Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

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Hit the dirtroad

Wir gönnen uns etwas mehr Schlaf, als am Vortag und stehen mit der Sonne auf. Wasser, das beim Abspülen des Frühstücksgeschirrs mit der Dusche an der Karosserie herunterläuft, gefriert beim Zusehen – es scheint immer noch kalt zu sein. Nach den gestrigen Strapazen am Licancabur freuen wir uns auf den bevorstehenden Ruhetag, den wir im Auto verbringen werden. Es liegen paar hundert Kilometer vor uns, bis wir zum Salar de Uyuni kommen. Diesen müssen wir später überqueren, um zum nächsten Projekt zu kommen. Bis dahin liegen aber noch einige schöne Flecken Erde, die wir nicht links liegen lassen wollen, wenn wir schon mal hier sind. Deshalb heißt es: Road trippin’!

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen

Wir verlassen die Lagunen mit einem letzten Blick auf die Flamingos, die entspannten Schrittes das flache Wasser queren. Wir arbeiten uns aus dem unwegsamen, sandigen Bereich heraus und nehmen Fahrt auf. Auf der Dirtroad gen Norden ist ein ganz schöner Verkehr. Im fünf Minuten Takt werden wir von Jeeps überholt oder es kommen uns andere Kolonen entgegen. Passagiere: Touristen. Gepäck: Mehrere Spritkanister und Backpacks. Wir treffen nur ein einziges Overlander-Paar auf der gesamten Strecke! Sich sattzusehen an der Umgebung ist schwierig: Malerische Vulkane, Stein-Wälder, die durch Vulkanausbrüche entstanden sind. Lagunen säumen die Täler auf über 4000m üNN. Für die Mittagspause finden wir einen Platz, wie für uns gemacht: Ein Wasserbecken mit einer angenehmen Temperatur von etwa 38 °C, in dem wir beide Platz haben. Die heiß ersehnte Badewanne, um unsere gebeutelten Körper von gestern zu entspannen! Großer Pluspunkt: Alle Touri-Jeeps, lassen diese Stelle links liegen. Wir sind alleine und lassen die Seelen baumeln, duschen und düsen weiter. Nächster Stopp: Geysire! Hier sind wir nicht mehr allein. Ein Dutzend Touri-Jeeps zeigen uns den Hotspot. Hier brodelt die Erde, heiße Wasserfontänen spritzen immer wieder einige Meter hoch. Es riecht nach Schwefel und die Windrichtung lässt sich an den Dampffahnen ablesen. Abgefahrene Szenerie. Fast erstaunlicher ist das Bild unseres Transporters inmitten der Jeeps: Sind wir under-geared oder die anderen over-geared?

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
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Wir fahren an der Laguna Colorada vorbei. Hunderte, wenn nicht Tausende Flamingos stolzieren herum. Die farbigen Berge rund um die Lagune spiegeln sich im Wasser, daher wohl der Name. Die Straße, eher ein Waschbrett, erlaubt uns eine Reisegeschwindigkeit von maximal 30 km/h. Es geht auf den Abend zu und wir kommen nach gut 200 km in das erste Dorf seit Grenzübertritt. Wir haben Glück: Der Markt-LKW, der zwei Mal im Monat das Dorf anfährt und mit dem Nötigsten versorgt, ist heute da. Wir decken uns mit frischen Lebensmitteln ein und verlassen das Dorf auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz für die Nacht und werden bald fündig: Bizarre Felsformationen umgeben uns, kleine Canyons mit ausgespülten Felsen sind unsere Herberge für die Nacht. Wir finden auch was zum Frühstück: Die Natur hat uns mal wieder einen Kicker geshaped. Darauf und auf den Erfolg am Licancabur stoßen wir an: Prost!

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Der Sunrise Ride

Der Fund des Vorabends wird umgesetzt und abgedrückt. Wir schanzen einige Male über die abgefahrene Landschaft hinaus. Die Felsformationen sind bisher unvergleichbar. Wir suchen uns noch die ein oder andere Line, aber die Sonne brennt uns nieder. Also frühstücken wir und packen die Sachen für die nächste Etappe auf der Straße.

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Rally Dakar Checkpoint: Uyuni

Strecke machen. In Uyuni beginnt unsere Salzseeüberfahrt, davor möchten wir aber noch etwas Proviant auffüllen. Also auf gehts, weiter durch die Wüste. Der Supermarkt ist den Titel nicht wert, mehr als Nudeln und etwas Tomatensauce bekommen wir kaum. Auf dem Markt langen wir richtig zu und decken uns mit frischem Obst und Gemüse ein. Die Entdeckung des Tages: Lama Steak. Vollgepackt mit den tollen Sachen verlassen wir Uyuni so schnell, wie wir auch rein gefahren sind. Auf dem Weg zum Salzsee machen wir aber noch Halt an einem Eisenbahnfriedhof. Hunderte Wagons und viele Loks, wohl vor mehreren Jahrzehnten hier abgestellt, würden in Europa ein gut ausgestattetes Museum abgeben. Hier ist das ein Zwischending zwischen Müllkippe, Touristenattraktion und Spielplatz für die lokalen Kids. Wir beobachten, wie zwei Bolivianer sich mit Winkelschneider und Handkettenzug am Stahl bedienen und einen Teil eines Dampfkessels auf den LKW Aufladen.

