über Arequipa, auf unserem ersten 6000er. Unglaublich! Wer hätte gedacht, dass wir mal mit den Bikes auf einem 6000er stehen? Aber man muss es halt einfach mal machen! Erleichterung macht sich breit. Wir haben es tatsächlich geschafft – sogar in fünfeinhalb Stunden. Aber irgendwie fühlt es sich auch komisch an mit dem Wissen, dass der menschliche Körper oberhalb von etwa 5500 Metern immer weiter Energie verliert, auch beim Nichtstun. Einerseits ist es das Normalste auf der Welt – auf einen Berg steigen. Andererseits gehören wir Menschen einfach nicht hier her.

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Plötzlich gehen meine Alarmglocken an. Die Wolken um den Gipfel herum sind immer dichter geworden. Seit ein paar Minuten hängen wir komplett in der Suppe. Die Temperatur liegt unter null Grad – wenn die Sonne den Schnee nicht mehr aufweichen kann, dann friert dieser möglicherweise. Das könnte unseren Abstieg ohne Steigeisen ziemlich gefährlich machen, an eine Abfahrt ist dann garnicht zu denken. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Die ersten 30 Höhenmeter fahren wir fast Schuss in den obersten Vulkankrater. Hier ist der Schnee schon eisig. Weiter geht’s auf den luftigen Grat. Die Schneewächte ist zum Glück noch nicht vereist – wir kommen gut durch. Jetzt wird der Grat ebener, aber die Ebene ist stärker geneigt. Nah an der Haftgrenze der Reifen im Schnee-Schotter-Mix zirkeln wir dem Tal entgegen. Eine Wegspur gibt’s nur sporadisch. Da ist gute Linienplanung gefragt: Die Umsetzer an der richtigen Stelle platzieren, in keine zu steilen Abschnitte fahren, die Schneedicke und Härte richtig abschätzen. Das erfordert volle Konzentration und bringt uns richtig außer Puste – technisches Biken auf 6000 Metern Höhe führt den Körper absolut an die Leistungsgrenze.

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Da kommt der gut ausgetretene Trail 300 Höhenmeter tiefer sehr gelegen: Endlich kann man mehr als 100 Meter am Stück fahren, ohne außer Puste zu kommen. Vor gigantischem Vulkanpanorama zirkeln wir die Musterspitzkehren dem Basecamp entgegen. Am Nachbarvulkankomplex stößt ein aktiver Vulkan immer wieder dicke Rauchschwaden kilometerweit in den Himmel. Ein faszinierendes Schauspiel, das die Aufmerksamkeit vom Trail zieht. Die letzten Meter zum Basecamp – dort werden wir klatschend empfangen. Die Expedition vom Morgen ist weg, dafür ist eine Neue da: Zwei Deutsche und ein Bergführer. Unser Fahrer hat wohl schon etwas Werbung für uns gemacht, denn der Guide weiß sofort, wer wir sind und gratuliert uns zum Gipfelerfolg. So auch die Deutschen. Wir machen kurz Pause, tauschen ein paar Reisetipps und Bergstorys aus, ehe wir dem restlichen Trail die Stollen aufdrücken.

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Jetzt wird’s richtig technisch: wir zirkeln um große Lavablöcke, durch enge Spitzkehren und über mächtige Felsplatten. Besonders fasziniert uns eine Pflanze am Wegesrand, die hier oben überleben kann: Optisch sieht sie aus wie Moos, es ist jedoch ein extrem dichter und fester Busch. Und diese Pflanze wächst pro Jahr etwa einen Millimeter. Man kann sich also vorstellen, wie alt die teils über fünf Meter breiten Gewächse sind. Vor uns liegt jetzt ein perfekter Flowtech-Pumptrack: Immer wieder geht es über große Blöcke, um enge Kehren und durch kleine Senken – fast ohne Höhenverlust. Diese Sektion gehört definitiv in meine TopTen der Flowtechtrails und zaubert ein breites Grinsen ins Gesicht – aber auch ein Kotzgefühl, denn wir sind immer noch auf 5000 Meter und die letzten Körner werden gerade verbrannt.

