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Außergewöhnlich gewöhnlich

Mitte November – da ist die Bikesaison noch nicht vorbei. Die Touren beschränken sich aber meist auf Höhenlagen um 2000m. Doch dieses Jahr ist alles anders. Das Wetter dümpelt herum, läd Schnee ab, aber zu wenig für Wintersport. Und es wird wieder warm und sonnig, allerdings unter der Woche – da ist Brötchen verdienen angesagt.

Als pünktlich zum Wochenende das Wetter wieder schlecht wird, öffnet sich dennoch ein 3000er-Fenster. Das ist schon sehr außergewöhnlich für Mitte November. Südseitig in steilen Hängen sollte es schneefrei sein. Der einzige derartige Hang, der uns annähernd auf 3000m (genau genommen auf 2985m) bringt, ist Teil einer seit Jahren unversuchten Tour. Unversucht, weil ein ewig langes Tal ewige Kurbelei und Höhenmeterverschenkerei in der Abfahrt verspricht. Jetzt ist die Zeit gekommen, dies zu überprüfen.

Die Kurbelei ins Tal mit imposantem Gletscherblick fällt deutlich gemäßigter aus, als befürchtet. Nach nicht mal einer Stunde sind wird drin; wenigstens zwei hatten wir gerechnet. Wir entdecken einen Trail auf der anderen Talseite. Er rettet die Abfahrt und gleichzeitig die ganze Tour, denn es beginnt zu regnen. Wir beschließen, so lange weiter zu kurbeln, bis wir eine geeignete Stelle finden, um über den Bach zum Trail zu queren und dann abzufahren. Und siehe da, bis wir eine gefunden haben, hat es längst aufgehört zu regnen. Also weiter!

Die Bikes liegen gut auf den Schultern. Wir kommen schnell vorwärts, auch dank der eisigen Temperatur, die nach und nach unter 0°C sinkt. Mit zunehmender Höhe nimmt auch der Wind zu. Er zerrt uns die Bikes fast von der Schulter. Immer wieder machen wir einen ungeplanten Satz zur Seite. Der Boden ist gefroren, es liegt etwas Schnee und wir sind in kurzer Hose unterwegs. Es war schon mal wärmer, aber auch schon mal kälter.

Schließlich stehen wir oben, bei 50km/h Wind und 85km/h Böen, wie die Daten der Wetterstation auf dem Gipfel später im Internet zeigen werden. Die Gipfelpause wird gestrichen und schon gehts in die Abfahrt. Etwas steif geht ‘s durch grobes Blockwerk. Extrem enge und steile S5-Kehren machen den Trail sehr knackig und der wegbrechende Bodenfrost sorgt für den ein oder anderen Patzer. Dafür wird ‘s uns schnell warm!

Nach der Schwerstarbeit geht es im gemütlichen Flowtech weiter. Immer mit Blick auf die verschneiten Nordhänge und kleine Schneeschauer, die um die Berggipfel ziehen. Eine raue Stimmung, die durch den Wind noch bestätigt wird. Aber gleichzeitig ist es auch ein Genuss, die volle Wucht des Wetters zu erleben.

Der lange Trail aus dem Tal heraus entpuppt sich als netter Flowtrail und so können wir die Tour als kompletten Erfolg verbuchen. Außergewöhnlich war sie dann doch nicht, wenn man den weiteren Verlauf des “Winters” bis jetzt betrachtet.

2 Gedanken zu “Außergewöhnlich gewöhnlich

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