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Gelobte Rinnen

Sehr günstige Lawinenlage, fast frischer Powder, perfektes Wetter und Zeit – eine Kombination, die verhältnismäßig selten ist. Wenn sie eintritt, wird sie ausgenutzt. Und wenn dabei die Möglichkeit besteht, ein paar Abfahrtsprojekte zu realisieren, die schon seit Jahren auf der To-Do-Liste stehen, dann werden die Tage bis aufs äußerste ausgenutzt!

Viel zu früh morgens stehen wir auf dem Parkplatz der Vermuntbahn und bemühen uns, nicht schockiert von der Menschenschlange zu sein, die bis auf den Parkplatz hinaus reicht. Offensichtlich haben nicht nur wir realisiert, dass gute Bedingungen herrschen. Zudem scheint das Kassensystem kaputt zu sein, denn die Preise werden heute per Hand mit einem Edding auf die Karten geschrieben. Da bleibt der Kassiererin nicht mal die Zeit, uns wie üblich heimlich die Talfahrt mit der Bahn unterjubeln zu wollen.

Gute 1,5 Stunden später steigen wir aus dem Tunnelbus und beginnen den Aufstieg in Richtung Verhupfspitze. Doch wir folgen nicht wie üblich dem Normalaufstieg über den Litznersattel, sondern steigen direkt unter dem Gletscher auf. Von dort geht es auf den Südgrat des Lobturms und der Hinteren Lobspitze. Dort erwarten uns 3 optisch sehr nette Rinnen. Leider versperrt uns ein großer Felsriegel den Weg auf dem Grat. Ohne Eisen und Pickel ist da (für uns) nix zu machen. Es bleibt also nur die erste Rinne, von uns liebevoll Notabfahrt getauft.

Die "Notabfahrt", welche wir wegen der Unpassierbarkeit des Grates fahren mussten

Rinne 1, die “Notabfahrt”, welche wir wegen der Unpassierbarkeit des Grates fahren mussten

Die Notabfahrt ist auch nicht die schlechteste Wahl. Mit über 35° Neigung und gutem Powder kann man es hier schon ganz ordentlich laufen lassen! Wir ziehen ein paar geniale Turns in den Schnee. Leider ist das untere Drittel etwas felsdurchsetzt, wodurch Michael einen spektakulären Crash hinlegt. Er wird damit als Stylekönig des Tages enden.

Flo in der Notabfahrt

Flo in der Notabfahrt

Nach der Notabfahrt queren wird unter der Westflanke des Lobturms, um schließlich über den Nordwestgrat aufzusteigen. Das ist zunächst extrem nervig, weil hier unter 10cm Powder ein fester Harschdeckel steckt. Nach wildem Gestochere und fast unzähligen Abrutschern erreichen wir dann etwas erschöpft einen Einstieg in die große Nordrinne.

Aufstieg zur nächsten Rinne

Aufstieg zur nächsten Rinne

Im Vollgasmodus geht es die Nordrinne abwärts. Der Schnee ist recht brauchbar, die Rinne schön offen und sie hat einen guten, langsam abflachenden Auslauf. Innerhalb weniger Sekunden sind die 350 Höhenmeter vernichtet. Weiter gehts im Lobtäli und schließlich durch das Bachtobel bis in Tal. Das Bachtobel bietet eine lustige Wächtenkombi im Inneren, die sich teils fahren, teils springen lässt.

Im Tal angekommen, bauen wir um und steigen zum Madlenerhaus auf. Mit der Dämmerung treffen wir schließlich dort ein und bekommen vom Hüttenwirt erst mal eine Standpauke, warum wir so spät sind. Tolle Begrüßung! Der Abend auf der Hütte wird aber trotzdem sehr gemütlich.

Unser Ziel im Mondlicht

Unser Ziel im Mondlicht

Am nächsten Morgen starten wir direkt nach dem Frühstück zur Nordrinne der Vorderen Lobspitze. Der Aufstieg bis zur Rinne klappt gut. Um die Lawinengötter sanft zu stimmen, opfert Michael 40 Euro in die Fallwinde aus der Rinne. In der Rinne selbst hat es allerdings durch Wind und Lockerschneerutsche stellenweise einen Harschdeckel. Bleibt also zu hoffen, dass die linke Rinne im zweigeteilten Abschnitt bessere Abfahrtsverhältnisse aufweist.

Aufstieg in der Nordrinne der Vorderen Lobspitze

Aufstieg in der Nordrinne der Vorderen Lobspitze

Nach dem zähen Aufstieg durch die steile Rinne erreichen wir einen idyllischen Kessel, den die Sonne in tolles Licht taucht. Jetzt gibt erst mal eine ausgiebige Brotzeit. Die letzten Höhenmeter sind dann schnell bewältigt. Schließlich stehen wir in einer kleinen Felslücke auf dem Gipfelgrat der Vorderen Lobspitze und genießen das Panorama und den Blick auf unsere Highspeedspuren von der Abfahrt am Vorabend.

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Nach kurzem Umbau geht es an die Abfahrt. Der unverspurte Kessel bietet uns besten Powder und einen kleinen Sprung. Es lassen sich ein paar fette Turns ziehen. Kurz darauf stehen wir an der Kante zur Rinne. Auf den ersten Metern zeigt sich schnell, dass 45° und mehr auf dieser Länge doch recht steil wirken. Zum Glück ist unsere linke Abfahrtsrinne nicht vom Harsch heimgesucht worden. So klappt die Abfahrt bis zum Durchbruch zur Hauptrinne sehr gut. Der Durchbruch ist allerdings recht felsdurchsetzt, was uns durchaus fordert. Der untere Teil der Rinne klappt wieder recht gut und wir können so langsam den Gashahn etwas aufdrehen.

Ausgerechnet der mittlere Teil mit über 45° ist  felsdurchsetzt, was diesen Abschnitt nicht ganz leicht macht

Ausgerechnet der mittlere Teil mit über 45° ist felsdurchsetzt, was diesen Abschnitt nicht ganz leicht macht

Der große, offene Hang unterhalb der Rinne artet schließlich in schönes Vollgasballern aus. Wir halten uns rechts, um schließlich noch auf die Tschifernella aufzusteigen, denn da wartet noch einmal die spaßige Abfahrt durch das Bachtobel auf uns. Außerdem lässt sich so das flache Rausqueren zum Vermuntsee vermeiden. Es folgt der altbekannte Hatsch am Vermuntsee vorbei und schließlich die Talabfahrt nach Partenen, die in noch erstaunlich gutem Zustand ist und so noch richtg Spaß macht! Ein gelungenes Wochenende mit Poweder satt und genialen Abfahrten!

Erkenntnisse des Wochenendes:

  • Die Notabfahrt ist mehr als nur eine Notabfahrt
  • Der Aufstieg über den Nordwestgrat des Lobturms ist recht zäh
  • Die Nordrinne am Lobturm mit Abfahrt durchs Bachtobel ist besser, als erwartet
  • Mit Schneeschuhen kann man bis 42° Hangneigung noch sehr bequem spuren
  • 45° wirken auf größere Länge schon recht steil

Michael war in den Abfahrten mit Filmkamera unterwegs. Hier seine Aufnahmen, NICHT in chronologischer Reihenfolge:

Und hier die Fotogalerie des Wochenendes. Danke an Michael für seine Bilder!

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