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Und dann das dicke Ende: Der Gegenanstieg zum Auto wartet als Endgegner. Wir sehen Liza und unseren Fahrer gerade am Auto ankommen und schleppen uns gemächlich hinterher. Um etwa 18 Uhr sind wir am Auto – kurz vor einsetzen der Dämmerung. Von hier könnten wir noch 2600 Höhenmeter und über 50 Kilometer auf Trail abfahren. Aber das ist wohl unmöglich an einem Tag zu bewältigen. Blöderweise ist das auch mein letzter Tag – morgen geht’s mit dem Flugzeug zurück in die Heimat.
Am Auto treffen wir Liza und unseren Fahrer. Die beiden haben sich tapfer geschlagen, mussten aber bei 5800 Metern abbrechen. Sie sehen etwas fertig aus. Durch fehlende Akklimatisierung und ein zu schnelles Aufstiegstempo musste Liza wohl die Höhenkrankheit kennenlernen und sich sogar übergeben. Also nix wie in tiefere Gefilde!
Über die spannende Bergzufahrt rumpeln wir wieder der Stadt Arequipa entgegen und sind schließlich um kurz vor Mitternacht wieder im Tal. Ein langer, erlebnisreicher Tag. Wir haben es tatsächlich geschafft, von einem 6000er abzufahren! Prost!


Auch der Uphill mag verdient sein

Auch der Uphill mag verdient sein

Auch der Uphill mag verdient sein

In Arequipa kennen wir uns nun aus. Man könnte uns schon fast als Locals bezeichnen. Zumindest brauchen wir kein Navi mehr, um von A nach B zu kommen. Dabei sind wir erst seit drei Tagen hier. Erst oder schon? Die Orga für den Chachani, den wir in einigen Tagen nochmal versuchen möchten, steht. Liza, unsere Verstärkung für die letzten Touren, haben wir im Gepäck. Wir verlassen Arequipa, um die Umgebung zu erkunden. Der Colca Canyon liegt etwa vier Stunden Fahrt entfernt und ist DIE Hauptattraktion aller Reisenden, die in Arequipa Halt machen. Dieser Ort ist so beliebt, dass man vor der Einfahrt ein Ticket lösen muss – den boleto turístico. Nun gut, aber wo kauft man das? Diverse Quellen berichten, dass man das Ticket in Chivay erwerben kann, auf dem Weg in den Canyon. Perfekt!

Auch der Uphill mag verdient sein

Am Endgegner vorbei

Auf dem Weg dorthin fahren wir diesmal die besser ausgebaute Straße (wir kennen uns ja jetzt aus!) in Richtung Chivay und umrunden dabei den Chachani. Schneelage sieht gut aus, aber der Berg wirkt nicht wie ein 6000er. Naja, der Pass liegt auch auf 4800m. An Motivation mangelt es nicht, wir freuen uns schon auf den Tag, wenn wir den zweiten Versuch starten! Die Straße führt über den Altiplano, vorbei an Vicuñas, Lamas und Touristen, vom Pass nur noch bergab nach Chivay. Hier beginnt der Colca Canyon, hier zweigt die Talstraße ab, die wir nehmen müssen. An der Einfahrt wird eine Mautstelle errichtet: Dort werden in Zukunft die Touristenbusse wohl direkt im Schnellverfahren abkassiert. Wir machen einen Abstecher nach Chivay: auch hier gibt’s keinen boleto. Irgendwer wird uns wohl irgendwann aufhalten, also weiter geht’s. Die nächste, wohl aktuelle Zahlstation ist am Samstagabend noch in Betrieb. Wir suchen den Diensthabenden Pförtner, doch die boletos sind ausverkauft, wir werden durchgewunken. Reisenden soll man ja nicht aufhalten!

Unser erster Trail beginnt ab Cabanaconde, einem Dorf weiter im Tal. Die Zahlstation haben wir jedoch schon im Dunkeln erreicht und möchten uns das Panorama der Schlucht nicht entgehen lassen. Deshalb entscheiden wir uns für die Weiterfahrt am nächsten Morgen und suchen einen Stellplatz für die Nacht.

