Eine lange Tour ist nicht immer ein Flowtrail

Wir haben die Chillán Gegend verlassen und fahren ein paar Täler weiter. Dort steht der Cerro el Torro, fast 3100m hoch. Es ist ein ganz schöner Felsklotz und einen bikebaren Weg gibt es dort nicht. Auf unserem Plan steht der Pass, der südöstlich des Gipfels liegt. Unterhalb des Gipfels gibt es zahlreiche Hochplateaus, die durch Wanderwege mit anderen Tälern verbunden sind. Einer dieser Wege passiert mehrere Lagunen, die direkt am Pass liegen: Unser heutiges Ziel. Ab dem Traileinstieg, der diesmal wirklich eine 4×4-only Strecke ist, sind das bis zu den Lagunen 22km oneway! Eine ordentliche Strecke. Sollte man einen Teil kurbeln können, wird diese Tour allerdings moderat bleiben. Die Höhenmeter sprechen dafür, dass das möglich sein sollte: Es sind nur 1200.

Erste Talkreuzung

Also starten wir in dieser Annahme die Tour gemütlich: Um neun Uhr morgens ziehen wir die Sättel raus und kurbeln die ersten drei Kilometer rein. Forstpiste, Staub, trockene Flussbette: Auf- und Ab. Nun gut, bis zur ersten Talkreuzung könnte man so etwas erwarten. Kurz darauf scheint die Forstpiste zu Ende zu sein: Wir machen weiter mit scharfem Gestein unter den Stollen. Immer wieder fahren eine längere Zeit durchs Wasser. Schnell geht’s auch nicht vorwärts, da man sich eine Linie suchen muss. Wenn’s so weitergeht… Ja, es geht so weiter. Auf den weiteren 10km wechselt sich die staubtrockene Forstpiste mit dem felsigen Untergrund und dem Auf- und Ab durch Flussbette ab. Sportlich!

Wir queren einen Fluss und begeben uns ins nächste Tal. Jetzt sind keine Reifenspuren von Autos mehr zu sehen und es kristallisiert sich ein Trail heraus. Das GPS sagt, dass die kommenden Kilometer stetig bergauf gehen sollen. Endlich! Es lässt sich schön kurbeln und wir sind guter Dinge. Wir werden eines Besseren belehrt. Der Trail wird immer wieder von Fels- und Steinformationen unterbrochen. Es lohnt sich kaum aufzusteigen, da die kommende Passage schon oft in Sichtweite ist. Wir haben nun über zehn Kilometer hinter uns und der erhoffte Flow versteckt sich noch. Es geht auf die Mittagszeit zu, sagen uns die Mägen, und wir pausieren am Fluss. Hier geht auch unser eigentlicher Trail hoch, der zu den Lagunen und dem Plateau führt. Es geht bergauf: Steil, steinig, staubig. Uns kommen Reiter mit Ziegen und Hunden entgegen. Uns leuchtet es jetzt ein, wieso der Trail so feinstaubig und ausgelaufen ist. Wir legen auf kurzer Strecke 400 Höhenmeter zurück: Yeah, es gibt Trailpotenzial. Besonders interessant ist der Trail nicht, aber es wird sich etwas spielen lassen – und man kann es laufen lassen.

Wir befinden uns nun im Tal und einer der Gipfel, den wir aus der Nähe betrachten wollen, zeigt sich. Die Motivation steigt – und verabschiedet sich sofort, als der Weg wieder bergab geht. Derweil ist es schon Nachmittag und die Sonne brennt. Wind? Schatten? Fehlanzeige. Skeptisch rechnen wir durch, was uns noch bevorsteht und es wird uns schnell klar: Wir schaffen es nicht. Es ist noch zu viel Strecke vor uns, als dass wir bei Tageslicht am Auto wären. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Sollte es aber im weiteren Trailverlauf widererwarten eine Kurbelpassage geben, besteht noch die Chance, die Lagunen zu erreichen! Helm auf und Abfahrt. Unter uns liegt ein Fluss, an dessen Rändern Bäume und keine Büsche wachsen. Doch auch hier ist kein Flow zu finden, verdammt. Zumal wir derweil seit sechs Stunden unterwegs sind und auf dem Rückweg uns wieder einige hundert Höhenmeter haben werden. Wir machen uns an unseren Tourenproviant und schlagen den Rückweg ein. Rund 14km Strecke stehen wieder vor uns.

Erste Talkreuzung

Der staubige und steile Trailabschnitt bringt uns auseinander: Es ist einfach nichts zu sehen, sofern man wie gewohnt nur wenige Meter hintereinander fährt. Also warte ich, bis sich Flo’ s Staubfahne gelegt hat, bevor ich hinterherfahre. Übersieht man einen Stein, der sich im aufgewirbelten Staub befindet, heißt es: Abflug. Das gilt es zu vermeiden. Weitere ermüdende Faktoren wie die knallende Sonne und die stehende Luft sagen uns: „Da habt ihr euch aber noch was vorgenommen, Jungs.“ Ja, haben wir – und wir haben Spaß dabei. Ab dem Talausstieg und nach der ersten Flussquerung auf dem Rückweg wird es zäh. Kurbeln. Steinfelder. Wir knobeln im Uphillmodus die eine oder andere Stelle aus, doch die Körperspannung ist nicht mehr da: Wir sind einfach zu müde. Da helfen auch die Müsliriegel nicht mehr viel und wir sparen uns die Versuche immer öfter. Schade, wären wir fitter, würde der Trail funktionieren. Hier und da rollt es, wir müssen aber immer wieder absteigen und schieben. Große runde Felsblöcke laden dazu ein, sie hochzurollen bzw. zu springen und hinten abzurollen. Das kostet Kraft, die kaum noch da ist.

Völlig übermüdet, eingestaubt und durstig erreichen wir den Bus im Sonnenuntergang: Wir waren über zehn Stunden unterwegs und haben gerade mal etwas über 25km gemacht. Das ist eine Ansage! Unser Fazit: Wir sehen das als Sportprogramm. Für die anstehen Touren müssen wir diese Erkenntnis nutzen: Lange Strecke auf geringe Höhendifferenz verteilt kann auch anders laufen! Die Täler in diesem Südamerika können ihre Tücken haben.

Wir packen alles zügig zusammen, verlassen das Tal gen Westen auf der wohl staubigsten Dirtroad des Trips bis jetzt und schlagen unser Camp an einem Fluss auf. Gute Nacht Cerro el Torro, hallo Muskelkater.