Von Geysiren, Vulkanen und Salzseen
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Unser Haus auf dem See

Wir erreichen den Salar de Uyuni im Abendrot und Teilen uns das Ufer mit hunderten anderer Touristen, die mit Tour-Jeeps den Sonnenuntergang genießen. Wir wollen aber weiter und auf dem See übernachten. Also holen wir uns Ratschläge von den Jeepfahrern ein, beobachten andere herausfahrende Jeeps und entscheiden uns für eine Linie auf die nächste „Salzdüne“ im See. So ganz sicher sind wir unserer Sache nicht, die Transe taucht tief unter bei der Einfahrt und wir schieben eine Welle vor der Stoßstange, tauchen aber schnell wieder auf und fahren durch 20cm tiefes Salzwasser auf die „Salzdüne“ zu. Puh, es klappt. Die Sonne hängt jetzt knapp über dem Horizont. Die Jeeps, die auf dem See parkten, schlagen den Rückweg ein. Schnell sind wir allein. Wir möchten gar nicht weit fahren, sondern uns ein trockenes Fleckchen für die Nacht suchen. Doch ein wenig weiter, als das Ufer soll es sein. Wir verlassen die erste Düne und nehmen Fahrt in Richtung Norden auf. Unserem nächsten Ziel direkt entgegen: Volcán Tunupa. Als Silhouette zeichnet er sich im Sonnenuntergang ab. Das Wasser unter uns ist jetzt keine 5cm tief und man sieht unzählige Spuren anderer Fahrzeuge. Trockene Ecken finden wir aber keine. Es wird dunkel, wir sind noch unterwegs. Doch einfach zurück zum Ufer? Wir versuchen es in eine andere Richtung. Negativ. Das Wasser wird nicht tiefer, der Untergrund jedoch weicher. Verdammt, jetzt heißt es nicht stehen bleiben! In den weichen Salzflecken gräbt sich die Transe ein. Es ist dunkel, das Salzwasser erschwert die Sicht und der Scheibenwischer kommt kaum dagegen an. Den Scheinwerfern tut die Salzschicht auch nicht gut. Wir müssen dem GPS vertrauen und schauen nur, dass wir nirgends rein oder dagegen fahren. Nach einigem Gekurve über den See finden wir eine gute Stunde später unseren Stellplatz für die Nacht – und sind froh, nicht stecken geblieben zu sein. Morgen suchen wir uns die Hauptroute über den See heraus.

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Es gibt immer ein erstes Mal: Ein Lama Steak, selbst zubereitet, alleinstehend auf dem riesigen Salzsee! Womöglich bleibt dieses Erste Mal auch einmalig, wer weiß?

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Ein kalter, langer Tag

Ein kalter, langer Tag

Durch drei Länder nach Bolivien

Mit der Sonne stehen wir auf. Bevor der Kaffee fertig ist, grüßt uns ein vorbeifahrender Zug. Die moderne Lok erklärt, wieso die alten Schneeräum Loks ausrangiert worden sind. Wir vertrödeln nicht allzu viel Zeit und machen uns auf in Richtung San Pedro de Atacama: Eine Wüstenstadt, die als Hauptdrehkreuz für Touristen in der Atacama Wüste dient. Von hier aus reist ein großer Teil der Touristen auch nach Bolivien. Für uns ist der Lebensmittelladen und die einzige Tankstelle im Ort relevant. Nach dem Grenzübertritt nach Bolivien werden wir bis Uyuni mal wieder auf uns gestellt sein. Doch bevor es zu dem von der Rally Dakar geprägten Ort am Salzsee geht, haben wir noch einen Mustervulkan vor uns: Volcano Licancabur. 5916m, gelegen oberhalb mehrerer Lagunen kurz hinter der Bolivianisch-Chilenischen Grenze. Das wäre soweit unser höchstes Projekt.

Ein kalter, langer Tag

Wir verbringen den gesamten Tag im Auto. Nur an der Grenze von Argentinien nach Chile werden wir von mehreren Reisebussen ausgebremst, deren Passagiere leider vor uns an der Immigration Control stehen. Der Pass ist, wie viele der anderen auch, als „windig“ zu klassifizieren. Hier sind nicht nur Steine, sondern ganze Felsen von Sand und Wind entsprechen gestrahlt – wie zum Beispiel eine riesige Felssäule, unter der wir kurz Rast machen. Eins der unzähligen Touristenziele abgehakt nähern wir uns San Pedro. Während der Talfahrt zeigt er sich: Mit mächtig Abstand zu den Nachbargipfeln ragt der Licancabur nördlich der Passstraße über uns heraus. Der Mustervulkan – unsere Motivation steigt, denn er ist nahezu schneefrei. Ein paar Fragezeichen gibt es aber noch: Schafft es unsere Transe bis zum Tourstart auf 4600m Höhe? Schaffen wir den Aufstieg von 1300 Höhenmetern bis auf 5900m an einem Tag? Wir werden sehen. Wir nächtigen unterwegs kurz oberhalb vor San Pedro, um dem Rummel weitestgehend zu entgehen.

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

San Pedro – und schnell weiter!

