Von Vulkan zu Vulkan

Neuer Vulkan, neues Glück! Dieses Mal geht’ s auf den Vulkan Chillán. Im Vorfeld bei der Tourenrecherche wurde schon klar, dass an diesem Berg was los sein dürfte. Am Fuß gibt es ein größeres Skigebiet und reichlich Thermalquellen. Der Vulkan selbst besteht aus zwei Gipfeln: ein Aktiver und ein Erloschener. Laut Karte gibt es sogar einen Weg bis auf den erloschenen Gipfel!
Was wir nicht wussten: auch hier gibt es einen Bikepark und dieser scheint tatsächlich brauchbar zu sein. Es gab wohl sogar mal einen Lauf der Downhillweltmeisterschaft hier. Das ganze Gebiet ist extrem touristisch und am Wochenende wohl gut von der Stadt Chillán besucht – ähnlich wie die Region Garmisch-Patenkirchen mit München.

Es gibt Trail!

All das sind gute Vorrausetzungen, dass dieses Mal tatsächlich einen funktionierender Trail existiert. Voll motiviert starten wir die Stichtour mit 1600 Höhenmetern. Bike in die PeakRider Tragevorrichtung  – die wir nach und nach immer mehr schätzen – und ab geht’ s. Der Trail verläuft zunächst im Wald und ist so ausgelaufen, dass er zu einem richtigen Hohlweg geworden ist. Eine Achterbahn für die Abfahrt – das wird ein Spaß!
Wir passieren ein paar Schwefelquellen, bevor der Trail in ein Hochtal quert. Dort hält sich doch tatsächlich eine S5 Stelle versteckt. Wer hätte das gedacht. Wir steigen weiter auf einen Sattel auf – und unsere Kinnladen fallen runter. Der gut ausgelaufene Trail führt hinter dem Sattel wieder ins Tal. Unser Weg zum Gipfel sieht aus, als hätte er den letzten Besuch vor zwei Jahren gehabt. Wir schauen trotzdem weiter. Nach einer langen Querung kreuzt ein Feldweg aus dem Skigebiet. Auch dieser wurde das letzte Mal wohl vor Jahren benutzt. Er wurde von Wind und Asche des Vulkans schon zur Hälfte zugeweht. Ein paar Meter geht es laut Karte hier entlang, bis der Trail nach rechts zum Gipfel ziehen soll. Aber es gibt weit und breit keine Spur von einem Trail. Nicht einmal Trittspuren sind zu sehen. Schöne Schei..!

Es gab Trail!

Wir geben nicht auf und folgen dem Feldweg für eine geschlagene Stunde – immer in der Hoffnung, noch einen Trail zu finden. Tatsächlich finden wir einen kaum erkennbaren Trail. Die Hoffnung für den Gipfel ist wieder da! 600 Höhenmeter sind es ab hier noch. Bereits nach 100 Höhenmetern verläuft sich der Trail komplett, hm. Wir folgen ein paar alten Trittspuren in der Vulkanasche. Immer wieder gibt es kleine Rauchwolken aus dem aktiven Gipfel. Die Trittspuren scheinen zum aktiven Gipfel zu führen. Gut, dann fahren wir eben vom aktiven Gipfel ab! Als könnte der Berg unser Gespräch verfolgen, gibt es plötzlich eine laute Explosion und eine Aschewolke schießt kilometerhoch in den Himmel – und wir stehen etwa einen Kilometer Luftlinie davon entfernt!

Der Entschluss, auf den inaktiven Gipfel umzuschwenken, ist schnell gefasst. In dem Mix aus Vulkanasche und Steinchen sollten wir gut runter surfen können. Die letzten rund 400 Höhenmeter stapfen wir also weglos den Hang hinauf zum Kraterrand. Der Aufstieg wird zur Qual: Die Asche gibt ganz langsam unter den Füßen nach, bei jedem Schritt rutscht man einen Halben zurück. Eine gute Stunde Plagerei und wir stehen am Kraterrand. Endlich ist es geschafft!

Zeit, den Gipfel zu genießen haben wir nicht. Unglücklicherweise hat starke Quellwolkenbildung eingesetzt und die Wolkenuntergrenze sinkt unter den Gipfel. In einer Wolke blindlinks in einen Hang reinstechen, den man nicht kennt, ist keine gute Idee. Wir nutzen ein kleines Wolkenfenster und rollen rein. Trotz reichlich Steinen klappt das Hangsurfen wunderbar. Die kurze, wackelige Gewöhnungsphase ist schnell überwunden.

Wir carven in großen Schwüngen einen Vulkan mit 3100 Metern Höhe herunter! Crazy Shit! Das macht richtig Spaß – besonders, als das Gelände etwas abflacht und verspielter wird. Dünen in der Asche werden zu Steilkurven und Kickern, größeren Felsblöcken gilt es mit rasanten Haken auszuweichen. Aber Vorsicht: geringstes Übersteuern führt zur Bodenprobe! Viel zu schnell ist der Spaß vorbei; das Grinsen bleibt aber selbst, als wir mühsam die Feldwegquerung rauskurbeln müssen.

Am Sattel angelangt, wartet die restliche Portion Trail auf uns. Flowig rollen wir das Hochtal hinab, bis wir die S5 Stelle erreichen. Eine kurze Anrollprobe stellt die Sache klar: wir lassen die Stelle aus, der Untergrund ist viel zu staubig, um kontrolliert und sicher einzufahren. Wenig später liegt uns der Geruch fauler Eier in der Nase – die Schwefelquellen fliegen vorbei. Und schon sind wir an der Achterbahn durch den Wald. Enge Kurvenwechsel, kleine Kanten zum Abziehen und hin und wieder ein kleine S3 Flowtech Stelle. Eine Abfahrt, wie man sie sich nur wünschen kann!
Obwohl es zwischendurch anders aussah – der Berg und die Abfahrt ist genial; die Tour ein voller Erfolg. Wir gönnen uns erst mal eine eiskalte Cola und einen Kaffee bei den Thermalquellen, bei gefühlt 40 Grad Lufttemperatur.

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