Auch der Uphill mag verdient sein

Mit der Sonne in den Tag

…und einem „Bäm!“ Erlebnis: Pünktlich zum Sonnenaufgang im Colca Canyon, den wir jetzt erst in voller Pracht erkennen, kocht unser Kaffee. Gute 500 Meter unter uns hängen Wolkenfetzen im Tal. Die andere Seite ist keine drei Kilometer entfernt, dazwischen geht es aber gut über einen Kilometer runter. Das Plateau, auf dem wir genächtigt haben, bricht rapide ab. Es geht über nahezu senkrecht abfallende Felsrücken ins Tal, auf den Felsen haben selbst die Pflanzen es schwer, Halt zu finden. Auf der anderen Talseite sieht man Wasserfälle und teils sogar schmale Pfade. Unsere gemütliche Dreisamkeit wird erst von einem, dann von weiteren Touristenbussen unterbrochen. Manche parken und lassen ihre Gäste raus, andere halten nur kurz an, für ein Foto. Schnellprogramm… Liza fallen zwei Schatten auf, kurz darauf heißt es: „Schaut mal da!“ und sie zeigt nach oben. Aha! Das sind wohl diese Anden-Condore, für die das Tal so berüchtigt wird. Was soll man sagen: Zurecht! Über uns kreisen Vögel mit einer Spannweite von gut drei Metern im Aufwind. Der „Bäm!“ Moment lässt nicht nach. Ich habe ein Déjà-Vu: Das sind doch genau die Gleichen, die mir am Tromen so ein mulmiges Gefühl verliehen haben! Jetzt, wo man weiß, dass diese Tiere tatsächlich Schafe reisen, finde ich mein Verhalten von damals gar nicht so unangebracht.

Auch der Uphill mag verdient sein

Der Trail von Cabanaconde

Wir packen zusammen und fahren nach Cabanaconde, wo wir auf einen Sonntag auch kein boleto bekommen – dafür aber einen sicheren Parkplatz direkt vor der Polizeiwache. Die Bikes zusammengesteckt geht’s auch direkt in die Abfahrt: Befremdlich, komplett kalt, ohne vorher auch nur einen Meter gekurbelt oder getragen zu haben, abzufahren. Zum Glück rollt es noch etwas, bevor es ernst und der Trail interessant wird. Und siehe da: Unter einem großen Strohdach sitzt ein kleiner Peruaner und macht große Augen, als wir langsam um die Ecke rollen: Hier wird abkassiert! Mehrere Minuten wird auf uns eingeredet, dass der Weg mit den Bikes unfahrbar ist: „Mucho escaleras acantiladas, no es posible!“ (Viele Steile Stufen, unmöglich!) Wir denken uns: „Yeah, das könnte Spaß machen“. Wir lösen das boleto, beschonern uns und werden mit einem großen Grinsen und dem Kommentar „turistos locos“ (verrückte Touris) verabschiedet: Vor uns liegen rund tausend Tiefenmeter Abfahrt bis auf 2300m – ab dafür!

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Wie erwartet technisiert es direkt auf. Ausgesetzte Stufen aus teils rutschigen Felsen definieren die Kurven. Erschwerend kommt der ausgelatschte Zustand des Weges hinzu. Schmal wird der Trail selten, was auch bei dem Gerutsche auf dem losen Schotter nicht verkehrt erscheint. Das Verkehrsaufkommen ist hoch, denn im Tal liegt das Dörfchen Sangalle, das zu einem Auffangort für Touristen geworden ist. Eine Handvoll Restaurants mit Pools und kleinen Cafés locken Wanderer an, die über andere Wege auch die Oase erreichen. Doch uns interessieren die S3 und S4 Passagen, die immer wieder den Weg schmücken. Ein richtiges On-Off Programm: Mal rollt es mehrere Meter, Mal braucht es mehrere Versuche, um die Sequenz fehlerfrei zu fahren. Teils verkünsteln wir uns auf ausgesetzten stellen – das Panorama macht aus nahezu jeder Kurve eine Fotostelle! Im Tal in Sangalle angekommen, legen wir eine neue Schicht Sonnencreme auf und wollen gerade die Bikes schultern, als ein Sherpa mit Eseln um die Ecke kommt: Ob wir denn nicht seinen Service nutzen möchten. Wir fragen nach dem Preis, der sich tatsächlich im Rahmen hält, entscheiden uns jedoch fürs Selber-Tragen: Die Abfahrt will verdient sein! Ebenso der Uphill. Wir kassieren wieder ein „turistos locos“ und stiefeln los. In den drei Stunden des Aufstiegs werden wir von demselben Sherpa und einem „Kunden“ auf Eseln überholt. Oben angelangt halten wir einen kurzen Schnack und sind kurz darauf wieder am Bus. Auf geht’s, weiter ins Tal, zum nächsten Traileinstieg.