Am nächsten Morgen rollen wir in den Ort und decken uns ein. Erledigen soweit alles, was hier möglich ist und verlassen die von Gringos überlaufene Stadt auf dem Weg zum Hito Cajon Pass nach Bolivien. Mittags erreichen wir die Grenze. Nichts los in dem modernen Hangar-ähnlichem Bau. Die Heizung ist an. Die Lebensmittelkontrolleure spielen Tischtennis. Wir lassen uns aus Chile ausstempeln und fahren zur Bolivianischen Grenze. Nur die ausgeblichene rotweiße Schranke weist auf etwas Offizielles hin, anderenfalls hätten wir die Immigration Kontrolle in dem Lehmbau mit Strohdach rechts liegen lassen. Die Beamten erbarmen sich, unsere Chilenischen Pesos in Bolivianische zu wechseln – zu einem verhandelbaren Kurs. Kurioserweise werden wir noch nach ein, zwei Tomaten gefragt, müssen aber leider passen. Nachdem wir den Zoll und den Eintritt in den Nationalpark erledigt haben, machen wir uns darauf, das erste Fragezeichen der Licancabur-Tour zu klären: Schafft es die Transe auf die 4600m? Der Weg ist direkt ab der Parkeinfahrt eine Herausforderung. Hunderte der Jeeps, welche Touristen ab San Pedro nach Uyuni fahren, haben Spurrillen in den Sand gefahren, in denen wir gnadenlos stecken bleiben würden: Ein Fahrfehler, und alle vier Räder hängen in der Luft, während unser Bus auf dem Mittelstreifen aufliegt. Einige Kilometer gehen gut und wir kommen ins felsige: Techflow mit dem Transporter. Die Seen liegen auf 4300m, fehlen als nur noch 300 Höhenmeter. Mit etwas Arbeit und Zehenspitzengefühl für die Kupplung schaffen wir es tatsächlich!

Auto aufbocken, Rucksäcke vorpacken, Bikes zusammenstecken und Essen fassen. Dämmerung. Nördlich gewittert es, unser Gipfel verschwindet ebenfalls in den Wolken. Wind zieht auf. Es fängt an zu schneien. Verdammt! Mal wieder ist die Wetterprognose falsch. Nunja, morgen früh sind wir weiser – vielleicht auch weißer.

Ein kalter, langer Tag

Wir greifen an!

Der Wecker klingelt viel zu früh; es ist a….kalt. Man fühlt es nicht nur, man sieht es: Die Scheiben sind gefroren – von innen! Blick nach draußen: weiß, aber gnädig. Es spricht wenig gegen den Tourstart. Nach dem Frühstück dauert es etwas, bis das Fahrradschloss wieder gängig ist und dann geht’s los. Der Aufsteig im Dunkeln beginnt mit einem metallischen ‚klong’ Geräusch: Die festgefrorenen Bremsbeläge lösen sich von den Scheiben und wir schieben los. 1300 Höhenmeter bis auf 5900m liegen vor uns. Einen großen Teil des Trails konnten wir am Vorabend einsehen, das motiviert. Im Kegel der kleinen schwachen Stirnlampe gibt es nicht viel zu sehen, es reicht für einen sicheren Tritt. Erst zum Sonnenaufgang zeigt sich die surreale, nahezu schwarz-weiße Landschaft. Der Weg ist klar definiert und wir stiefeln Meter um Meter dem Grat entgegen. Der Untergrund wird bröseliger und weicher, doch es sollte noch alles fahrbar sein. Nach dem Grat wird’s felsiger – ob man hier noch viel fährt?

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

Es sind noch gute 300 Höhenmeter bis zum Gipfel. Eine S3 Stelle reiht sich an die nächste S4 Stelle, hin und wieder S5 – das wird Arbeit werden! Die Zeit sitzt uns etwas im Nacken, wir sind langsamer, als wir gedacht haben. Gut, wir sind hier auf fast 6000m Höhe, der Sauerstoffgehalt der Luft hat sich bereits mehr als halbiert. Es folgt etwas Kletterei und der Weg verläuft sich. Irgendwo müssen wir einen Abzweig verpasst haben – nix sieht mehr fahrbar aus. Wir entscheiden uns, die letzten 50 Höhenmeter zum Gipfel ohne die Bikes zu machen. Wir sind zu platt, die Abfahrt steht noch bevor und die Zeit drängt.

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

Also rauf und siehe da: Ein riesiger Krater mit einem See darin. Es scheint wohl noch etwas Geothermie zu geben, sonst müsste der See gefroren sein. Hinter dem Krater liegt San Pedro in Chile und hinter uns die Lagunen und die bolivianische Wüste. Rundumblick: Wie aus dem Flugzeug! Wir machen ein kurzes Vesper und genießen die Aussicht. Dabei stellen wir fest, dass wir uns bis zum Gipfel komplett „hochgeriegelt“ haben: Wir sind wohl so geplättet, dass der Körper nicht mal ein Hungergefühl entwickeln kann. Mehr als vier Müsliriegel hat keiner von uns verspeist. Der Wind zieht an und schiebt die ersten Wolken über den Gipfel. Passt aber, die Uhr sagt uns sowieso: Abfahrt!

