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Reibungsbikerei

Da ist es! Das erste nennenswerte Hochtourenprojekt für die Saison 2013. Und das Anfang Juli, weil uns Schnee und Wetter nicht früher lassen wollten. Entschädigend für die lange Wartezeit schien sich die gesamte Vielfalt nicht ausführbarer Hochtouren in diesem Projekt versammelt zu haben, denn es war eine unglaublich geniale Tour! Vielleicht lag dies aber auch daran, dass unser Abfahrtstrail eigentlich der Abstieg eines Klettersteiges ist und im Gipfelbereich durch 250 hm blanken Fels führt.
Die Talabfahrt existiert in keiner Karte, sie wurde zufällig in Google Earth entdeckt; sonst ergaben die Recherchen keinerlei Hinweise. Dementsprechend unsicher war der Erfolg des Projektes also schon auf den ersten Metern.

Nachdem wir den Traileinstieg bald 15 min vergeblich suchten, fiel uns plötzlich auf, dass der Trail ganz unscheinbar in einem Murentobel nach oben führt. Wenig später zeigte uns ein Pfeil den Weg nach links. Unter dem Pfeil stand “Latschenfresserweg”. 500 hm auf diesem Trail – das konnte ja heiter werden mit den Bikes auf den Schultern! Erstaunlicherweise war der Weg aber gut gepflegt, so dass der Aufstieg recht mühelos zu bewältigen war.

Aufstieg kurz vor dem Gipfel

Aufstieg kurz vor dem Gipfel

Es folgte der Aufstieg über die flowigen 250 hm des Berges, bis wir schließlich an die erste Seilstelle kamen. Das Gelände wandelte sich rasch in blanken Fels. Der “Trail”, der nun nur noch aus auf den Fels gemalten Markierungen bestand, trumpfte sogleich mit der ersten, absolut grenzwertigen Stelle auf. Die Zuversicht, den Berg komplett abzufahren, sank drastisch und mit ihr auch die Motivation. Langsam stiegen wir weiter durch eine grenzwertige Stelle nach der anderen. Nahezu Meter um Meter wurde auf Fahrbarkeit begutachtet. Verwunderlicherweise sah bei genauer Betrachtung aber jeder Meter irgendwie lösbar aus! Doch das würde sich in der Abfahrt zeigen: entweder ist fast alles fahrbar, oder es ist alles fast fahrbar.
Die zahlreichen Klettersteigbesucher trauten ihren Augen kaum, als sie drei Jungs mit den Bikes auf den Schultern in diesem Gelände antrafen. Doch noch weniger trauten sie ihren Ohren, als sie in Hörweite kamen und unsere Analyse der Abfahrt hörten. Man konnte den WTF-Moment (What The Fu..) regelrecht von den Gesichtern ablesen. Für uns war das eine Gaudi! Dennoch ergaben sich viele nette Gespräche, auch auf dem Gipfel, den wir nach kompletter Analyse der Abfahrt mit den Bikes erreichten. Die Chancen standen also garnicht so schlecht!

Wie wir im Aufstieg feststellten, zeigte sich die Abfahrt wirklich oft weglos. Allein der griffige Fels und die guten Reifen, gepaart mit 0,7 Bar Luftdruck konnten hier noch für Haftung sorgen. Meter um Meter wurde geknackt, oft erst nach mehreren Anläufen. Doch irgendwie lies sich fast jede knifflige Stelle lösen!  Einzig die drei Seilpassagen und eine Spitzkehre mit gefühlt 1 m Höhenunterschied auf einer Radlänge können von den nächsten Bikern geknackt werden. Kaum zu glauben, 250 hm fast durchgängig fahrbares Grenzwertgelände!

Die gefährlichsten Stellen werden gesichert (gespottet).

Die gefährlichsten Stellen werden gesichert (gespottet).

Es folgt der flowige Teil der Abfahrt, bis wir schließlich in den Latschenfresserweg einbiegen. Hier zeigt sich schnell, dass wir den Trail im Aufstieg völlig unterschätzt haben. Da er kaum Felsanteil hat, wirkte er nicht so anspruchsvoll.  Allerdings ist jede zweite Spitzkehre dermaßen eng und steil, so dass auch hier vieles im Grenzbereich des Fahrbaren liegt. Bis zum letzten Meter zog sich die Schwierigkeit des Trails und so waren wir im Tal schließlich gut bedient mit der gesamten Abfahrt. Doch alle hatten wir ein breites Grinsen im Gesicht, denn die Liste der drei anspruchsvollsten Abfahrten hat so eben einen Neuzugang erhalten. Man munkelt, dass dieser Neuzugang sogar den ersten Platz belegt.

Ein Gedanke zu “Reibungsbikerei

  1. Bin mal gespannt wie viele Neuzugänge noch folgen. Die offensichtlichen Projekte Eures Reviers habt Ihr ja längst alle abgehakt! ;-)

    Es heißt übrigens Grenzvertgelände mit v! LoL

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