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
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Alternativprogram

Wir rumpeln in der Dämmerung dem morgigen Startpunkt über eine Forstpiste entgegen. Tiefe Spuren von einem Jeep zeigen, dass es hier vor einigen Tagen geregnet haben muss. Und so wie die Spuren aussehen, kommen wir auf keinen Fall raus, sollte es heute Nacht regnen. Aber gut, keine Wolke am Himmel, wir schauen mal. Am Startpunkt endet auch der Feldweg. Es ist ein sternklarer Himmel. Überall neu aufgestellte, gigantische Strommasten. Irgendwo da vorne muss der Trail losgehen. Wir packen also die Stirnlampen ein und machen uns auf die Suche. Wir müssen aufpassen, nirgends abzustürzen. Die Stromleitungen gehen nahezu senkrecht ins Tal und verschwinden im Dunkeln, wo unsere Lampen nicht mehr hinab reichen. Wir laufen mehrere Kanten ab, nix. Laut GoogleEarth müsste genau vor uns auf dem Grat der Trail sein: auch nix. Wir realisieren, dass der klar definierte Trail auf den Satellitenbildern wohl vor ein paar Jahren von den Bauarbeitern eingelaufen worden sein muss. Die Straße Der Feldweg, auf der wir hierher gefahren sind, wird wohl nur noch zu Wartungszwecken für die Stromtrasse genutzt. Den Weg hat sich die Natur zurück erobert. Also fahren wir wieder in Richtung Cabanaconde, wo es weitere Trails ins Tal gibt und starten morgen mit einem Alternativprogramm. Wieso auch nicht?

Auch der Uphill mag verdient sein

Genusstour sondergleichen

Der Einstieg ist flach und verblockt, mal wieder startet man kalt in die „Abfahrt“ und wird gleich vor technische Herausforderungen gestellt. Ein Bauer lacht und schüttelt den Kopf, als er mit seinen Pferden vorbeizieht. Doch kurz darauf nimmt das Gefälle zu und wir Fahrt auf. Die technischen Herausforderungen lassen wir oben zurück und genießen das Tempo talabwärts. Im großen Zick-Zack schlängelt sich unsere Genusstour dem Fluss entgegen, an dem wir gestern auch schon waren. Nach der Hälfte der Abfahrt trennen sich unsere Wege: Flo und ich sind faul und fahren weiter bergab. Liza steigt wieder auf, um zum Bus zurück zu laufen und uns im Tal wieder einzusammeln. Teamwork!

Auch der Uphill will verdient sein
Auch der Uphill will verdient sein
Auch der Uphill will verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Das letzte Drittel technisiert auf und wir spielen im Techflow. Der Trail ist weniger begangen, als der gestrige und schon gar nicht mit Eseln. Die höhere Kontrolle erhöht den Spaßfaktor. Sobald wir um einen Bergrücken kommen, öffnet sich ein neues Panorama. Die Täler scheinen endlos verzweigt zu sein. Auf jedem Hang wird bis in die höchste Lage Landwirtschaft betrieben – das muss müßig sein! Doch wie alle Abfahrten ist auch diese zu schnell zu Ende. Wir kurven die letzten Meter um riesige Kakteen herum, bis wir am Fluss ankommen. Der Himmel verdunkelt sich ziemlich schnell und vor dem Platzregen finden wir rasch ein trockenes Plätzchen. Im nächsten Moment kommt auch unser rotes Shuttle um die Ecke: perfektes Timing. Geübt laden wir die Bikes ein und machen uns auf den Rückweg in Richtung Arequipa.

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein

Es ist noch früh am Abend. Wir genießen die einzigartige Landschaft des Colca Canyons: Soweit das Auge reicht schlängeln sich Wege durch die Landschaft, Landwirtschaftliche Terrassen sind in die Hänge angelegt und kleine Dörfer hier und da verteilt. Hier lässt es sich aushalten, deshalb schlagen wir auch beim Anbruch der Dunkelheit unser Lager ein weiteres Mal in diesem Tal auf, unweit der asphaltierten Hauptstraße. Leider regnet es sich ziemlich ein und der Abend fällt buchstäblich ins Wasser, aber: Welch Glück, dass es den Trail bei den Strommasten nicht mehr gibt. Die Forstpiste dorthin wäre zu einem Schlammbad verkommen und wir würden so ziemlich in der Tinte stecken. Oder im Schlamm. Irgendwie hat alles seine Berechtigung. Wir machen uns einen gemütlichen Abend und freuen uns auf den Endgegner bei Arequipa.

Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein
Auch der Uphill mag verdient sein