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Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

…von wegen. Wir stechen in den Trail rein, doch müssen immer wieder absteigen. Entweder ist es zu verblockt, sodass das Bike nicht durchpasst oder zu riskant, auf der Höhe sich an S4 bis S5 Passagen auszutoben. Die größten Schwierigkeiten bereitet uns aber die dünne Luft: Kaum macht man einige schnelle Bewegungen, schon ist man aus der Puste. Und so werden einige Meter getragen, einige gefahren, doch ein flow-Gefühl kommt noch nicht auf. Es bessert sich, als wir auf den Grat kommen, doch nun verabschiedet sich der Grip: Zu weich der Untergrund, wir müssen in dem rutschenden Belag mitschwimmen. Während wir unserem Bus ins Tal entgegen schwimmen, sind wir teils mehr Passagier als Fahrer. Der Trail flacht gegen Ende ab und es lässt sich kontrollierter fahren. Der Weg fährt noch ein paar schöne Bastelstellen auf, aber der Tag ist lang gewesen und wir sind heilfroh, als wir unten ankommen. Die Kondition und die Kraft haben Feierabend gemacht. Es dämmert bereits, mit letzten Reserven – woher auch immer wir die noch nehmen – kommen wir am Bus an. Die Aktion hat Körner gekostet.

Ein kalter, langer Tag
Ein kalter, langer Tag

Geschafft – vor allem wir selber

Das Lager schlagen wir heute nur 300m tiefer auf am Ufer der Laguna Verde auf – vielleicht wird es weniger kalt. Die nächsten Tage geht’s dann durch die bolivianische Wüste in Richtung Uyuni.

Ein kalter, langer Tag

Bikers Paradise

Bikers Paradise

Naturspecialeffects aller Formen

Ein Berg aus Kristall am Horizont – diesen Anschein erweckt ein schneeweißer Berg auf unserer Route. Klar zu erkennen ist aber, dass es kein Schnee ist. Der Gipfel wirkt fast schon etwas transparent.
Eine kleine Zufahrt führt bis unter 1000 Höhenmeter unter den Gipfel. Diese 1000 Höhenmeter sind uns aber dann doch zu viel, um an die unermesslichen Reichtümer des Berges zu gelangen – abtragen können wir sie eh nicht.
Also weiter auf der Route nach Tolar Grande; vorbei an eckig geformten Säulenfelsen mit vermutlich vulkanischem Ursprung zum Shoppen und Tanken nach San Antonio de los Cobres. Das sind nur 50 Kilometer Umweg oneway. Nach drei Tagen in der Pampa und über 750 Kilometern Fahrerei auf Dirtroads in der Höhe sind unsere Vorräte und Spritreserven fast aufgebraucht – dem Socompa Pass sei Dank.

San Antonio de los Cobres stellt sich als nicht besonders geeignet heraus, um die Vorräte aufzufüllen. Die unscheinbare Tanke finden wir erst beim zweiten Anlauf; der größte Supermarkt ist ein Kiosk. Aber passt schon, wir brauchen ja nur Zeug für vier Tage.

Bikers Paradise
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Feinstaub oder Staub vom Feinsten

Also wieder ab in die Einsamkeit nach Tolar Grande und zu einer mutmaßlich riesigen Kranked-Area (Gewisse Art von Staubhängen, die durch das erste richtige Bikevideo „Kranked 1“ 1998 berühmt wurden). Die Dirtroad führt uns über einen Salzsee mitten hinein. In tiefen Schluchten schlängelt sicher der Weg durch die staubigen Hänge aus Erde und Lehm. Ein wahres Staub-Inferno. Keine Stelle im Auto ist mehr sicher. Selbst auf der aufgeklebten Feuerwehrschrift lagert sich Staub ab.

Bikers Paradise
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Es gibt unzählige Lines, doch viele sind extrem steil und ausgesetzt. Profis, wie wir sind, wollen wir nicht gleich die rabiatesten Lines fahren, sondern suchen uns erstmal was zum Warmwerden. In den letzten Sonnenstrahlen steigen wir auf und können das Gelände zum ersten Mal richtig überblicken. Die Wahl der richtigen Line ist nicht so einfach: Viele Abfahrten sind echt radikal und haben zudem keinen Auslauf – sie münden in kleinen Schluchten. Leider schaffen wir es nicht mehr rechtzeitig im Sonnenuntergang eine Einrollline zu finden. Die Sonne ist schon weg, als wir eine passende Abfahrt finden. Es bleibt noch spannend: Wie hart ist der Untergrund? Brechen die Reifen durch? Wie viel Bremskraft lässt sich auf den Boden übertragen?
Die Abfahrt klappt perfekt. Der Boden gibt leicht nach und bietet guten Grip – das schafft Spielraum für radikalere Lines im Sonnenaufgang.

Bikers Paradise

Von leuchtend rot bis rostbraun – der Sonnenaufgang lässt die Farben der ungewöhnlichen Landschaft so richtig leuchten. Wir marschieren tapfer einem der vielen Gipfel entgegen. Heute geht es ganz hoch! Die ersten Meter unserer Line sind krass: Der Grat ist kaum einen halben Meter breit, links und rechts geht es rund 300 Meter runter. Definitiv eine No-Fall-Zone. Wir fallen auch nicht, sondern ziehen ein paar schöne Lines hinab. Die Kulisse und auch die Abfahrten sind schon ziemlich abgespaced für uns Mitteleuropäer. Man könnte hier Wochen verbringen und mit etwas Spateneinsatz und Wasser ein wahres Bikeparadies aufbauen. Wir fahren noch ein paar Lines, bis uns die Sonne zu sehr ins Schwitzen bringt.

Bikers Paradise
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Dann heißt es Abschied nehmen von dieser wundervollen Landschaft – dafür geht es weiter an der Bahnlinie entlang, die uns tags zuvor mit ihren Anlagen ein paar tolle Bikebilder beschert hat. Auch dieser Teil unserer Route ist gesäumt von Bahnrelikten vergangener Zeiten, aber etwas bikebares finden wir nicht wieder.

Bikers Paradise

Tolar Grande selbst entpuppt sich als weniger spektakulär, als erwartet. Google Earth hat uns ein fast verlassenes Dorf mit großem, verlassenem Umschlagsbahnhof versprochen. Doch die Sattelitenaufnahmen und Fotos waren wohl recht alt: inzwischen ist Tolar Grande zu einem kleinen Bergwerksdorf herangewachsen. Große Teile der alten Eisenbahninfrastruktur wurden entfernt. Etwas enttäuscht fahren wir weiter zum nächsten Salzsee, machen Kaffeepause und rollen schließlich die fast 200 Kilometer bis zur nächsten Straßenkreuzung wieder raus. Wer errät es: ein verlassener Bahnhof bietet einen guten Standplatz für die Nacht. Morgen wartet die Fahrt ins Touristennetz San Pedro de Atacama auf uns – Lebensmittel shoppen für die nächste Tour auf einen Vulkan.

Bikers Paradise
Bikers Paradise
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Wie auf Schienen

Auf dem Weg zum Paso Socompa

Vor uns liegt eine lange Etappe: Wir möchten nach Tolar Grande. Ein nahezu verlassenes Dorf in Argentinien. Umgeben von Bergen, Salzseen und Kranked Areas (Staubhänge, die durch das erste richtige Bikevideo „Kranked 1“ 1998 berühmt wurden)! Eines zeichnet dieses Dorf allerdings aus: Dort liegt die erste Bahnstation auf der Argentinischen Seite nach dem Socompa Pass. Die Bahnlinie ist noch in Betrieb und der Zug fährt ab Antofagasta über den Pass. Verschiedene Quellen liefern die Information, dass sogar noch Personenzüge fahren sollen. Die Strecke über den Pass ist sicherlich spektakulär. Sie verläuft glücklicherweise fast parallel zur Straße, und so können wir selbstfahrend in den nahezu gleichen Genuss kommen. In Antofagasta startet auch unsere Fahrt, nachdem wir uns für die kommenden vier Tage komplett eindecken: Zwischen Antofagasta, auf dem Weg über Tolar Grande, bis zum nächsten Ort in Argentinien, gibt es keine belebten Ortschaften. Geschweige denn Tankstellen. Das sind über 600 Kilometer und mehrere tausend Höhenmeter!

Die Sonne und den Pazifik im Rücken schlagen wir unseren Weg nach Osten ein. Auf der gut asphaltierten Straße kommen uns ausschließlich Bergwerk-Pick-Ups und Arbeiterbusse entgegen. Auf der Bahnlinie sehen wir zwei lange Güterzüge den Berg hochkriechen. Hier und da gibt es verlassene Bahnhöfe. Die Züge scheinen wohl ebenfalls im Dienste der Bergwerke unterwegs zu sein. Für uns endet die Asphaltstraße an einem großen Tor: Hier geht’s rein in ein wohl recht großes Bergwerk. Wir finden raus, dass hier Kupfer abgebaut wird. Und in was für einem Stil! Hier wird das Sprichwort „Berge versetzen“ wörtlich genommen! Halden mit abgetragenem Abfallgestein türmen sich hunderte Meter hoch. Förderbänder verlaufen über zig Kilometer durch die Landschaft. Das Gelände ist abgeriegelt, aber aus der Ferne sieht man, dass hier fast eine komplette Bergwerksstadt existiert. Beinahe im Fünfsekundentakt verlassen LKWs und Autos das Gelände – am laufenden Band. Unglaublich, in was für Dimensionen das Kupfer hier abgebaut wird. Die Sonne geht allmählich unter und verleiht der menschengeschaffenen Landschaft eine ganz eigene Ästhetik. Wir passieren auf der Dirtroad einige Schranken, die den LKW Betriebsverkehr regeln und sehen aus der Ferne die riesigen Bergwerk-LKWs, von denen ein Reifen größer ist, als unser Ford Transit.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Wir halten die Augen nach einem Schlafplatz auf. Doof, dass ringsum nur Bergwerksgelänge ist und man die Straße nicht verlassen kann. Doch siehe da: Eine Einfahrt zu einem verlassenen Bahnhof. Hier schlagen wir unser Lager auf. Wir sind neugierig und schlendern auf dem Gelände herum: Vielleicht gibt es etwas zu entdecken? Oder sogar zu fahren? Wir werden nicht enttäuscht und es wird ein langer Abend, bis es etwas zu essen gibt. Die alten Öltanks laden zum Spielen im Dunkeln ein. Eine abgefahrene Szenerie, die die Milchstraße zusammen mit den verlassenen Gebäuden hervorbringt. Eine abgestellte Schneeräum-Lok heben wir uns für den Sonnenaufgang auf.

Es kommt nur drauf an, was man draus macht

…und so shapen wir im Sonnenaufgang eine Anfahrt auf die Lok. Die Schaufel ist ein nahezu perfekter Corner-Sprung, mit einer etwas miesen Landung in den alten Schienen. Etwas tricky ist die Anfahrt, da in Lenkerhöhe die Schaufel wieder breiter wird. Es braucht einige Versuche, bis der Absprung sitzt. Die Landung optimieren wir auch noch etwas und dann kosten wir diese einmalige Gelegenheit aus. Immer wieder Anlauf nehmen auf über 4000m kostet ordentlich Körner, aber es gibt ja gleich Frühstück.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Wir setzen unsere Fahrt fort und verlassen bald das Bergwerksgelände vollends. Auf dem Weg zum Socompa Pass kreuzen wir immer wieder die Eisenbahnlinie und passieren verlassene Bahnhöfe im Nirgendwo. An einer größeren Anlage machen wir noch kurz Rast und dann sind wir schon am Pass: Hier hört die Straße auf und wir holpern über Schienen und Weichen vor das Polizeigebäude. Einige moderne Loks stehen mit laufenden Motoren herum – sie warten vermutlich auf den Zug aus Argentinien zum Umsatteln.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Ein verdutzter Polizeibeamter kommt auf uns zu mit der Frage, was wir denn hier vorhätten. Chile verlassen, nach Argentinien und Tolar Grande fahren, ist unsere Antwort. Zunächst halten wir es für einen Scherz, als es heißt, das ginge nicht. Nach einigen Erklärungen scheint es aber keiner zu sein: Der Socompa Pass kann nur mit dem Zug, zu Fuß oder mit dem Fahrrad überquert werden. Es gibt auch keine Zolleinrichtungen, nur die Migration hat hier ihren Sitz. Auf Nachfrage: Das sei wohl schon seit ca. 20 Jahren so. Nun gut, die Beamten zeigen uns den nächsten Pass, den wir mit dem Auto passieren können: Paso Sico. Zum Glück sind das gerade mal 100 Kilometer oneway, die wir unnötigerweise gespult haben. Die Kollegen raten uns über San Pedro de Atacama zu fahren, aber unsere Sprit- und Essensvorräte sind ausreichend. Wir schlagen die direkte Route ein. Wir fahren an mehreren Litium-Tagebauten vorbei, dir an einem überdimensionalen Salzsee liegen. Auch Salz scheint hier abgebaut zu werden. Es gibt sogar einen Flugplatz auf dem Salzsee, für die Arbeiter. Die Straße führt auf dem kürzesten Weg über den Salzsee: gerade aus zum nächsten Dorf. Der Salzsee ist größtenteils trocken und man sieht, soweit das Auge reicht, Salz-Erde-Mische. Neugierig wie wir sind, fahren wir ran und schauen, ob man darin versinkt oder sich eher aufspießt.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Überraschend hart ist das Ganze: Hier ein Fehltritt, und man hat ein paar ernsthafte Wunden – mit Salz darin. Die Salzkruste ist messerscharf und nach oben aufgeplatzt. Die Schollen sind zwar steinhart miteinander verbunden, aber unter ihnen ist es oft hohl. Die ganze Oberfläche steht so unter Spannung, dass sie immer wieder knirschende Geräusche von sich gibt. Abgefahren und wirklich kurios! Wir beenden die Erkundung, es dämmert und wir haben noch ein paar Kilometer vor uns. Wir setzen unsere Fahrt im leuchtenden Abendrot fort. Leider sind die Sonnenauf- und Untergänge hier nahe des Äquators recht kurz, so ist es bereits dunkel, als wir ankommen.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen

Wir schlagen unser Lager nahe der Grenze auf an einer der vielen Lagunen, die von hunderten Touristen aus San Pedro täglich aufgesucht werden. Es scheinen wohl zu viele geworden zu sein: alle Zufahrten zu den Lagunen sind zugeschüttet und unpassierbar gemacht. Es sind Parkplätze an Aussichtspunkten angelegt worden, der Andrang soll wohl kanalisiert werden. Glücklicherweise sind diese eben – so müssen wir unser mobiles Zuhause nicht unterfüttern. Morgen soll es dann aber wirklich nach Tolar Grande gehen.


Das Leben im Auto

Das Leben im Auto

Haben wir richtig gemacht

11000 Kilometer zeigt der Reise-Tacho unseres Ford Transit inzwischen an. Rund die Hälfte unseres Roadtrips ist verstrichen. Wir haben uns mehrfach verfahren und festgefahren. Doch wie lebt es sich in unserem ausgebauten Feuerwehrauto? Haben wir alles richtig gemacht? War das Auto überhaupt eine gute Wahl? Seit wir Montevideo verlassen haben, hatten wir kein anderes Dach über dem Kopf, als das unseres Transits.

Das Leben im Auto

Wir sind soweit rundum zufrieden! Der Ausbau ist rustikal und auf Funktion ausgerichtet. Die Küchenzeile bietet durch die perfekte Platzierung der 5kg UN 1965 Propan Gasflasche die Möglichkeit, den Herd im Indoor- und Outdoorbereich einzusetzen. Der in die Küchenzeile integrierte Kühlschrank macht unnötig weite Wege überflüssig. Das nebengelegene Schubladensystem mit schönen gelben Kisten der Deutschen Post bietet Platz für Besteck, Teller, Töpfe und Lebensmittel in Hülle und Fülle. Patentierte „Verschlussleisten“ verhindern ein Herausrutschen der stapelbaren Kisten. Auf staubigen Dirtraods lassen sich die Kisten bei Bedarf mit Tüchern aus 100% Baumwolle abdecken. Über der Küchenzeile thront ein Regalsystem, das hinreichend Stauraum für viele weitere Töpfe, Obst, Brot und Müsliriegel bietet – sofern sich letztere auftreiben lassen.

Integriert in die Küchenzeile sind massive Halterungen aus edelstem Fichtenholz für die schnelle und sichere Montage des luxuriösen Doppelbettes aus feinstsäuberlich geleimten OSB Platten. Das Bett hat, in voller Größe ausgeklappt, die sagenhaften Maße von 170cm x 205cm! Über dem Bett befindet sich ein Sternenfenster, das in verschiedene Richtungen aufklappbar ist und so für eine gute windunabhängige Temperaturregelung sorgt. Die üppige Liegefläche wird am Tag und während der Fahrt mit nur wenigen Handgriffen zu einer großen Bank umgebaut. Die edlen Klavierleisten in gold sind zwar aus Messing, verleihen dem gemütlichen Sitzbereich jedoch eine gewisse Eleganz.

Direkt gegenüber der Küchenzeile gelegen, lässt sich im Sitzbereich vielerlei Aufgaben erledigen: Kochen im Sitzen, Artikel für den Blog schreiben (geht auch auf dem Beifahrersitz), Kaffee trinken oder einfach nur chillen. Diese Vielseitigkeit der gemütlichen Bank macht einen Wohnbereich mit Sofas völlig überflüssig – deshalb haben wir auf diesen verzichtet. Sollte etwas Privatsphäre nötig sein: Ein fair durch feinste Handarbeit in Deutschland hergestelltes Vorhangsystem schafft diese.

Unter der Bank befindet sich massig Stauraum – der sozusagen liegende Kleiderschrank. Hier sind Kleidungsstücke aller Art untergebracht: für die Freizeit, für Sport, warm oder kalt – alles findet hier Platz. Des Weiteren gibt es Decken und Schlafsäcke für die Temperaturbereiche von 35° bis -15° C. Doch die Staufläche ist damit noch lange nicht erschöpft! Auch Kanister für die Trinkwasserversorgung sowie Bordwerkzeug finden hier Platz. Selbst die Ersatzteilversorgung läuft über das Lager- und Logistikzentrum unter der Bank.

Das Leben im Auto
Das Leben im Auto
Das Leben im Auto

Das große Regal über dem Cockpit des Autos nimmt diverse Dinge des täglichen Bedarfs auf: Wasch- und Kosmetikutensilien, weitere Bekleidung für beinahe jeden Temperaturbereich, Kameraausrüstung sowie unsere stylischen Sonnenschutzhüte.

Im Heck des Fahrzeuges versteckt sich das Badezimmer. Die Nasszelle mit geräumiger Dusche ist mit Silikon und zwei Schichten Bootslack versiegelt. Es lässt sich bequem im Stehen duschen, wenn man nicht größer als 1,5 Meter ist. An besonders warmen Sommertagen kann man die Dusche mit nur zwei Handgriffen auf eine Außendusche umrüsten. Mit einem weiteren Handgriff wird die Dusche zum Wasserhahn in der perfekten Höhe. Der Weg in den Wohnbereich erfolgt außerhalb des Autos – das birgt den Vorteil, dass bei starker Sonneneinstrahlung schon alles trocken ist, bis man im Wohnbereich ankommt.

Direkt neben der Nasszelle ist die Bikegarage gelegen. Hier lassen sich zwei komplette Mountainbikes problemlos parken. Man muss nur die Räder und Sattelstützen ausbauen. Die Bikes werden an einem praktischen Hängesystem befestigt. So sind sie gegen Umfallen und Verrutschen gesichert. Auch das Werkzeug zur Wartung, Ersatzteile sowie die Schutzausrüstung für die Piloten der Bikes finden noch Platz in der Garage. Sollte einmal ein Bike wirklich dreckig sein, so ist der Weg zur Nasszelle nicht weit – sie liegt gleich nebenan!

Haben wir ihr Interesse geweckt? In rund zwei Monaten könne sie dieses zum Unikat umgebaute Auto in Südamerika käuflich erwerben!

Das Leben im Auto
Das Leben im Auto
Das Leben im Auto

Und der Strom? Kommt der aus der Steckdose? Ja, die Autarkie wird bewahrt. Ein Trafo wandelt 12V Gleichstrom auf 220V Wechselstrom. Damit wandelt dann das Ladegerät des Laptops die umgewandelten 220V Wechselstrom auf 16,5V Gleichstrom und versorgt so unsere digitale Schreibmaschine mit Energie. Effizienz wird in diesem Fahrzeug großgeschrieben. Ebenso die Redundanz der Energieversorgung: Beide Batterien werden von der Lichtmaschine geladen. Allerdings wird nur eine der beiden für den Bord-Stromverbrauch verwendet – ein Trennrelais macht das möglich! Ein zweiter Stromkreislauf, unterputz verlegt mit separatem Sicherungskasten, versorgt die Verbraucher:

  • 2x LED Beleuchtung für den Außenbereich: sollte mal der Weg aus der Dusche bereits dunkel sein
  • Innenraum- und Küchenbeleuchtung
  • Bike-Garagenbeleuchtung
  • 4x USB Ladegeräte
  • 220V Trafo
  • Wasserpumpe für die Dusche
  • Kühlschrank (sollte mal das Gas leer sein)

Doch woher wissen wir, wo es lang geht? Für den gesamten Trip haben wir ein Roadbook mit allen relevanten Zielen: gedruckt auf DIN A4 Papier. Es basiert auf GoogleEarth Aufnahmen, GoogleMaps Routenberechnungen und OpenTopoMaps Daten. Die Onboard-Navigation erfolgt offline über eines unserer Smartphones, hierzu nutzen wir OSM und MapsMe. Unterwegs haben wir auch Heike und Peter kennengelernt. Zu unserem App-Portfolio hat sich auf ihre Empfehlung iOverlander hinzu gesellt. Ebenfalls eine praktische Anwendung, um zum Beispiel Gas-Auffüllstationen und attraktive Plätze zum Übernachten in der Pampa zu finden.
Und doch: So viel Technik bringt einen nicht immer zuverlässig ans Ziel, wenn überhaupt. Blind den Navigationssystemen vertrauen? Fatal! Unsere Ziele liegen oft kilometerweit abseits der letzten Dirtroads. Augen aufmachen! In Städten und Dörfern hilft nach dem Weg fragen immer mehr, als minutenlang im Navi hin und her zu zoomen – des Öfteren haben wir schon ein „sígame!“ (folge mir) gehört und wurden ans Ziel geführt.

Das Leben im Auto

Was haben wir sonst noch gelernt? Erkenntnisse nach rund 11000 Kilometern

  • Schneeketten funktionieren hervorragend im Sand, wenn man sich festgefahren hat
  • Der Spaten (Truper T-2000) war eine gute Investition
  • Festfahren im Sand ist nervig und zeitintensiv (Zweiradantrieb ist nicht das Nonplusultra)
  • Sonnencreme, Sand und Schweiß ergeben ein natürliches Peeling
  • Es ist sehr beruhigend zu wissen, dass auf dem Dach weitere 40 Liter Sprit sind
  • Pinkeln bei 70 km/h Wind funktioniert am besten im 90°-Winkel zum Wind
  • Bei 70 km/h Seitenwind und losem Untergrund wird das Hinterrad in einen ca. 15°-Winkel gepresst, sofern man sich noch auf dem Bike halten kann
  • Fahrradfahren bei 70 km/h Wind macht nur noch begrenzt Spaß
  • Aufgewirbelter Sand im extrem starken Wind tut richtig weh und kann das Objektivglas der Kamera zerstören, oder den Filter, wenn man einen verwendet
  • Die Argentinier und Chilenen gehen nicht so gerne auf die Berge, sie laufen lieber unten rum und schauen diese an (Diese Aussage eines begeisterten argentinischen Wanderers deckt sich mit unseren Erfahrungen)
  • Wegpflege gibt es nicht, sofern es Wege gibt
  • Auf argentinischen und chilenischen Schnellstraßen gibt es plötzlich Geschwindigkeitsbegrenzungen auf von 110 km/h auf 20 km/h
  • Am San Francisco Pass mit 4726 Metern Höhe stehen für 100 Meter Baustelle auf einer geraden Dirtroad zwei Leute den ganzen Tag da, die jeweils ein Stop & Go Schild umdrehen – für etwa 20 Autos am Tag. Immerhin bekommt man gleich das Go hingedreht
  • Am San Francisco Pass sind die Steine durch Sand im Wind in eine Richtung sandgestrahlt
  • Reiseradler sollten den San Francisco Pass nur von West nach Ost befahren. Sonst heißt das: ca. 400 Kilometer heftigster Gegenwind
  • Die Dirtroads in Argentinien sind größtenteils besser gepflegt, als in Chile
  • Der höchste Punkt für unser Auto ist bis dato 5100 Meter – Ende wegen weggeschwemmter Straße
  • Die meisten deutschen Reisenden, die wir trafen, wirken überausgerüstet
  • Unser üppiger Werkzeugkasten hat den Argentinischen Zoll mitten in der Wüste auf 4800 Metern gerettet
  • Der Argentinische Zoll sollte über die Investition in Bordwerkzeug nachdenken
  • Reiner gemahlener Kaffee ohne Milch- und Zuckerzusatz ist in Argentinien und Chile ein seltenes Gut
  • Elektrische Feuerzeuge zünden auf 4300 Metern nur noch bei etwa jedem zehnten Versuch
  • Man ist nie lange genug an einem Platz, um die Wäsche trocknen zu lassen
  • Der ideale Schmuggelplatz beim Zoll wäre das Dach des Autos
  • Die Prozedur an den Grenzübergängen war noch an keiner Grenze identisch, obwohl wir bereits sieben mal Chile – Argentinien hinter uns haben
  • Steine und Felsen sind wesentlich flexibler als Auffahrkeile
  • Der einzige staubfreie Platz in unserem Auto ist der Kühlschrank
  • Überdruck ist die Lösung für’s Staubproblem. Dachluke vorne auf, Lüftung an und Fenster zu. So muss die Luft durch sämtliche Löcher in der Karosserie entweichen, der Staub findet kaum noch einen Weg hinein
  • Autokarosserien haben gefühlt 10000 Löcher
  • In der Wüste ist es wirklich sehr trocken
  • In Argentinien und Chile ist das Brot genauso trocken, wie die Wüste

Das Leben im Auto
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